Schwäb'sche Eisenbahn
Wollt amol a Bäurle fahre
Jan Georg Plavec,
24.02.2011 17:02 Uhr
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Ein Zug rauscht am Durlesbacher Bahnhof vorbei. Foto: Zweygarth
""Man setzt die Prioritäten anders, der Kurbetrieb ist wichtiger.""
Ortsvorsteher Grobe über die Stadtverwaltung
Wer heutzutage die "Schwäb’sche Eisenbahn" besingt, dem fallen in schönster Eisenbahnromantik der Bock ein, sein oberschwäbischer Besitzer und das immer wiederkehrende Trulla-trulla-trulla-la, das Tübinger Studenten oder gänzlich unbekannte Verfasser in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gedichtet haben, je nachdem, wen man dazu befragt.
"Oi Billettle, seid so gut": der Bauer, der geizig und blauäugig zugleich seinen Geißbock "an de hintre Wage na" bindet, ist der Protagonist dieses schwäbischen Kulturguts – und ein Stück Sozialgeschichte. Als die Eisenbahn Mitte des 19.Jahrhunderts in die Welt der Landbevölkerung eindrang, war sie eine Sensation und ein Monstrum gleichermaßen.
Jeden Durlesbacher Fahrgast persönlich gekannt
Sie stand für den Fortschritt, der im Königreich Württemberg Einzug hielt. Und zwar an jeder Ecke. Haltestellen wie Schemmerberg, Wattenweiler oder eben Durlesbach künden von einer Zeit, in der es für die damals Königlich Württembergische Staatseisenbahn auch darum ging, möglichst allen Bürgern ihre Transportleistung angedeihen zu lassen. Nur so ist zu erklären, dass man hier, wo die Straße von Gaisbeuren kommend rechts Richtung Kloster und links in den Wald führt, tatsächlich zu einem Bahnhof gelangt.Idyllisch liegt das Gebäude von 1911 in einem kühlen, bewaldeten Tobel, wo der Durlesbach auf die Schussen trifft.
Der vierstöckige Bau, innen in sanftem Jugendstil und außen mit Holzschindeln geschmückt, erzählt von der Wertschätzung der Bahnfahrer und der damals noch selbstständigen Gemeinde Reute, die heute zu Bad Waldsee gehört. Es gab drei Wartezimmer mit Fischgrätparkett und teils lederbezogenen Wartebänken, per Verordnung festgeschriebene fünfzig Mark Wechselgeld im Wandtresor für den Fahrscheinverkauf sowie zwei Wohnungen für die Bahnhofsvorsteher. 1963, als Durlesbach vom Bahnhof zum Haltepunkt herabgestuft wurde, räumten sie ihren Platz für Fahrdienstleiter mit vorrangig technischen Aufgaben.
Anton Hensler war der Letzte, der in Durlesbach das der Bequemlichkeit halber selbst eingebaute Zylinderschloss zusperrte. 1984 war das, er kannte jeden einzelnen Fahrgast persönlich. Sieben, acht Leute waren es vielleicht, die in Durlesbach mit dem frühen Zug um 6 Uhr wegfuhren und mit dem letzten um 19 Uhr wiederkamen. Dazwischen fuhren auch Züge, ein- oder ausgestiegen ist aber fast nie jemand.
Die Schwäb’sche Eisenbahn - ein Politikum
Hensler, 73, erinnert sich auch noch an den alten Hirschen-Wirt, der die Franziskanerinnen vom Kloster Reute per Kutsche oder Schlitten an etlichen Kreuzen und dem Bildnis der seligen Betha von Reute vorbei zum Bahnhof fuhr. "Wenn der besoffen auf der Kutsche geschlafen hat, sind die trotzdem gut angekommen. Die Pferde kannten den Weg nämlich auswendig", erzählt Hensler.
Als die Bundesbahn Durlesbach mit dem Sommerfahrplan 1984 zum "Haltepunkt auf Antrag" für Reisegruppen degradierte und das Bahnhofpersonal abzog, begann der Niedergang. Bröckelnder Putz, Rohrbrüche, Gestrüpp. Die Stadt Bad Waldsee hatte keine Verwendung für ihr Wahrzeichen aus dem Volkslied. Der einst stolze Haltepunkt erlitt dasselbe Schicksal wie die meisten Lokalbahnen: Er wurde abgeschafft und vergessen. Ein Privatmann, der das Gebäude kaufte, steckte keinen Pfennig in den Unterhalt.
Ein Politikum ist die Schwäb’sche Eisenbahn seit ihren ersten Tagen. Von Cannstatt aus trat das Königreich Württemberg 1845 gegen Baden und Bayern zum Wettlauf Richtung Bodensee an, den es fünf Jahre später mit der Eröffnung des letzten Teilstücks Geislingen–Ulm gewann. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut, damals bekam auch Durlesbach seinen Bahnhof.
Bahnhof Biberach ist nicht zum Shoppingcenter verkommen
Heute führen Oberschwaben die Südbahn hinter Ulm eher als Beweis dafür ins Feld, von den altwürttembergischen Machthabern in Stuttgart missachtet zu werden. Bis 1976 fuhren hier Dampfloks, noch heute ist die Südbahn hinter Ulm nicht elektrifiziert. Dass das laut Bahn bis Ende 2015 nachgeholt wird, glaubt in Oberschwaben angesichts der nicht gesicherten Finanzierung noch niemand.
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Und?
@Andyh: "das projekt ist gewollt!" Das mag wohl sein. Fragt sich nur, von wem...
Bahnhof Durlesbach
Endlich kann Durlesbach aufatmen den Ihr berühmter Bahnhof wird jetzt auch tiefer gelegt. Unbestätigten Meldungen zu Folge hat sich der Bahnchef und der allseits geliebte Landesvater dafür eingesetzt. Ein Sonderzug mit Tunellbohrmaschinen wird am nächsten Sonntag erwartet. Logführer wird Herr Grube und Heizer Herr Mappus sein. Bei Spätzle und Maultaschen sollen die Bürger mal richtig über den Tisch gezogen werden.
Stuttgart, Ulm und Biberach....
Stuttgart, Ulm und Biberach, Meckenbeuren, Durlesbach....schon damals wurde - wenn es um die Bahn ginf - gelogen und niemand nimmt bis heute daran Anstoss. Oder will mir jemand weismachen, dass der Zug von Ulm kommend überBiberach erst nach Meckenbeuten und dann zurück nach Durlesbach gefahren ist. Also hier muß ich als Schwabe meine Vorfahren schon mal in schutz nehemen....wir können eben besser als alle anderen germanischen Stämme jede Bahnstrecke so biegen, daß sie sich reimt. Allerdings kann ich mir keinen Reim auf S21 machen, da waren zuviele - bei jedem Sch..ßdreck lächelnde - Preußen am Werk. Wenn Grube eine Bahn vergräbt kann darin Kefer schwimmen sehen.