Senderstörchin Libi Eine schwäbische Störchin auf hessischen Feldern

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Unsere Senderstörchin Libi lässt ihre Heimat links liegen und brütet weiter nördlich. Überlebt der Nachwuchs den Wintereinbruch?

Unsere Senderstörchin Libi und ihr Coco getaufter Partner brüten in Nordhessen. Was die beiden anderen Störche treiben, zeigt die folgende Bilderstrecke. Foto: Miriam Wagner 7 Bilder
Unsere Senderstörchin Libi und ihr Coco getaufter Partner brüten in Nordhessen. Was die beiden anderen Störche treiben, zeigt die folgende Bilderstrecke. Foto: Miriam Wagner

Hachborn - Seit Februar verfolgen wir den Heimweg der drei mit Sendern ausgestatteten schwäbischen Störche Zozu, Ingo und Libi von ihrem spanischen Winterdomizil nach Deutschland. Während die Erstgenannten wie berichtet unweit des Bodensees brüten, hat Libi ihre schwäbische Heimat links liegen gelassen und ist bis Nordhessen geflogen. Dort hat die Störchin rätselhafterweise mitten auf einem Feld zwischen den südlich von Marburg gelegenen Dörfern Ebsdorf und Hachborn Quartier bezogen. Hat Libi sich etwa verirrt?

Die Aufklärung kam von Miriam Wagner, die in der Ortsgruppe des Naturschutzbundes Fronhausen aktiv ist. Die örtlichen Storchenfreunde haben unseren Storchen-Liveblog im Internet entdeckt und uns angeschrieben. Vor genau zwei Wochen besuchte Libi erstmals das bis dato nur von einem Storchenmännchen besetzte Nest in Hachborn.

Es steht auf einem vor drei Jahren auf freiem Feld errichteten Storchenmast – so erklärt sich Libis ungewöhnlicher, allein aus den Positionsangaben nicht zu erklärender Standort. Das Storchenpaar fand zwar vergleichsweise spät zueinander, baute aber rasch sein Nest aus und brütet inzwischen. Die nordhessischen Storchenfreunde sind darüber auch deshalb so glücklich, weil die Nisthilfe nun zum ersten Mal seit ihrem Aufbau vor drei Jahren mit einem brütenden Storchenpaar ­besetzt ist.

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„Ich hatte die Idee. Gemeinsam mit meinem Mann und ein paar Landwirten und dem Schreiner haben wir dann den Mast aufgestellt – zwischen dem Aldi und einem Heckrinder-Weideprojekt“, berichtet Miriam Wagner. Brütende Störche finden dort optimale Bedingungen: feuchte Wiesen und viel Platz, auf dem Mast sind sie außerdem vor Raubtieren sicher. Und in der Gegend gibt es zahlreiche weitere Storchenpaare.

Mit zwei Jahren schon weit gereist

Libi ist in ihrem kurzen Leben schon viel herumgekommen, sie war in den Niederlanden und in Marokko. In Nordhessen brütet die 2015 geborene Störchin zum ersten Mal. Sie ist jung, macht ihre Sache laut Miriam Wagner aber gut: „Das Nest ist zwar noch ein wenig dürftig ausgestattet, aber die Brut scheint auch hier begonnen zu haben. Sofort, wenn der eine Storch aufgestanden ist, setzt sich der andere wieder im Nest hin.“

Wagner hat auch Libis Brutpartner einen Namen gegeben: Coco. In Nordhessen drücken die Storchenfreunde dem Paar jetzt alle Daumen – erst recht nach dem Wintereinbruch Anfang dieser Woche. Ist die junge Brut dadurch gefährdet?

Tote Jungvögel wegen des Wintereinbruchs?

Nein, sagt Wolfgang Fiedler. Der Ornithologe vom Max-Planck-Institut und Senderstorch-Experte begleitet unser Storchenprojekt seit Beginn. Solange die Eltern sich beim Brüten abwechseln, sind die Jungstörche in Sicherheit – zunächst. „Haarig wird es gegen Pfingsten“, betont Fiedler, „dann müssen die Eltern gleichzeitig wärmen und Nahrung suchen, und die Nestlinge passen unter Umständen nicht mehr alle unter den Elternvogel, werden nass und verklammen.“

Ein Kälteeinbruch Ende Mai kann also viel mehr Störche töten als einer kurz nach Ostern – oder aber neidige Artgenossen, die Eier fremder Störche aus deren Nest herauswerfen. So haben es Vogelkundler etwa in der Böhringer Storchenkolonie unserer Senderstörchin Zozu mehrfach beobachtet. Auch Libi musste ihr Nest zwischendurch gegen zwei Nilgänse verteidigen. Es ist also noch lange nicht ausgemacht, ob unseren brütenden Senderstörchen ein Happy End vergönnt ist.