ExklusivSicherheitsmängel bei der Bahn 52 Funklöcher im Notrufsystem in Baden-Württemberg

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Im Notrufsystem der Bahn in Baden-Württemberg gibt es größere Sicherheitsmängel als bisher bekannt. Nach Recherchen von StZ und SWR hat das digitale Notrufsystem landesweit 52 Funklöcher. Lokführer können bei extremen Gefahren nicht sofort informiert werden.

Der bei der Bahn für Notrufe vorgesehene GSM-R-Funk ist nach Recherchen der Stuttgarter Zeitung und das SWR Fernsehens allein im Südwesten in dieser Woche auf insgesamt 58,7 Kilometern ganz oder zeitweise unterbrochen. Die Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt bestreiten die Sicherheitsprobleme. Foto: dpa
Der bei der Bahn für Notrufe vorgesehene GSM-R-Funk ist nach Recherchen der Stuttgarter Zeitung und das SWR Fernsehens allein im Südwesten in dieser Woche auf insgesamt 58,7 Kilometern ganz oder zeitweise unterbrochen. Die Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt bestreiten die Sicherheitsprobleme.Foto: dpa

Berlin - Im Notrufsystem der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg gibt es noch größere Sicherheitsmängel als bisher bekannt. Nach Recherchen der Stuttgarter Zeitung und das SWR Fernsehens hat das digitale Notrufsystem landesweit 52 Funklöcher, wodurch Lokführer bei extremen Gefahren nicht sofort informiert werden können.

Die Sicherheitslücken, die bundesweit existieren, würden von der Deutschen Bahn, dem Eisenbahnbundesamt (EBA) und dem Bundesverkehrsministerium bereits seit Jahren geduldet, berichten beide Medien. Der für Notrufe vorgesehene GSM-R-Funk sei allein im Südwesten in dieser Woche auf insgesamt 58,7 Kilometern ganz oder zeitweise unterbrochen. Die Bahn und das EBA bestreiten die Sicherheitsprobleme.

Streckenmängel-Listen als Beweis

Eine besondere Gefahr hat den Berichten zufolge am Dienstag und Mittwoch auf der viel befahrenen ICE-Rheintalstrecke zwischen Achern und Offenburg bestanden. Obwohl dort Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h zugelassen sind, habe es auf fast 19 Kilometern keine Möglichkeit gegeben, in möglichen Notfällen den dafür vorgesehenen GSM-R-Funk zu nutzen. Beiden Medien liegen als Beweis die aktuell gültigen Streckenmängel-Listen der DB Netze vor.

Auch ICE-Strecke Stuttgart-Ulm betroffen

Gefährliche Funklöcher im Notrufsystem bestehen laut Stuttgarter Zeitung und SWR Fernsehen auch auf der ICE-Strecke Stuttgart-Ulm. Hier gebe es bereits seit 2009 fünf Funklöcher mit einer Länge von jeweils 400 bis 800 Metern. Besonders brisant sei zudem, dass auch an etlichen eingleisigen Strecken in Baden-Württemberg ein lückenloser Zugfunk und Notruf fehle.

Eingleisig ist auch die Strecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor in Bayern, wo am 9. Februar bei einer Kollision von zwei Zügen elf Menschen ums Leben kamen. Um die Katastrophe in letzter Sekunde vielleicht noch zu verhindern, hatte der beschuldigte Fahrdienstleiter im Stellwerk den Ermittlern zufolge per Funk zwei Notrufe an die Lokführer abgegeben, die jedoch ins Leere gingen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob ein Funkloch der Grund dafür war.

Der SWR berichtet heute Abend in der Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“ (Beginn: 20:15 Uhr), die Stuttgarter Zeitung in der Freitag-Ausgabe.

5 Kommentare Kommentar schreiben

Wer spricht das Machtwort - : Dass die Bahn bestreitet, was ihr nicht ins Konzept passt, ist ja nun allgemein bekannt. Und dass sie damit auch von der Politik unterstützt wird, ist um so brutaler. Die "Deutsche Bundesbahn" sollte endlich mal in erster Linie oder an vorderster Front ihre Hausaufgaben machen, um die Sicherheit für die Menschen herzustellen. Dazu braucht sie viel Geld, welches bisher leider und auf kriminelle Weise für irrsinnige Großprojekte ausgegeben wird. Wer spricht da endlich das Machtwort?!

Es gib keine: "Deutsche Bundesbahn" mehr.

Richtig Herr Hoch. Aber seit es die Deutsche Bundesbahn nicht mehr gibt, gibt es auch Probleme mit der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. ---- Und anstatt sich über den Namen des Unternehmens auszulassen sollte man sich vielleicht mehr um die Aussage von Frau Malzachers Kommentar auseinandersetzen. Und da ist es eben mal so, dass die DB AG eben von den Problemen mit dem GSM-R weiß, aber so wie es scheint, nicht allzuviel dagegen unternimmt. ----- Und als in einem anderen Artikel von "die Netzabdeckung betrage „übers Jahr gerechnet rund 99 Prozent“"(StZ, 25.02.2016) die Rede war, da ging es um 99% der mit GSM-R ausgerüstetn Strecken. Dass aber ~4000 km Strecken(!) überhaupt nicht damit ausgerüstet sind, wurde durch die Zahl "99%" gekonnt kaschiert. So sieht es nämlich auch aus, in der Täuscher AG. ----- Übrigens, einst war die Deutsche Bahn ein Eisenbahnunternehmen, heute ist die DB AG so ziemlich alles, nur die Eisenbahn ist dabei deutlich unter die (Gummi)Räder gekommen.

Herr Burghart: über die inhaltliche Aussage von Frau Malzachers Kommentar habe ich mich bei anderen Artikeln schon ausführlich (genug) auseinander gesetzt. Die Zahlen, die Sie hier beschreiben, sind nur die Spitze des Eisbergs. Und ob 300 oder 4000 km ohne Funknotruferreichbarkeit sind ist nicht so relevant, denn beides ist viel zu viel und inakzeptabel. Ansonsten stimme ich Ihrer Kritik an der Bahn voll zu; das sollten Sie inzwischen aber eigentlich wissen...

es ist nicht: die ´´Deutsche Bundesbahn``, die gibt es seit 1994 nicht mehr. Das war die die Staatsbahn und hatte den DB-Keks als Symbol. Sie meinen die ´´DB´´ -AG, als Profitunternehmen . . . . . . .

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