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Senioren „Ich fürchte, dass die Leute wegbleiben“
Kein Autorenname vorhanden, 02.02.2012 07:00 Uhr
Max Gegenfurtner (rechts) beim 20-jährigen Jubiläum des Stadtseniorenrings, ist dagegen, Foto: Archiv Käfferlein
Max Gegenfurtner (rechts) beim 20-jährigen Jubiläum des Stadtseniorenrings, ist dagegen, Foto: Archiv Käfferlein

Leinfelden-Echterdingen - Der Verwaltungsausschuss hat jüngst diskutiert, ob die Stelle der Seniorenfachberaterin wieder besetzt werden soll. Max Gegenfurtner, der Sprecher des Stadtseniorenrats, warnt davor, nur auf Ehrenamtliche zu setzen. Eine hauptamtliche Kraft werde gebraucht, um etwa die rund 60 Gruppen zu koordinieren. Am Donnerstag, 2. Februar, gibt es im Kulturforum Goldäcker, Schimmelwiesenstraße 18, in Echterdingen eine Bürgerversammlung zum demografischen Wandel. Dort spricht unter anderem Bürgermeister Alexander Ludwig über dessen Auswirkungen auf die Stadt und die Seniorenarbeit.


Seit 1990 gibt es in Leinfelden-Echterdingen die Stelle einer Seniorenfachberaterin. Wie haben die bisherigen Mitarbeiter diese Stelle ausgefüllt?
Die Beraterin ist für die Planung, Koordination, Organisation und Leitung von Projekten und Initiativen im Seniorenbereich und die Beratung und Begleitung von freiwilligen Mitarbeitern in der Seniorenarbeit zuständig. Das macht 80 Prozent aus. Dann kümmert sie sich um Grundsatzangelegenheiten im Seniorenbereich und die Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist Geschäftsführerin des Stadtseniorenrats. Ein Aufgabenfeld ist die Organisation und Durchführung von Großveranstaltungen für Ältere wie „Sommerlust“, „Urlaub ohne Koffer“ und „LE engagiert sich“. Diese Aufgaben sind außerhalb der Gruppen des Seniorenrats, die die Mitglieder selbst organisieren. Ein Hauptamtlicher muss die Terminkoordination übernehmen und Konflikte lösen.

Es gibt Diskussionen, die Stelle des Seniorenfachberaters nicht mehr zu besetzen. Was hätte das denn für Auswirkungen?
Wir würden nach vier Monaten bereits Löcher in unserer Arbeit finden. Gewisse Dinge würden dann nicht mehr gemacht.

Was könnte das sein?
Beispielsweise macht unsere Handarbeitsgruppe kleine Geschenke, die die Gruppe Besuchsdienst für über 80-Jährige verteilt. Es kann sein, dass die Gruppe sagt: Wir strengen uns nicht mehr an, wenn uns die Hilfe fehlt. So könnte ich das bei jeder zweiten Gruppe sagen. Es gibt Abhängigkeiten zwischen den Gruppen und den Hauptamtlichen. Unser Programm kommt meist aus den Gruppen. Ein Hauptamtlicher muss die Inhalte bestimmen. Wenn der Einbruch nach einigen Monaten kommt, geht nichts mehr. Die Leute bekommen zu hören: Nein, das geht jetzt nicht. Dann gehen sie heim oder in einen Verein.

Was bedeutet das denn für das soziale Klima in der Stadt?
Wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht, ob und wie unsere Arbeit in der Bürgerschaft ankommt. Wir stellen fest, dass wir geschätzt werden. Wenn es um die Senioren ging, hat uns die Verwaltung unterstützt. Das wurde vom Gemeinderat anerkannt. Unsere Veranstaltungen sind gut besucht. Alle sagen: Da bewegt sich was. Allen können wir es nicht recht machen. Darum ist diese Stelle vorhanden. Ich befürchte, dass die Leute wegbleiben.

Die Fraktion der Freien Wähler begründet die mögliche Stellenstreichung mit „strukturellen Haushaltsproblemen“ der Stadt. Haben Sie dafür Verständnis?
Natürlich weiß ich, dass die Haushaltsmittel nicht mehr zur Verfügung stehen wie in den vergangenen Jahren. Der Stadtseniorenrat wurde personell gut bedient. Wir revanchieren uns, indem wir die Stadt in ein gutes Licht bringen. Wir haben ein umfangreiches Beteiligungsangebot. Der Nutzen ist leider nicht in Euro quantifizierbar. Es wundert mich, dass die Freien Wähler diese Bewertung nicht gemacht haben.

Haben Sie für die Notwendigkeit zu sparen Verständnis?
Öffentlicher Haushalt bedeutet, dass Steuergelder und Gebühren eingenommen werden und davon die Ausgaben bestritten werden. Wenn weniger Steuern reinkommen, müssen die Kosten reduziert werden. Wir werden uns die Gruppen vornehmen und fragen: Welche Wertigkeit in Zeit und Geld können wir diesen zumessen? Es wäre zum Beispiel unfair zu sagen, die Briefmarkengruppe könnte sich in eine Wirtschaft setzen. Das fiele in der Stadt nicht auf. Das Gefährliche ist, dass wir nicht wissen, wie die zehn Briefmarkenleute darüber reden.

Diese Stelle würde etwa 50 000 Euro kosten. Wenn man die Stelle beibehält, muss woanders eingespart werden. Haben Sie eine Idee, wo man einsparen kann?
Ich sehe ein, dass wir sparen müssen. Wir sind bereit, alle Posten auf der Einnahmen- und der Ausgabenseite durchzugehen und die Wertigkeit dagegenzusetzen. Das wurde nie gemacht. Wenn ich 50 000 Euro Personalkosten habe, kann ich die einsparen. Was an Arbeit liegen bleibt und gar nicht gemacht wird und welcher Schaden dadurch im emotionalen Bereich entsteht, darüber mache ich mir Gedanken. Mit so einer Absage habe ich nicht gerechnet.

SPD und CDU haben vorgeschlagen, dass Ehrenamtliche Teilbereiche der jetzigen Seniorenfachberaterin übernehmen können. Ist das für den Stadtseniorenrat eine Option für die Zukunft?
Natürlich kann man Aufgaben in eine Zwischenstufe delegieren. Die Frage ist, wer diese Aufgaben mit welcher Kompetenz übernehmen soll. Das ist das große Problem. Wenn ich eine Sache delegiere, muss ich sagen, wer die Verantwortung übernimmt. Wir können von unseren 100 Aufgaben einige leichter verschmerzen.

Stichwort demografischer Wandel. Es gibt ja immer mehr ältere Leute. Wenn jetzt so eine Stelle gestrichen wird, was für ein Signal geht davon aus?
Man wird erreichen, dass wir einige Jahre Geld sparen. Kommen mehr Steuern rein, wird die Stelle vielleicht eingerichtet und dann wieder gestrichen. Wir brauchen Kontinuität. Wenn es keine verantwortliche Stelle gibt, ist das schwierig. Durch den Wandel der Alterspyramide werden die Aufgaben zunehmen. Wie wir das ohne hauptamtliche Unterstützung leisten sollen, weiß ich nicht.

Das Gespräch führte Malte Klein.
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