Sigrid Früh aus Fellbach gestorben Eine Märchenfee mit feuerroter Haarpracht

Von Dirk Herrmann 

Sigrid Früh ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Bekannt weit übers Remstal, ja über den deutschen Südwesten hinaus, war sie als Märchenexpertin.

Sigrid Früh hat mehr als 60 Bücher über Märchen und Sagen veröffentlicht Foto: Patricia Sigerist
Sigrid Früh hat mehr als 60 Bücher über Märchen und Sagen veröffentlicht Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Stets war sie schon von weitem ein Hingucker – zum einen wegen ihrer feuerroten Haarpracht, zum anderen wegen ihrer beeindruckenden Hutkreationen. Bekannt weit übers Remstal, ja über den deutschen Südwesten hinaus, war sie aber als Märchenexpertin. Nun ist Sigrid Früh im Alter von 81 Jahren verstorben.

Es war einmal – so begannen auch viele Märchen, die Sigrid Früh erzählt hat

Es war einmal – so beginnen viele Märchen, und so begann auch Sigrid Früh immer mal wieder ihre Anekdoten, die sie öfter auch auf Schwäbisch dem Publikum präsentierte. „Über eines bin ich mir ganz sicher: Diese Märchen werden über alle Altersgrenzen hinweg Freude bereiten.“ So erläuterte Sigrid Früh es im Geleitwort zu den ersten Fellbacher Märchentagen, die sie vor 22 Jahren mit dem Fellbacher Autor und Verleger Roland Kübler entwickelte. Die erste Veranstaltung fand am 18. Oktober 1994 in der damaligen Weinstube Mack in der Schmerstraße statt. „Sigrid Früh erzählt erotische Märchen aus Schwaben – vor, zwischen und nach den Gängen eines von Wolf Petzold eigens zusammengestellten Menüs aus dem Schlaraffenland“, stand in der Broschüre.

18 Jahre lang gab es dieses winterliche Treffen, oft an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten – in einem Kindergarten, einer Kirche, einem Weingut, in einem Modehaus, einer Bank, einer Schnapsbrennerei oder auch im Polizeirevier, wo es unter dem Titel „Mord und Totschlag – Gift und Galle“ zur verbrecherischen Sache ging. 2013 war Schluss mit den Märchentagen – insbesondere, weil die Organisation für die gesundheitlich angeschlagene Sigrid Früh nicht mehr zu stemmen war. „Die Märchentage waren immer zu 90 Prozent ausverkauft“, resümierte seinerzeit Hermann Früh, der Ehemann der Sagenexpertin, „finanziell standen wir ordentlich da, ohne Subventionen und Zuschüsse.“

Sigrid Früh hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht, sie wurde mit zahlreichen Preisen bedacht

Sigrid Früh hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht, sie wurde mit zahlreichen Preisen bedacht, etwa der Friedrich-E.-Vogt-Medaille, mit dem Wildweibchenpreis der Gemeinde Reichelsheim (2003), mit der Ehrenplakette der Stadt Fellbach, der Sebastian-Sailer-Medaille für schwäbische Mundart (beides 2011), oder 2013 mit der Heimatmedaille Baden-Württemberg. Die Züricher Zeitung schrieb 2011: „Am liebsten sitzt Sigrid Früh auf einem Tisch – ,damit ich das Publikum besser sehen kann’ – und baumelt lässig mit den Füßen. Mit temperamentvollen Armbewegungen und zwei lebhaften Äuglein straft sie ihre 76 Jahre Lügen. So kennt man sie, so liebt man sie.“

Im Spätsommer 2013 folgte im Mörike-Keller die letzte Veranstaltung der Märchentage. „Frau Früh wurde als Kind vom Märchenfieber infiziert, mit ihrer leidenschaftlichen Erzählart wollte sie immer andere anstecken, was ihr gelungen ist“, erklärte der damalige Fellbacher Oberbürgermeister Christoph Palm und ergänzte: „Sie sind ein Gesamtkunstwerk und haben Horizonte eröffnet.“ Und Helmut Früh sagte: „Auch wenn die märchenhafte Zeit nun vorbei ist, die Zeit der Märchen endet nie.“ Ein Satz, der heute erst recht gilt.

Die letzten Jahre lebte sie zurückgezogen in Fellbach

Die letzten Jahre lebte sie, nach dem Umzug von Kernen nach Fellbach, zurückgezogen. Am vergangenen Freitag ist Sigrid Früh verstorben. Die Beerdigung findet am Montag, 12. Dezember, um 12 Uhr auf dem Kleinfeldfriedhof statt.