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Sex im Stadtbad "Bären" sind ihren Treffpunkt los

Christine Bilger, vom 22.06.2010 09:23 Uhr
 Foto: Weise
Foto: Weise
Ludwigsburg - Am Freitagabend bleibt das Ludwigsburger Stadtbad künftig zu, auch für die geschlossene Gesellschaft, die sich dort bisher getroffen hat. Dazu gehörten die Stuttgarter "Bären", ein Club homosexueller Männer. Auf dessen Internetseite hatte sich ein pikanter Eintrag befunden: Es wurde zu "Schweinkram" und "Sauereien" in Sauna und Bad aufgerufen–also zu sexuellen Kontakten. Eine Lokalzeitung hat dies veröffentlicht. Daraufhin kündigten die Stadtwerke Ludwigsburg (SWLB) jetzt den Vertrag mit dem Veranstalter des Saunatreffs. "Es hat zwar bisher nie Beschwerden gegeben", räumt der Bad-Geschäftsführer Bodo Skaletz ein, doch Sex in einem städtischen Bad könne die SWLB als Betreiberin nicht dulden. "Laut Badeordnung ist alles zu unterlassen, was den guten Sitten zuwiderläuft", argumentiert Bodo Skaletz. Der Veranstalter muss den Schlüssel für das Stadtbad nun innerhalb von drei Tagen abliefern.

"Natürlich ist es auch zu Sex gekommen"


Jede Woche hatte ein Ludwigsburger Privatmann das Bad für gemischtes nächtliches Saunieren mit anschließendem textilfreien Baden gemietet. Seit sechs Jahren stießen einmal im Monat die "Bären" dazu – so bezeichnen sich homosexuelle Männer selbst, denen stattliche Herren mit haariger Brust gefallen. Nun sehen sich die Schwulen und die gemischte Gruppe der Nacht- und Nacktbader zu Unrecht des Bads verwiesen. "Dieser Aufruf steht so gar nicht mehr im Internet", sagt Tomm Straub vom Club der Stuttgarter Bären. Er räumt ein, den Fehler begangen zu haben, jene schlüpfrigen Zeilen für eine Umgestaltung der Homepage verfasst zu haben: "Das sollte überdreht klingen. Aber wir haben beschlossen, dass man das nicht veröffentlichen kann." Der Text mit den anrüchigen Passagen habe nur einen Tag lang im Netz gestanden und sei dann gelöscht worden. Allerdings war die besagte Seite am Montag noch immer problemlos über Suchmaschinen zu finden. Die Badeinladungsseite, zu der man direkt über die Homepage der Bären kommt, war gestern allerdings leer geräumt. "Wir haben wegen des Ärgers auch die entschärfte Version rausgenommen", sagt Straub.

In jener "sauberen Variante" habe jedoch noch gestanden, dass man nach dem Sex Spuren und gebrauchte Kondome beseitigen solle. Beim Bärenbaden sei es "natürlich auch zu Sex gekommen. Aber das gibt es schließlich in vielen Bädern, egal ob unter Heteros oder Schwulen", merkt Straub an. Die Freitagtreffs fanden außerhalb der öffentlichen Badzeiten statt. "Wir hatten nie Probleme", sagt der Veranstalter des Nacktbadens, der in den zurückliegenden Tagen viele böse Anrufe moralisch empörter Zeitgenossen erhielt. "Als die Schwulen damals fragten, ob sie einmal im Monat kommen dürfen, haben wir gesagt, das macht uns nichts aus", erzählt er. Die Saunaclique habe auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass gelegentlich Schwule zu ihrem Nachtbadetermin kamen. Er werde nun für sich und seine Bekannten einen anderen Ort für die nächtlichen Saunagänge ausfindig machen. Auch das Bärenbaden soll jetzt an anderer Stelle fortgesetzt werden. "Das ist schade, uns hat es in Ludwigsburg gut gefallen", sagt Straub.

Verhaltensregeln


Verboten
Sexuelle Handlungen seien in den Ludwigsburger Schwimmbädern untersagt, sagt der Stadtwerke-Chef, Bodo Skaletz. "Es ist alles zu unterlassen, was den guten Sitten zuwiderläuft", stehe in der Hausordnung.

Warnung
In einer der größten Saunalandschaften der Region, den Schwaben-Quellen in Stuttgart-Möhringen, hatte es vor acht Jahren Ärger wegen offener sexueller Kontakte – hetero- wie homosexuell – gegeben. "Wir haben reagiert und Security-Leute angestellt. Wer erwischt wurde, bekam Hausverbot", sagt die Assistentin der Geschäftsführung.
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