Selbstbestimmt hoch hinaus

Von "Leonberger Kreiszeitung" 

Ditzingen Im Alter in eigenen vier Wänden wohnen - das müsse keine Wunschvorstellung bleiben, sagt Werner Hoffmann vom Forum 55 plus. Der Verein wirbt für das Seniorenhochhaus. Von Franziska Kleiner

Ditzingen Im Alter in eigenen vier Wänden wohnen - das müsse keine Wunschvorstellung bleiben, sagt Werner Hoffmann vom Forum 55 plus. Der Verein wirbt für das Seniorenhochhaus. Von Franziska Kleiner

Werner Hoffmann ist Ideengeber, Vermittler, in gewisser Weise auch ein Vordenker, der aus Erfahrungen im persönlichen Umfeld gelernt hat. Jetzt macht er sich stark für ein Leben im Seniorenhochhaus. Entstanden vorwiegend in den 1970er Jahren, sind Hochhäuser heute meist behindertengerecht umgestaltet, als Wohnraum für Senioren jedenfalls "mehr geeignet als ein fünfstöckiges Mehrfamilienhaus ohne Aufzug", sagt Hoffmann. Der 50-Jährige ist Vorsitzender des Forums 55 plus. Die Mitlieder setzen sich für die Belange von Senioren ein.

Guido Paulmann etwa ist überzeugt von Hoffmanns Idee: Von 40 Eigentümern oder Mietern eines Hochhauses entschließen sich mindestens zehn Parteien, eine Wohnung in dem Gebäude gemeinschaftlich zu kaufen, um sie dann an einen ambulanten Pflegedienst zu vermieten. Die Senioren leben auch weiterhin in ihren eigenen vier Wänden, haben aber auf diese Weise bei Bedarf Pflegekräfte im Haus, nach Wunsch auch Haushaltshilfen. Da die jungen und alten Senioren selbst Vermieter seien, hätten sie die Macht, bei Bedarf "den ambulanten Pflegedienst durch Mehrheitsbeschluss auszutauschen", erklärt Hoffmann. Der Pflegedienst wiederum profitiert von den kurzen Wegen zwischen den Kunden. Hoffmann will die Wohnungseigentümer in ihrer selbstbestimmten Leben stärken, wohl wissend, dass er damit auch die Konkurrenz zwischen privaten Pflegediensten, Kirchen und Kommunen belebt.

Auch im Fall einer Wohnungsvermietung im Haus an Senioren müssten Eigentümer mögliche Unannehmlichkeiten mit den Mietern nicht fürchten: "Ich kenne keine Mietnomaden, die 70 oder 80 sind. Und ich kenne auch keine 80-Jährigen, die arbeitslos werden." In Ludwigsburg und Stuttgart haben Eigentümer bereits Interesse an der Idee und arbeiten mit Hoffmanns Hilfe an der Umsetzung dieser Wohnform. "Man muss der Realität ins Auge sehen", sagt Hoffmann. Ohne Unterstützung in der Pflege werde das Leben im Alter zuhause zunehmend schwierig. "Doch ins Pflegeheim will keiner." Die Einrichtung eines vielerorts diskutierten Mehrgenerationenhochhauses wiederum scheitert in der Region Stuttgart ein ums andere Mal an den hohen Kosten.

"Wenn etwas nicht funktioniert, tu um Gottes Willen etwas anderes", hält Hoffmann nun dagegen. Er entwickelte die Idee vom Seniorenhochhaus, in dem das Heimgesetz nicht gelte. Die administrativen Vorgaben seien dann auf ein Minimum beschränkt. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, dass diese Wohnform für Senioren bereits in Stuttgart-Freiberg, im Apollo-Hochhaus, existiert. Gleichwohl wirbt der 50-Jährige weiter für diese Form, nicht zuletzt, weil er als Geschäftstellenleiter einer Versicherung die Bevölkerungsprognosen kennt: Laut dem Statistischen Bundesamt sind 13 Prozent der deutschen Bevölkerung 55 bis 64 Jahre alt. In 20 Jahren wird im Kreis Ludwigsburg dem statistischen Landesamt zufolge ein Drittel älter als 60 Jahre sein. Provision erhalte er von seinem Arbeitgeber nicht, stellt Hoffmann klar. Der Ditzinger engagiert sich, weil er davon überzeugt ist, dass die deutsche Gesellschaft noch stärker als bisher auf den demografischen Wandel reagieren müsse.

Die Menschen spricht er mit seinen Überlegungen offensichtlich bundesweit an. Zu vielen Themen hat er Hörbeiträge produziert, die im Internet heruntergeladen werden können: Die 23 Sendungen wurden bisher 53 000 Mal abgerufen.

www.forum-55plus.de