Stuttgart – West - Für die 246 angehenden Sonderschulpädagogen aus ganz Baden-Württemberg war die vergangene Woche eine besondere. Frisch von den Hochschulen mit dem ersten Staatsexamen in der Tasche, wurden sie in Stuttgart vereidigt. Die nächsten 18 Monate verbringen sie am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in der Rosenbergstraße im Stuttgarter Westen.
Das Haus ist seit der Gründung des Seminars vor 40 Jahren die Ausbildungsstätte für die Anwärter der Sonderpädagogik. Hier werden sie in eineinhalb Jahren ihr zweites Staatsexamen ablegen, bevor sie in die Berufswelt entlassen werden.
Ende Juli 2013 werden die letzten Prüfungen absolviert. „Die Chancen, gleich eine Stelle zu bekommen, sind sehr gut“, sagt Thomas Stöppler, Abteilungsleiter des Sonderschulseminars.
Von der Theorie zur Praxis
Es hat mehrere Gründe, dass die Berufsaussichten so glänzend sind. Im Sonderschulbereich arbeiten auch an Privatschulen ausschließlich Lehrer des Staatlichen Seminars. Allein hierzulande ist der Bedarf enorm. Darüber hinaus werden viele Absolventen von der Schweiz abgeworben, weil dort keine Sonderpädagogen ausgebildet werden.
An den Hochschulen haben die Anwärter in neun Semestern zunächst vor allem theoretisches Wissen erworben, am Seminar kommen sie mit der Praxis in Berührung. Jeder angehende Sonderpädagoge spezialisiert sich bereits an der Hochschule auf zwei Fachrichtungen. Dazu gehören Blinden- oder Hörgeschädigtenpädagogik, Pädagogik für Lernförderung und Erziehungshilfe sowie für Körperbehinderte, Geistigbehinderte und Sprachbehinderte. „Für diese Bereiche muss der Anwärter jeweils so spezielle fachliche Anforderungen erfüllen, dass Baden-Württemberg von einer Generalisierung im Studium, wie sie immer wieder im Gespräch ist, Abstand nimmt“, erklärt Thomas Stöppler.
Man lege während der gesamten Ausbildung im Sonderschulbereich viel Wert auf eine hohe fachliche Kompetenz. „Unsere Anwärter brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Flexibilität und Sensibilität im Umgang mit Menschen“, sagt Stöppler. Sie werden auch darin geschult, Beratungsprozesse zu begleiten, beratende Gespräche zu führen und mit Beratungsstellen, dem Jugendhilfeausschuss und Integrationsfachdiensten zu kooperieren. „Es geht also darum, in Netzwerken zu arbeiten und Netzwerke zu gestalten“, erklärt Stöppler.
Entwicklung von Unterrichtsmodellen
Die mehrgleisige Ausbildung ist auch deshalb wichtig, weil viele Anwärter später nicht ausschließlich an Schulen arbeiten. „Die meisten sind auch in der Sonderfrühpädagogik tätig, beim Sonderpädagogischen Dienst oder an unserem Seminar im didaktischen Bereich.“ Das bedeutet, sie unterstützen und begleiten jüngere Kollegen und entwickeln Unterrichtsmodelle.
All diese Herausforderungen wartet nun auf die 246 neuen Anwärter. Und Thomas Stöppler ist zuversichtlich, dass alle Schützlinge dieses Jahrgangs schnell eine Stelle finden werden. „Spätestens im August 2013 haben fast alle einen Job.“
Weitere Informationen unter: www.seminar-stuttgart.de // Weitere Informationen unter www.seminar-stuttgart.de


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