Stuttgart - Es handelt sich um die moderne Neuauflage des Märchens vom Froschkönig, der sich nach dem Kuss in einen Prinzen verwandelt. Das märchenhafte Stück wird weltweit in vielen Großstädten aufgeführt, begeistert aufgenommen von etlichen Stadtplanern und Politikern – es geht darum, wie sich verlassene Industriegebiete, Brachen und andere verödete Orte in angesagte Quartiere verwandeln. Dort arbeiten dann neuzeitliche Geschöpfe wie Webdesigner, Werbeprofis oder Galeristen.
Dieser Strukturwandel bündelt sich in einem Leitbild, es ist die kreative Stadt . Über diesen Begriff diskutiert der Wissenschaftsbetrieb, spätestens seit der Amerikaner Richard Florida zur Jahrtausendwende mit seinem Buch „The Rise oft the Creative Class“, die Bedeutung der Kreativen für die Städte untersuchte. Heute holen die Uni Stuttgart und die städtische Wirtschaftsförderung nun zu einem lokalen Rundumschlag aus: Einen Tag lang diskutieren Landschaftsplaner, Architekten und Kulturwissenschaftler über den Wandel in den Großstädten – und darüber, ob und wie eine Stadt wie Stuttgart von diesen Entwicklungen profitieren könnte.
Es geht nicht nur um finanzielle Verwertung
Die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt sieht in der Kreativwirtschaft „eine Branche mit hohem Zukunftspotenzial“. Ihren Berechnungen zufolge arbeiten heute in Stuttgart mehr als 25.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in diesem Bereich. Jedes zehnte Stuttgarter Unternehmen gehört der Kreativwirtschaft an, und jedes achte Unternehmen der baden-württembergischen Kreativwirtschaft hat seinen Sitz in Stuttgart. Eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass kleine Start-ups überhaupt groß werden können, sind geeignete Räume mit entsprechend günstigen Mieten. „Solche Experimentierfelder sind eine grundlegende Bedingung für kreatives Schaffen“, sagt Ines Aufrecht, die die städtische Wirtschaftsförderung leitet.
Und genau in diesem Punkt liegt auch das größte Konfliktfeld, wenn es um die neue Gründerzeit in den Städten geht: „Eine Kommune darf nicht nur über die finanzielle Verwertung von Flächen nachdenken“, sagt Franz Pesch, der das Städtebau-Institut an der Uni Stuttgart leitet. „Die Städte sollten nicht alle ihre Nischen beseitigen. Bei den Kreativen handelt es sich oft zunächst nicht um wirtschaftlich starke Einheiten, sondern auch um kleine selbstständige Architekturbüros oder Künstler.“ Was Pesch dabei unausgesprochen lässt, ist die Tatsache, dass die Stadt Stuttgart viele Jahre lang bei Immobilienprojekten gerne mit großen Investoren geredet hat. Der Erlös von Filetstücken stand dabei im Vordergrund.


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absurd..
im schwäbischen Absurdistan werden wahrscheinlich bald Kreative aktiv von der Stadt angeworben werden müssen oder man schafft künstliche Kreativareale (da sollte man mal die Architekten des Euopaparks fragen) .......wer will denn in so einem verfilzten, spiessigen und dummen Umfeld arbeiten. Daran wird man die nächsten 25 Jahre durch das dümmste Grossprojekt in Deutschland erinnert..... Da ist Berlin, München und Hamburg immer noch die bessere Wahl....
Vertrieben und nicht gewollt in Stuttgart
Das soll doch wohl der Witz sein. In Stuttgart werden Kreative doch gar nicht geduldet. Kein Wort von H7. Erst kürzlich vertrieben. Es gibt ausreichend viele Gebäude, die den Kreativen zur Verfügung gestellt werden können, aber die Immobilienhaie wollen die Alte Bahndirektion und den Südflügel (der Nordflügel ist schon weg) zerstören, damit sich ein paar wenige bereichern und die Wagenhallen stehen bloß nur noch, weil sie sich haben kaufen lassen. Wenn nicht endlich auch der letzte Stuttgarter und Schiefbahnhoffreund aufwacht, dann wird es nie etwas anderes im Vordergrund stehen wie der Erlös von Filetstücken.
Stuttgart schon immer eine gute Brutstätte
für Kreative gewesen - trotz aller Lächerlich- und Widrigkeiten, die schon seit Jahrzehnten von der Stadtverwaltung ausgehen und die unterschiedlichen Sub- und Alternativkulturen torpedieren, bedrohen und sogar auslöschen. Die Ära Schuster ist da ein ganz besonders düsteres und schlimmes Kapitel. Alles, was nicht in das Weltbild dieses Kleingeistes auf dem Rathausstuhl passt(e), der sich nur auf Immobilienmessen und Weindorferöffnungen unter seinesgleichen wohl fühlt, wurde zumindestens links liegen gelassen. Aber auch systematisch bekämpft. Beispiele hierfür gibt's zur Genüge. Und jetzt zieht man sich - alle Jahre wieder - an ein paar Hoffnungsträgern aus der Kunst-, Medien- und Werbebranche hoch. In ein paar Monaten werden auch die fluchtartig den Kessel verlassen. Und dann geht das Hoffen und Überleben von vorne los. Ein ermüdendes Spiel, das meine Wenigkeit schon seit den späten siebziger Jahren beobachtet.