SEK-Einsatz in Neuhausen Schreckschusspistole war alles andere als harmlos

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Am Tag, nachdem ein Polizeikommando einen 24-jährigen geflohenen Häftling nach Neuhausen auf den Fildern überwältigt hat, sind noch viele Fragen offen. Bekannt wurde nun, dass die Schreckschusswaffe gefährlicher war als gedacht. Der Mann muss nun mit einer weiteren Anklage wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall rechnen.

Knapp zwei Stunden hat der Sondereinsatz in dem Wohngebiet gedauert. Foto: SDMG
Knapp zwei Stunden hat der Sondereinsatz in dem Wohngebiet gedauert.Foto: SDMG

Stuttgart/Neuhausen - Am Tag, nachdem ein Polizeikommando einen 24-jährigen geflohenen Häftling nach einem mehrstündiger Einsatz in Neuhausen auf den Fildern überwältigt hat, sind noch viele Fragen offen. Sicher ist mittlerweile allerdings, dass der Mann beim Versuch der Polizei, ihn festzunehmen, selbst Schüsse mit einer umgebauten Schreckschusspistole in Richtung der Beamten abgegeben hat. Zunächst hatte es geheißen, nur die Beamten hätten bei der Verfolgung des Flüchtenden Warnschüsse abgegeben. Der Mann muss nun mit einer weiteren Anklage wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall rechnen.

Vollkommen unklar sei hingegen, so erklärt Steffen Ganninger, der Pressesprecher des baden-württembergischen Justizministeriums, warum der junge Mann am 11. Januar aus dem offenen Vollzug der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall geflohen sei. Der Neuhausener habe wegen schwerer Körperverletzung und mehrerer schwerer Raubdelikte seit Juli 2013 in Haft gesessen. Im Januar 2014 habe ihn das Landgericht Stuttgart zu einer Jugendstrafe in Höhe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Seine Strafe habe er zunächst im geschlossenen Vollzug in Schwäbisch Hall verbüßt.

Vorzeitige Entlassung in Aussicht gestellt gehabt

Dort habe er sich vorbildlich verhalten, Zukunftspläne geschmiedet und einen Schulabschluss angestrebt. Weil ihm alle Beteiligten eine ausgesprochen positive Prognose gestellt hätten, sei er nicht nur am 7. Januar in den offenen Vollzug in die Außenstelle Kapfenburg verlegt worden. Man habe ihm auch eine vorzeitige Entlassung aus der Haft in Aussicht gestellt.

Das Gut Kapfenburg ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, in dem Häftlinge wieder an das Leben in Freiheit gewöhnt werden. Bereits vier Tage nach seiner Verlegung habe der 24-jährige aber die morgendliche Stallarbeit genutzt, um zu flüchten. Seither wurde nach ihm gefahndet.

Am Dienstagnachmittag erhielt die Polizei Hinweise, dass sich der junge Mann in seiner Heimatgemeinde auf den Fildern aufhalte. Zwar gelang es den Beamten schnell, den 24-Jährigen aufzuspüren. Der bedrohte einen Beamten aber mit einer Waffe, flüchtete erneut, verbarrikadierte sich in einer Garage in der Mörikestraße und drohte damit, sich umzubringen.

Mit Schreckschusspistole hantiert

Ob der 24-Jährige wieder in die Vollzugsanstalt in Schwäbisch Hall kommt oder in ein anderes Gefängnis im Land gebracht wird, werde momentan geprüft. Sicher sei, so betont ein Sprecher des Landesjustizministeriums, dass der Mann vorerst nicht mehr in den offenen Vollzug komme. Ausbrüche aus dem offenen Vollzug seien in Baden-Württemberg eher selten. Im vergangenen Jahr habe es acht solcher Fälle im Land gegeben.

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2 KommentareKommentar schreiben

Waffen sind alle harmlos: Die, die sie nutzen entscheiden. So kann man die Leute auch vom "Täter" ablenken. Einer der "8" von 10 wars?

6 aus 49: Herr Holoch, da Sie diese Zahl erwähnt haben, 8 von 10.000 Häftlingen, 8 von 100... Ohne Bezug ist diese Zahl wertlos.

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