Siegfried Jaschinski Selbstkritik gehört nicht zu seinen Stärken

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Der 2009 in Ungnade gefallene Landesbank-Chef Jaschinski arbeitet heute wieder als Investmentbanker. Das Ermittlungsverfahren hat seiner Karriere einen Schlag versetzt.

Lässt sich ungern belehren: der ehemalige LBBW-Chef Siegfried Jaschinski. Foto: Zweygarth
Lässt sich ungern belehren: der ehemalige LBBW-Chef Siegfried Jaschinski.Foto: Zweygarth

Stuttgart - In keiner anderen Branche dürften in jüngerer Vergangenheit so viele Spitzenmanager von der Bildfläche verschwunden sein wie in der Bankbranche. Erinnert sich noch jemand an Herbert Walter, einst Chef der Dresdner Bank? Oder an Jürgen Sengera, der einige Jahre die stolze WestLB führte? Einige sind mit Anklagen wegen des Verdachts auf Untreue konfrontiert wie Werner Schmidt (BayernLB) und Dirk Jens Nonnenmacher (HSH Nordbank). Nun holt auch Siegfried Jaschinski seine Vergangenheit ein. Es geht um den Vorwurf, er und seine Kollegen hätten die wahren Verhältnisse der LBBW über längere Zeit hinweg verschleiert.

Die Fallhöhe ist auch bei Jaschinski beachtlich: vom mächtigsten Landesbankenchef und Präsidenten des Verbandes öffentlicher Banken mutierte der heute 58-Jährige nach seiner politisch erzwungenen Demission im Juni 2009 zum arbeitslosen Banker. Mehrere Versuche des Betriebswirts und promovierten Historikers, in der Finanzbranche wieder Fuß zu fassen, scheiterten. Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf schwere Untreue machte Jaschinski zum Ausgestoßenen. Zudem verweigerte ihm die LBBW-Trägerversammlung unter dem damaligen Regierungschef Stefan Mappus als einzigem Vorstand die Entlastung für das Geschäftsjahr 2009.

Die präsidiale Kritik prallte an ihm ab

Schon zum Ende seiner Amtszeit wurde Jaschinski vielfach öffentlich kritisiert. Es kam nicht gut an, dass er den immensen Kapitalzuschuss für die LBBW nicht als rettende Finanzspritze der Eigentümer benannte, sondern als Stärkung des Kernkapitals bagatellisierte und weiter Wachstumsfantasien hegte. Es fehle ihm an Demut und Selbstkritik, hieß es allenthalben. Als der damalige Bundespräsident Horst Köhler im November 2008 die deutschen Banker wegen fehlenden Risikobewusstseins, Kundenferne und Großmannssucht scharf angriff, stieß auch Eigentümervertretern auf, dass Jaschinski die präsidiale Schelte an sich abprallen ließ, indem er auf sein gutes persönliches Verhältnis zu Köhler verwies. Das Maximum an öffentlich geäußerter Selbstkritik waren Formulierungen wie: „Aber es ist doch keine Frage, wenn Verluste für die Bank entstehen, dann hat man auch Fehler gemacht.“ (StZ-Interview vom 23. Dezember 2008).

Eine grundsätzlich fragwürdige Ausrichtung der Bank mit einem überdimensionierten Kapitalmarktgeschäft? Nein, nicht bei uns, signalisierte Jaschinski. Probleme mit milliardenschweren Staatsanleihen und Kreditausfallversicherungen? Nein, das ist doch normales Bankgeschäft, beruhigte der Finanzfachmann, der sich gerne intellektuell vom Durchschnitt seiner Zunft abgrenzte. Wenn es Baustellen im Konzern gebe, dann bei den übernommenen Töchtern Landesbank Rheinland-Pfalz und der SachsenLB. Dabei ging der seit 2005 amtierende Vorstandschef darüber hinweg, dass just die LBBW unter seiner Führung zum Motor der Konsolidierung unter den Landesbanken werden sollte. „Wir haben unter den deutschen Landesbanken die Pole-Position und werden in diesem Konzert nicht die zweite Geige spielen“, tönte Jaschinski im Mai 2007. Schon damals war er bereit, die einen Partner suchende ostdeutsche Landesbank zu übernehmen („Wir werden uns nicht verschließen.“).

Die Leipziger waren nicht die Einzigen, die der eloquente Banker umwarb. Hätte sich bei der WestLB, der BayernLB, der Berliner Landesbank oder der NordLB eine Option geboten – Jaschinski hätte eingeschlagen, vom damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger tatkräftig unterstützt. Titulierungen wie „Ackermann der Landesbanken“ waren die Folge. Der gebürtige Leverkusener selbst kokettierte damit, mit seinem Promotionsgegenstand Alexander dem Großen geistesverwandt zu sein.

Karrierestart als Investmentbanker

Nun, da die immer noch größte Landesbank weiter am staatlichen Tropf hängt, ist Jaschinski geradezu zum Hassobjekt enttäuschter Bürger und Bankkunden geworden. Seine Äußerungen werden fast noch schärfer kommentiert als die seines Nachfolgers Hans-Jörg Vetter. So hagelte es Kritik auf einen Artikel zur Griechenland-Krise, den der Althistoriker gemeinsam mit seiner Frau Ursula Rombeck-Jaschinski im Mai 2010 für die „Zeit“ verfasst hatte. Er sollte sich seine Ratschläge sparen oder einen Hedgefonds gründen und sich dort austoben, ätzte ein Leser online. Einen Hedgefonds hat Jaschinski, der seine Karriere als Investmentbanker bei HSBC Trinkaus begann, nicht gegründet. Seit Januar 2011 ist er Vorstandsmitglied bei dem seit 2001 existierenden Investmenthaus Main First. Dort ist er für Anleihen und Derivate zuständig. Die Bank ist mit rund 200 Mitarbeitern ein Zwerg verglichen mit der LBBW. Dennoch, so heißt es aus seinem Umfeld, ist der Familienvater erleichtert, wieder eine wahrnehmbare Tätigkeit zu haben. Während der Zeit im Wartestand hatte er sich kritisch mit der eigenen Branche beschäftigt und das Taschenbuch „Das deutsche Finanzsystem – Achillesferse der Wirtschaft?“ verfasst. Auf Dauer jedoch wäre eine Aufgabe im stillen Kämmerlein wohl nichts für den kontaktfreudigen  Banker gewesen.

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