Schweine-Camp in Neuruppin
"Demut gegenüber dem Tier"
dpa,
15.02.2011 14:10 Uhr
Foto: dpa
Neuruppin - Als an diesem Samstagmorgen Schwein stirbt, wirkt das viel sanfter als erwartet. In der hell erleuchteten Schlachthalle riecht es eigentlich nach gar nichts. Das Tier ist vollkommen ruhig. Ohne jede erkennbare Angst trottet es in einem kleinen Gatter umher, als der Schlachter am Hals eine Zange ansetzt. Mit einem Stromschlag wird das Tier betäubt. Es kippt zur Seite und wird an einem Bein in die Luft gezogen. Der Mann steckt dem Tier ein Messer mit einem Abflussrohr für das herausquellende Blut in den Hals.
Es ist genau dieser Moment, vor dem die Teilnehmer des zweieinhalbtägigen "Porkcamp" den größten Respekt hatten. 17 Menschen aus ganz Deutschland sind dabei. Die meisten davon kennen sich, wenn überhaupt, nur über das Internet als kochinteressierte Laien. Die Teilnehmer treibt nicht die Lust auf Blut, sondern das Interesse am Tier und seiner Verarbeitung ». Ein Wochenende lang gehen sie im brandenburgischen Neuruppin der Frage nach, wie genau die rund 40 Kilogramm Schweinefleisch entstehen, die jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr verzehrt. Darauf suchen sie auf einem Gutshof mit eigener Zucht, Schlachterei, Küche und Gaststube eine Antwort.
Gemeinsam ein Schwein schlachten und verarbeiten? Jeder hat sich seine eigenen Gedanken zur Vorbereitung auf diese ungewohnte Erfahrung gemacht. "Entweder gehe ich als Schweineliebhaber hier raus - oder als Vegetarier", sagt einer der Teilnehmer beim gemeinsamen Grünkohlessen zum Auftakt am Freitag. Ein anderer will "Demut gegenüber dem Tier" gewinnen, das er allzuoft gedankenlos verspeist.
Tatsächlich herrscht den ganzen Samstag über gelöste und interessierte Stimmung. Nach dem Schlachten und Entborsten am frühen Morgen haken die Teilnehmer beim Zerteilen genau nach: Wie haben die Tiere gelebt? Was haben sie gefressen? Und warum scheint die weiße Speckschicht am Bauch so ungewöhnlich dick? Das liege am harten Winter, erklärt Jörn-Peer Steinicke, Betriebsleiter von Gut Hesterberg. Da hätten die Schweine viel im Freien gespielt und sich mit dem zusätzlichen Fett vor der Kälte geschützt.
"Das hohe Gewicht kommt aber auch daher, weil die Tiere länger als gewöhnlich gelebt haben", sagt Steinicke, während einer seiner Mitarbeiter den Schweinekörper an einem Haken kopfüber an die Decke fahren lässt. Neun Monate seien fast dreimal so lang wie bei der Massentierhaltung. Mit etwa 140 Kilogramm Gewicht sind die Schweine auch deutlich schwerer. "Normalerweise sagt man: 100 Tage, 100 Kilo."
Nur dann passen die Tiere in die automatischen Weiterverarbeitungsmaschinen der großen Schlachthöfe, erklärt Steinicke, als einer seiner Mitarbeiter das Schwein zerteilt: Er schneidet das kopfüber hängende Tier bis zur Hälfte ein, so dass die Innereien aus dem Bauch herausquellen. Erst danach wird es in zwei Hälften geschnitten. Auch diese Szene wirkt im Vergleich zu den Horrorbildern aus Schlachthöfen überraschend handwerklich, beinahe kunstfertig.
Bevor das Fleisch der Tiere weiter zu Wurst verarbeitet wird, treffen sich alle zum gemeinsamen Frühstück. Die Teilnehmer - vor allem Städter aus Hamburg und Berlin, viele mit Medien- und IT-Berufen - greifen zu hofeigenem Schweinemett und Wurstplatte, sprechen über das Gesehene und denken über das Konzept dieses zweiten "Porkcamp" nach.
Es ist genau dieser Moment, vor dem die Teilnehmer des zweieinhalbtägigen "Porkcamp" den größten Respekt hatten. 17 Menschen aus ganz Deutschland sind dabei. Die meisten davon kennen sich, wenn überhaupt, nur über das Internet als kochinteressierte Laien. Die Teilnehmer treibt nicht die Lust auf Blut, sondern das Interesse am Tier und seiner Verarbeitung ». Ein Wochenende lang gehen sie im brandenburgischen Neuruppin der Frage nach, wie genau die rund 40 Kilogramm Schweinefleisch entstehen, die jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr verzehrt. Darauf suchen sie auf einem Gutshof mit eigener Zucht, Schlachterei, Küche und Gaststube eine Antwort.
Gemeinsam ein Schwein schlachten und verarbeiten? Jeder hat sich seine eigenen Gedanken zur Vorbereitung auf diese ungewohnte Erfahrung gemacht. "Entweder gehe ich als Schweineliebhaber hier raus - oder als Vegetarier", sagt einer der Teilnehmer beim gemeinsamen Grünkohlessen zum Auftakt am Freitag. Ein anderer will "Demut gegenüber dem Tier" gewinnen, das er allzuoft gedankenlos verspeist.
Tatsächlich herrscht den ganzen Samstag über gelöste und interessierte Stimmung. Nach dem Schlachten und Entborsten am frühen Morgen haken die Teilnehmer beim Zerteilen genau nach: Wie haben die Tiere gelebt? Was haben sie gefressen? Und warum scheint die weiße Speckschicht am Bauch so ungewöhnlich dick? Das liege am harten Winter, erklärt Jörn-Peer Steinicke, Betriebsleiter von Gut Hesterberg. Da hätten die Schweine viel im Freien gespielt und sich mit dem zusätzlichen Fett vor der Kälte geschützt.
Schweinekörper am Haken
"Das hohe Gewicht kommt aber auch daher, weil die Tiere länger als gewöhnlich gelebt haben", sagt Steinicke, während einer seiner Mitarbeiter den Schweinekörper an einem Haken kopfüber an die Decke fahren lässt. Neun Monate seien fast dreimal so lang wie bei der Massentierhaltung. Mit etwa 140 Kilogramm Gewicht sind die Schweine auch deutlich schwerer. "Normalerweise sagt man: 100 Tage, 100 Kilo."
Nur dann passen die Tiere in die automatischen Weiterverarbeitungsmaschinen der großen Schlachthöfe, erklärt Steinicke, als einer seiner Mitarbeiter das Schwein zerteilt: Er schneidet das kopfüber hängende Tier bis zur Hälfte ein, so dass die Innereien aus dem Bauch herausquellen. Erst danach wird es in zwei Hälften geschnitten. Auch diese Szene wirkt im Vergleich zu den Horrorbildern aus Schlachthöfen überraschend handwerklich, beinahe kunstfertig.
Bevor das Fleisch der Tiere weiter zu Wurst verarbeitet wird, treffen sich alle zum gemeinsamen Frühstück. Die Teilnehmer - vor allem Städter aus Hamburg und Berlin, viele mit Medien- und IT-Berufen - greifen zu hofeigenem Schweinemett und Wurstplatte, sprechen über das Gesehene und denken über das Konzept dieses zweiten "Porkcamp" nach.
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