Seuche in Afrika Ebola breitet sich rasant aus

Von Johannes Dieterich 

Mehr als 1600 Menschen sollen sich laut Weltgesundheitsorganisation inzwischen mit dem Ebola-Virus infiziert haben, über 900 Menschen sind bereits gestorben. Die Weltbank stellt 200 Millionen Dollar zur Verfügung.

Am Flughafen in Laos  untersuchen Sicherheitsbeamte Passagiere. Foto: AP
Am Flughafen in Laos untersuchen Sicherheitsbeamte Passagiere.Foto: AP

Kapstadt - Die westafrikanische Ebola-Epidemie breitet sich trotz aller Gegenmaßnahmen schneller aus als befürchtet. Nach den jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind inzwischen mehr als 1600 Menschen infiziert und fast 900 dem Virus zum Opfer gefallen – das sind rund 150 Tote mehr als noch vor fünf Tagen. Am schlimmsten tobt die Seuche derzeit in Sierra Leone, aber auch aus Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas, wurde zumindest ein neuer Ansteckungsfall gemeldet. Demnach soll sich der Arzt angesteckt haben, der einen in der vorvergangenen Woche im Flugzeug in die Hafenstadt Lagos gereisten Liberianer gepflegt hatte. Der Liberianer Patrick Sawyer war kurz nach seiner Ankunft in Lagos in einer Klinik gestorben. Über die am Dienstag gemeldete Ansteckung zweier weiterer Nigerianer sind bisher keine Einzelheiten bekannt.

Unterdessen haben Sierre Leone und Liberia damit begonnen, Hunderte von Soldaten in die Grenzregion beider Länder zu verlegen. Sie sollen ein Gebiet mit einem Durchmesser von rund 300 Kilometer im Rahmen der „Operation Oktopus“ weiträumig absperren. Sierra Leone verhängte am Montag außerdem eine Art Ausgangsperre: Die Leute sollten „zu Hause bleiben und beten“, rief Präsident Ernest Bai Koromo die Bevölkerung auf. Auch sämtliche Fußballbegegnungen wurden bis auf weiteres verboten. In Liberia verfügte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, dass an Ebola gestorbene Personen nicht mehr bestattet sondern eingeäschert werden sollen.

Aderlass an Pflegepersonal bereitet Probleme

Dass sich die Epidemie trotz solcher Maßnahmen weiter rasant ausbreitet, liegt nach dem Urteil ausländischer Beobachter unter anderem an der mangelhaften Einhaltung von Quarantäne-Bestimmungen. Ein Reporter der „New York Times“ berichtet aus der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown von zahlreichen Verstößen gegen die Isolierung infizierter Personen oder von Personen, die mit Infizierten in Kontakt gestanden haben. Auch der Verzehr des Fleisches von wilden Tieren, vor allem der beliebten Flughunde, die für die Übertragung des Virus auf den Menschen verantwortlich gemacht werden, hält in der Region offenbar fast unvermindert an.

Zu schaffen macht den Gesundheitsbehörden der betroffenen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone auch der Aderlass an Pflegepersonal. Aus Angst vor einer Infektionen, aber auch vor Übergriffen aus der verunsicherten Bevölkerung bleiben viele Pflegekräfte ihrer Arbeit fern. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia haben sogar mehrere Kliniken ihre Pforten geschlossen, weil sie keine Ebola-Patienten behandeln wollen. Auch internationale Organisationen zogen bereits ihr Personal aus der Region ab, vor allem auch, weil sich zwei Mitarbeiter des US-Hilfswerks „Samaritan’s Purse“ mit dem Virus infiziert haben. Die Reaktionen auf die Epidemie seien „im Vergleich zu den tatsächlichen Erfordernissen vollkommen ungenügend“, kritisierten die „Ärzte ohne Grenzen“, die nach eigenen Angaben selbst an die Grenzen ihrer Kapazitäten gestoßen sind.

Experte: Ängste in Europa sind unbegründet

Die Weltbank will möglichst rasch 200 Millionen Dollar zur Verfügung stellen: Damit sollen vor allem Medikamente, die Einrichtung von Notzentren und die Gehälter zusätzlicher Pflegekräfte finanziert werden. Die Lage werde zumindest zunächst vermutlich noch schlimmer werden, betonte der liberianische Informationsminister Lewis Brown: „Wir sind überfordert. Wir brauchen Unterstützung. Wir brauchen Hilfsmittel. Wir brauchen Pflegepersonal.“

Angst vor einer Ausbreitung von Ebola auf Europa ist aus Expertensicht unbegründet. „Es ist absolut unwahrscheinlich, dass es in Europa zu einer Epidemie kommt“, sagte der Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, Jonas Schmidt-Chanasit. Er räumte allerdings ein, dass mit den steigenden Infektionszahlen und immer mehr Helfern aus Europa das Risiko steige, dass ein Erkrankter einreise.

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