Serie: Ablage P (4) Der Trump Tower - eine Luftnummer

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Hoch hinaus: diese Maxime nehmen Hochhausbauer wörtlich. Das Projekt Trump-Tower am Stuttgarter Pragsattel war einfach unterirdisch.

 Foto: Fotos: Achim Zweygarth
Foto: Fotos: Achim Zweygarth
Stuttgart - Wenn es baulich in die Höhe geht, gibt es in der Region Stuttgart immer heftige Diskussionen. Aktuell ist das in Fellbach im Rems-Murr-Kreis zu erleben. Auf dem Fromm-Areal will der Esslinger Immobilienunternehmer Michael G. Warbanoff den mit 107 Metern höchsten Wohnturm in der Region bauen. Auch wenn auf dem abgeräumten Grundstück zurzeit nichts passiert, weil wegen der Bankenkrise die Finanzierung schwieriger geworden ist, läuft eine Bürgerinitiative "Fellbach ist nicht Manhattan" Sturm gegen das Projekt.

Erbitterte öffentliche Debatten haben auch andere Hochhausprojekte ausgelöst. Das war so, als im Jahr 1928 der Tagblattturm mit 61 Metern in der Stuttgarter Innenstadt in neue Höhen vorstieß. Das war so, als 1956 der - mit Sendemast - 217 Meter hohe Fernsehturm gebaut wurde, der heute als Meisterwerk der Ingenieurkunst und Wahrzeichen der Landeshauptstadt gilt.

Doch nicht immer wurde aus den hochfliegenden Bauplänen steinerne Realität. Einige Projekte landeten in der Ablage P. Ende der 80er Jahre scheiterten Pläne für Gebäude mit 100 und 130 Meter Höhe neben der Liederhalle in Stuttgart am Veto des Gemeinderates. Noch höher hinaus sollte es mit dem Trump-Tower gehen, einem Projekt, das im Frühjahr 2001 ans Licht der Öffentlichkeit kam: Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und private Investoren präsentierten in der Staatsgalerie die Pläne für einen 220 Meter hohen Wolkenkratzer auf dem Pragsattel.

Das "größte Hochhaus Süddeutschlands"


Vom größten Hochhaus Süddeutschlands und vom neuen Stuttgarter Wahrzeichen war großspurig die Rede. "Wenn sich die Absichten als seriös und tragfähig erweisen, hat der Oberbürgermeister am großen Rad gedreht", kommentierte damals die skeptische Stuttgarter Zeitung, "wenn aber alles im Katzenjammer endet, dann hat sich Wolfgang Schuster lächerlich gemacht."

Keine zwei Jahre später, Ende Januar 2003, war es so weit: Der Gemeinderat stoppte das gigantische Hochhaus, für Schuster einer der Tiefpunkte seiner Amtszeit. Der Trump-Tower ist damit auch ein Sinnbild dafür, dass, wer hoch hinaus will, ziemlich tief fallen kann. Am Ende jedenfalls trafen sich die Stadt und der Investor wegen Schadenersatzansprüchen vor Gericht wieder, ein peinliches Kapitel aus der jüngsten Geschichte der Stadt und ihres Oberbürgermeisters.