Seniorpartner an der Österfeldschule Die Großeltern im Dorf Schule

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Seit drei Jahren sind Monika Knirsch und Jörg Oesterreich als Mediatoren an der Österfeldschule. Sie helfen Kindern, die Streit haben, eine gute und vor allem gewaltfreie Lösung zu suchen. Der Verein Seniorpartner ist bundesweit tätig.

Die Seniorpartner Monika Knirsch und Jörg Oesterreich. Foto: Alexandra Kratz
Die Seniorpartner Monika Knirsch und Jörg Oesterreich. Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Ein zerrissenes Heft, ein Zettel im Ranzen, auf dem steht „Du bist nicht mehr meine Freundin“, ein Schubser auf dem Flur. Für Kinder sind das oft keine Kleinigkeiten, sondern Probleme, die sie beschäftigen. Manchmal so sehr, dass sie sich im Unterricht nicht mehr richtig konzentrieren können oder nur noch ungern in die Schule gehen. Oft finden die Mädchen und Jungen dann selbst keinen Ausweg mehr. Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört, sie anleitet und ihnen hilft, eine Lösung zu finden. Doch nicht immer sind dann die Eltern oder Lehrer die richtigen Ansprechpartner. Manchmal braucht man einen neutralen Vermittler. Darum gibt es an der Vaihinger Österfeldschule die Seniorpartner.

Seit drei Jahren sind Monika Knirsch und Jörg Oesterreich jeden Mittwoch in der Schule an der Katzenbachstraße. Zunächst sind sie mit auf dem Pausenhof, um Präsenz zu zeigen. Anschließend gehen sie in ihren „Raum der guten Lösung“. Das freundliche, gelbe Zimmer wird sonst für Elterngespräche genutzt. An der Tür hängt ein Briefkasten mit der Beschriftung „Sorgen-Box“. Dort können die Kinder ihre auf Papier geschriebenen Probleme einwerfen. Und das tun sie auch. Monika Knirsch und Jörg Oesterreich gehen dann auf die Mädchen und Jungen zu und bitten sie zum Gespräch. Manchmal schicken auch die Lehrer das ein oder andere Kind in den Raum der guten Lösung.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

„Wir sind sozusagen die Großeltern an der Schule. Als solche haben wir eine andere Perspektive. Wir haben Zeit, hören zu und nehmen die Probleme ernst. Das wissen die Kinder“, sagt Knirsch. Doch die Mediatoren geben keine Programme vor. Sie suchen gemeinsam mit den Kontrahenten nach einer Lösung. Wie man das am besten macht, haben sie bei einem zweiwöchigen Seminar gelernt. Acht Stunden täglich hatten die beiden Senioren damals Unterricht. „Das waren harte zwei Wochen, aber sie waren sehr interessant“, sagt Knirsch und lacht.

Die Idee der Schulmediatoren stammt aus den USA. In Deutschland hat der gemeinnützige Verein Seniorpartner in School (SiS) das Projekt vorangebracht. Dieser ist bundesweit tätig. SiS Baden-Württemberg hat seinen Sitz in Schwetzingen. Im Ländle gibt es derzeit rund 100 Mediatoren. Bundesweit sind es mehr als 800 Ehrenamtliche an rund 250 verschiedenen Schulen.

Die Rektorin erfährt keine Details

Gelernt haben Knirsch und Oesterreich bei ihrem Seminar unter anderem, dass sie die Kinder erst dann wieder entlassen, wenn auch wirklich eine gute Lösung gefunden wurde, mit der alle Beteiligten leben können. Diese wird schriftlich als eine Art Vertrag formuliert. „Die Kinder müssen das unterschreiben. Das tun sie sehr gern, denn sie fühlen sich dadurch ernst genommen“, sagt Oesterreich. Ihm geht es vor allem darum, den Kindern beizubringen, dass man mit Kommunikation Problem lösen kann. Und dass es keine Schande ist, wenn man ein Problem nicht selbst lösen kann und sich Hilfe holt. „Das sind goldene Regeln und Erfahrungen fürs ganze Leben“, sagt Jörg Oesterreich.

Die beiden Mediatoren behandeln jedes Problem, das an sie herangetragen wird, vertraulich. Das bestätigt auch Erika Diemer-Hohnholz. „Ich kenne keinerlei Details zu den einzelnen Fällen“, sagt sie. Für die Rektorin ist das aber auch nicht wichtig. Ganz im Gegenteil, sie freut sich, dass ihre Schüler mit den Schulmediatoren noch einmal einen weiteren Ansprechpartner bei Problemen haben. „Frau Knirsch und Herr Oesterreich sind zwei Personen mit viel Lebenserfahrung und Weitblick. Das schätze ich sehr“, sagt Diemer-Hohnholz. Um ein Kind zu erziehen, brauche man eben ein ganzes Dorf, erinnert die Rektorin an ein altes, afrikanisches Sprichwort. Und in diesem Dorf würden die Seniorpartner die Rolle der Großelterngeneration übernehmen.

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