Sicherheit in Deutschland Innenminister strebt zügigere Abschiebung an

Von Norbert Wallet 

An diesem Dienstag will Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagen, wie er den Neun-Punkte-Plan der Kanzlerin konkret ausfüllen will. Schwerpunkte des Christdemokraten sind eine bessere Ausstattung für die Polizei und schnellere Abschiebungen.

Will das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Foto: dpa
Will das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).Foto: dpa

Berlin - Bundesinnenminister Thomas de Maizière wird nach Informationen unserer Zeitung heute in Berlin einen Plan vorstellen, um den Schutz der Bürger vor terroristischer Gewalt weiter zu verbessern. Den Rahmen dafür hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Sommerpressekonferenz in der Hauptstadt bereits vorgestellt. Nun wird de Maizière konkret. Es gilt als sicher, dass der Bundesinnenminister eine weitere Aufstockung des Personals bei Bundespolizei und Bundeskriminalamt verkünden wird.

Ein weiterer Schwerpunkt soll die weitere Absenkung der Hürden bei Abschiebungen sein. Über die Ausgestaltung wurde hier bis zuletzt gerungen. Wie unsere Zeitung erfuhr, wird im Ministerium eine Regelung erwogen, die es künftig erlaubt, Ausländer, die eine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit darstellen, auch dann abschieben zu können, wenn sie noch nicht zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden sind. Das könnte Personen betreffen, die regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt kommen. So war der Attentäter von Ansbach der Polizei wegen Drogen- und Nötigungsdelikten bereits polizeibekannt.

Armin Schuster für „Expressabschiebung“

Die Senkung der Abschiebe-Hürden greift auch eine Diskussion auf, die seit Langem in der Unionsfraktion des Bundestages läuft. Schon im Frühjahr hatte Armin Schuster (Weil am Rhein), Innenexperte der Unionsfraktion im Bundestag, eine „Expressabschiebung“ straffällig gewordener Asylbewerber „binnen 48 Stunden“ gefordert. Schuster hat seither seine Meinung nicht geändert. Er verlangt im Gespräch mit unserer Zeitung zudem zusätzliche Kompetenzen der Polizei bei einreisenden Asylbewerbern. Schuster schlägt vor, dass die Beamten immer dann, wenn die Identität des Bewerbers unklar ist, etwa weil es keinen Pass gibt, das Handy kontrolliert werden kann. So sollte Einblick in die Accounts bei den sozialen Medien genommen werden können. Schuster erhofft sich dadurch auch frühe gezielte Hinweise auf mögliche Terrorverbindungen. Auch die Kanzlerin hatte in ihrer Sommerpressekonferenz davon gesprochen, ein „Frühwarnsystem“ für Terrorverdächtige einzurichten.

Vorschläge in der Koalition umstritten

All diese Vorschläge sind in der Koalition höchst umstritten. Burkhard Lischka, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagte unserer Zeitung, die SPD stelle nicht auf stur und ließe über alles mit sich reden. Aber bei der Senkung von Abschiebe-Hürden sei man bereits „in der Folge der Geschehnisse in der Kölner Silvesternacht bis an die Grenze des völkerrechtlich Möglichen gegangen“. Tatsächlich hatte sich die Bundesregierung bereits im Frühjahr darauf verständigt, bei Verurteilungen wegen Straftaten gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit, die sexuelle Selbstbestimmung, das Eigentum oder bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte von einem „schwerwiegenden Ausweisungsinteresse“ auszugehen. Bei allen anderen Straftaten liegt ein solches Interesse erst dann vor, wenn rechtskräftig eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verhängt worden ist.

Lischka bezweifelte auch den Sinn der Handy-Kontrollen. „Ich frage mich, wo der Nutzen liegt“, sagt Lischka. „Wer seinen Pass wegwirft, um über seine Identität zu täuschen, wird dann eben auch sein Handy wegwerfen und nichts ist gewonnen“.