Silcherschule Zuffenhausen Toiletten als Sicherheitsrisiko

Von Bernd Zeyer 

Franz Untersteller hat die Silcherschule besucht. Zwar hat sich seit seiner letzten Visite im Jahr 2013 sanierungstechnisch einiges getan, dennoch ist der Umweltminister und Landtagsabgeordnete noch unzufrieden. Kritsch sieht er vor allem das Thema Denkmalschutz.

Schulleiterin Jana Bergemann (links) berichtet Minister Franz Untersteller von den Problemen mit den Toiletten. Foto: Bernd Zeyer
Schulleiterin Jana Bergemann (links) berichtet Minister Franz Untersteller von den Problemen mit den Toiletten. Foto: Bernd Zeyer

Zuffenhausen - Noch sehr gut kann sich Franz Untersteller an seinen letzten Besuch in der Silcherschule erinnern: Damals, im April 2013, war er von den baulichen Zuständen im Hauptgebäude derart schockiert, dass er einige Tage später die damalige Stuttgarter Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann angesprochen hatte. „Ich habe ihr gesagt, dass es so nicht geht“, erzählte Untersteller am Montagmittag bei einem erneuten Besuch in der Schule. Mittlerweile ist das Haupthaus von Grund auf saniert und modernisiert worden (wir berichteten). Dennoch zeigte sich der Umweltminister und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen immer noch unzufrieden mit dem Sanierungsstand. Kritische Worte fand er vor allem in Bezug auf die Erhaltung der Gebäude: „An erster Stelle sollten die Kinder stehen, an zweiter der Denkmalschutz.“

Die Silcherschule ist zwischen 1952 und 1954 nach den Plänen von Architekt Günter Wilhelm als erste Pavillonschule in Stuttgart errichtet worden. 1959 war sie für ihre wegweisende Architektur mit dem Paul-Bonatz-Preis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet worden. Seit den 1990er Jahren stehen die insgesamt sieben Gebäude (eines davon ist eine Turnhalle), die zum Teil auch von der benachbarten Haldenrainschule genutzt werden, unter Denkmalschutz. Was eine Sanierung nicht gerade einfach und kostengünstig macht. Finanztechnisch gab es bei der Modernisierung von Gebäude 4 ohnehin eine böse Überraschung: Insgesamt 8,2 Millionen Euro wurden benötigt – diese Summe war ursprünglich für die gesamte Silcherschule veranschlagt worden. Dafür, so erläuterte Rolf Winter vom Hochbauamt am Montag, sei nicht nur der Denkmalschutz der ausschlaggebende Faktor gewesen. Vielmehr hätten statische Eingriffe, die Lüftungsanlage, der Brandschutz sowie das Auftauchen bislang unbekannter Schadstoffe für hohe Kosten gesorgt.

Die Toiletten sind ein Sicherheitsrisiko

Rektorin Jana Bergemann liegt momentan vor allem eines am Herzen: Wenn ihre Schüler aufs Klo müssen, dann müssen sie dafür das Gebäude verlassen. Zwar haben die einzelnen Häuser eingebaute Toiletten, diese sind von innen aber nicht zugänglich, die Mädchen und Buben müssen den Weg durch den Haupteingang ins Freie nehmen. „Für sensible Kinder ist das eine Belastung“, sagt Bergemann. Und bei einem Amokalarm, bei dem die Schüler laut Vorschrift im Gebäude bleiben sollen, könnten sie das stille Örtchen gar nicht oder nur unter großer Gefahr aufsuchen. Ein Umbau der Toiletten ist nicht nur aus Gründen des Denkmalschutzes, sondern auch aus Platzgründen kaum machbar. Lösung wäre ein Glasanbau – da jedes Gebäude einen solchen bräuchte, wären die Kosten aber sehr hoch. Hier stellt sich für Untersteller die Grundsatzfrage: Was ist den Kindern zumutbar, was ist gut für den Denkmalschutz? Eine Frage, die auch anderswo aktuell ist: Nach wie vor funktionieren Heizung und Belüftung in den nicht-sanierten Schulgebäuden nur äußerst unzureichend. Während der kalten Jahreszeit müssen die Kinder manchmal in dicken Jacken dem Unterricht folgen.

Dass Denkmalschutz und moderne Technik unter einen Hut zu bringen sind, beweist der Musiksaal. „Das ist das Prachtstück der Sanierung“, sagte Bergemann. Die Deckenheizung wurde ausgebaut, farblich angepasste Heizkörper wurden angebracht. Die neuen Fenster wurden den Originalen nachempfunden, die Decke ist aus Gründen der Akustik perforiert. „Diese Kompromissbereitschaft wünsche ich mir auch an anderen Stellen“, sagte Untersteller. Manchmal habe er den Eindruck, eine Behörde warte auf die andere, bevor sie selbst in Aktion trete. Untersteller will sich mit der Stadt in Verbindung zu setzen .

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