Sexskandal in Hollywood Untersuchungen gegen weiteren Studioleiter

Von red/AP 

Schauspielerin Rose McGowan greift Produzent Harvey Weinstein offen auf Twitter an und wirft ihm Vergewaltigung vor. Ein zweiter Studioleiter muss vorerst seinen Hut nehmen: Amazon Studios beurlaubt Roy Price.

Amazon gab die Freistellung des Leiters der Amazon Studios, Roy Price, bekannt. Foto: Invision
Amazon gab die Freistellung des Leiters der Amazon Studios, Roy Price, bekannt. Foto: Invision

New York - Der Skandal um sexuelle Belästigungen in Hollywood zieht immer weitere Kreise: US-Schauspielerin Rose McGowan hat Hollywood-Produzent Harvey Weinstein Vergewaltigung und Amazon-Chef Jeff Bezos Mitwissenschaft vorgeworfen. „Ich habe dem Leiter Ihres Studios gesagt, dass HW mich vergewaltigt hat. Immer und immer wieder habe ich es gesagt. Er sagte, das sei nicht bewiesen. Ich sagte, ich sei der Beweis“, schrieb McGowan am Donnerstag an Bezos gerichtet auf Twitter. Der Konzern stellte anschließend den Leiter der Amazon Studios frei - zwar nicht wegen der Vorwürfe McGowans, aber wegen Anschuldigungen einer Filmproduzentin.

Die Filmstudios sollten aufhören, Vergewaltiger, mutmaßliche Pädophile und sexuelle Belästiger zu unterstützen, schrieb McGowan an den Amazon-Chef. Sie war unter den ersten Schauspielerinnen, die über die Belästigungen durch Weinstein sprachen. Sie hatte mehrfach angedeutet, der 65-Jährige habe sie vergewaltigt, auf Twitter sprach sie diese Anschuldigung nun offen aus.

Enthüllungsbericht der New York Times

Eine Sprecherin Weinsteins erklärte, der Filmproduzent weise alle Vorwürfe des nicht einvernehmlichen Kontakts zurück. Die „New York Times“ hatte zuvor in einem Enthüllungsbericht geschrieben, dass Weinstein der Schauspielerin außergerichtlich Geld gezahlt habe, um das Vorgefallene zu vertuschen.

Amazon äußerte sich zu den Tweets der Schauspielerin zunächst nicht, gab jedoch kurz danach die Freistellung des Leiters der Amazon Studios, Roy Price, bekannt. Filmproduzentin Isa Hackett hatte Price in einem Bericht des „Hollywood Reporter“ sexuelle Belästigung vorgeworfen. Ein Anwalt Hacketts bestätigte den Bericht. Hackett erwäge jedoch keine rechtlichen Schritte gegen Price oder Amazon, schrieb Christopher Tricarico in einer E-Mail. Hackett hatte für Amazon die Serie „The Man in the High Castle“ produziert.

„Markenzeichen“ der Entertainment-Industrie

Amazon hatte in einer Stellungnahme erklärt, gemeinsame Projekte mit der Weinstein Company zu überdenken. Derzeit entwickelt Amazon zwei Formate der Weinstein Company: Die Serie „The Romanoffs“ und ein Drama, in dem Julianne Moore und Robert De Niro mitspielen sollen. Die Autorengewerkschaft Writers Guild of America verurteilte sexuelle Belästigung als „Markenzeichnen“ der Entertainment-Industrie.