Stuttgart - Die Tradition der Ostermärsche besteht seit über 50 Jahren: Im April 1958 brachen Friedensaktivisten von London zum 80 Kilometer entfernten Atomforschungszentrum Aldermaston auf, um auf die Gefahren der Atomkraft aufmerksam zu machen. Das atomare Wettrüsten im Kalten Krieg gab den Aktionen weiteren Auftrieb.
In Deutschland erlebten die Ostermärsche 1968 und 1983 ihre Höhepunkte mit hunderttausenden Demonstranten. 1968 wirkte sich die Antikriegs-Stimmung während der Studentenbewegung auf die Demonstrationen aus. Ende der 70er Jahre begann mit der Stationierung sowjetischer SS-20-Mittelstrecken-Raketen und dem sogenannten Nachrüstungsbeschluss der Nato eine neue Phase des atomaren Wettrüstens. 1983 zogen mehr als 700.000 Ostermarschierer durch die Städte, um gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II und Cruise Missile in Deutschland zu protestieren.
Nach der Einigung über den Abbau der atomaren Mittelstrecken-Waffen 1987 verlor die Bewegung ein zentrales Thema. Das Ende des Ostblocks ließ die Teilnehmerzahlen bei den Ostermärschen weiter sinken. Der Golfkrieg 1991 und der Kosovo-Krieg 1999 brachten kurzzeitig eine Wiederbelebung.

