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Leonberg und Umgebung
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Seine Schwünge strotzen vor Bewegung

"Leonberger Kreiszeitung", vom 21.01.2012 02:46 Uhr
Leonberg Die Ausstellung im Galerieverein über Hermann Glöckners Schaffen erzählt verschiedene Geschichten. Von Gabriele Metsker

Natürlich ist die Ausstellung, die am morgigen Sonntag im Galerieverein eröffnet wird, dem Künstler Hermann Glöckner gewidmet. Mit dem breiten Querschnitt durch seine Werke aus den Jahren 1923 bis 1985 ist sie eine regelrechte Retrospektive geworden.

Wer genauer hinschaut, der findet aber auch viele Zeugnisse des gemeinsamen Wegstücks von Glöckner und der Galeristin Beatrix Wilhelm. Sie hat 1974 ihre Galerie Nr. 6 in der Graf-Ulrich-Straße 6 in Leonberg eröffnet. Zehn Jahre lang war sie ein wichtiges Zentrum des kulturellen Lebens. Hier stellte sie 1981 zum ersten Mal die Werke des 1889 geborenen Künstlers aus, der zu den ersten Konstruktivisten in Deutschland zählt, und sie gab auch einen Katalog dazu heraus. Er zählt zu den ersten Publikationen, die einen Gesamteindruck seines Schaffens vermitteln, und wird bis heute häufig in der Fachliteratur zitiert.

Nicht zuletzt beginnt in der Leonberger Galerie von Beatrix Wilhelm auch die Geschichte des Warmbronner Verlegers und Antiquars Ulrich Keicher. Hier fanden von 1975 an von ihm organisierte Lesungen statt, bei denen Texte hochkarätiger Autoren erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Mit Unterstützung der Galeristin und ihres Mannes, der eine Druckerei hatte, erschienen schon bald begleitend die Hefte "Schriftsteller in der Galerie". Ihr Erfolg habe dem Antiquar schließlich den Mut gegeben, später mit seiner eigenen Reihe "Roter Faden" seine Aktivität als Verleger zu beginnen, erzählt die Kulturamtsleiterin Christina Ossowski.

Die Ära der Galerie Nr. 6 ist 1984 zu Ende gegangen. In Stuttgart hat Beatrix Wilhelm dann eine neue Galerie eröffnet und den beiden Leonberger Glöckner-Schauen noch vier weitere hinzugefügt.

Viele Werke, die jetzt im Galerieverein in Leonberg zu sehen sind, sind Leihgaben von Kunstkennern, die ihre Glöckner-Werke seinerzeit bei der in der damaligen Tschechoslowakei geborenen und in Berlin aufgewachsenen Galeristin gekauft haben. Ohne ihre Kontakte wäre diese Schau bei weitem nicht so vielfältig. Alle Werkgruppen sind vertreten: ganz frühe, gegenständliche Kohlezeichnungen, die Landschaften oder Akte zeigen, das in den 1930er Jahren entstandene sogenannte "Tafelwerk", die "Faltungen" aus Papier und Plastik, seine Collagen, die Drucke auf Papier und auch das Spätwerk mit den frei gezeichneten Schwüngen. Mit der Realisierung dieser Ausstellung ist ein lange gehegter Wunsch von Kulturamtsleiterin Christina Ossowski Realität geworden. Sie und Beatrix Wilhelm sind sich 1992 in Wilhelms Stuttgarter Galerie zum ersten Mal begegnet - bei einer Glöckner-Ausstellung.

Die Geschichte, wie die Galeristin und der damals in Westdeutschland wenig bekannte Künstler sich kennen gelernt haben, lohnt sich zu erzählen. Beatrix Wilhelm war seinerzeit befreundet mit Anton Stankowski und Karl Duschek, konstruktiv-konkret arbeitende Künstler, deren Atelier sich auf dem Killesberg befand. Sie beteiligten sich 1974 an der Ausstellung "Der Konstruktivismus und seine Nachfolge", kuratiert vom damaligen Direktor der grafischen Sammlung der Stuttgarter Staatsgalerie Gunther Thiem. Glöckner war ebenfalls mit 14 Werken vertreten; und er hatte den Umschlag und die Titelblätter des Kataloges gestaltet. So wurde Wilhelm auf Glöckner aufmerksam. Kontakt geknüpft hat sie erst wesentlich später, nachdem Stankowski sie Hermann Glöckner brieflich empfohlen hatte. Einfach war das nicht. "Er war skeptisch, nachdem er schon während des Dritten Reichs und später in der DDR Schwierigkeiten mit seiner Kunst hatte", erzählt die Kunstkennerin und Kunstbuch-Verlegerin. Nur durch gute Freunde war es ihm damals möglich, in Buchillustrationen seine Kunst zu schaffen - auch sie sind in der Ausstellung zu sehen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er durch eher prosaische "Kunst am Bau". Wilhelm hat ihn 1979 in seinem Atelier in Dresden besucht. "Es war auf Anhieb gegenseitige Zuwendung", erinnert sie sich, und mit der Gegenwart der Erinnerung fangen ihre Augen an zu leuchten: "Er war so ein weiser Mensch; wir hatten unglaublich intensive Gespräche." Sie liebt besonders seine Schwünge und seine Faltungen. "Es ist überall Bewegung, die einen einfängt. In zwei Dritteln seiner Werke sind die Schwünge wichtig." Wie er sie zeichnet, ist in dem 20-minütigen Film über den Künstler zu sehen, der im Foyer gezeigt wird.

Vernissage Die Ausstellung "Hermann Glöckner - Werke 1923 bis 1985" wird morgen um 11.15 Uhr im Galerieverein, Zwerchstraße 27, eröffnet. Nach einem Grußwort von OB Schuler führen Beatrix Wilhelm und Christina Ossowski einen Dialog über den Künstler und die Galerie Nr. 6. Die Ausstellung ist bis 25. März zu sehen.

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