Silvesterskandal von Köln Das Dilemma der Medien

Von  

Viele Medien halten sich nicht mehr strikt an jahrzehntealte ethische Grundsätze der Berichterstattung. Wir erklären, warum in der StZ die Nationalität von Straftätern nur unter bestimmten Umständen genannt wird.

Wer schreibt was? Der Deutsche Pressekodex gibt Regeln vor, die  streng ausgelegt werden sollen. Foto: Mauritius
Wer schreibt was? Der Deutsche Pressekodex gibt Regeln vor, die streng ausgelegt werden sollen.Foto: Mauritius

Stuttgart - In der Silvesternacht sind in Weil am Rhein zwei Mädchen vergewaltigt worden. Die mutmaßlichen Täter wurden verhaftet, in der Stuttgarter Zeitung werden sie als „drei Jugendliche und ein Mann“ benannt. Beim SWR ist hingegen von „vier Syrern zwischen 14 und 21 Jahren“ die Rede. Auch andere Medien – „Bild“ sowieso, aber auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ – nennen die Nationalität der mutmaßlichen Vergewaltiger. Warum hat die StZ-Redaktion auf die Information verzichtet, dass es sich bei den Verdächtigen um junge Männer mit syrischer Staatsangehörigkeit handelt?

Die Antwort findet sich im Deutschen Pressekodex, einer Sammlung ethisch-journalistischer Grundsätze, zu deren Einhaltung sich alle seriösen Medien selbst verpflichtet haben. Unter Punkt 12.1 heißt es: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Ein begründeter Sachbezug muss laut Pressekodex bestehen

Besteht zwischen der Vergewaltigung der beiden Mädchen und der Nationalität der mutmaßlichen Täter ein „begründeter Sachbezug“? Aus den wenigen Fakten, die die Staatsanwaltschaft über den Fall preisgegeben hat, ist keiner erkennbar. Nicht einmal die Staatsangehörigkeit der Opfer ist bekannt, geschweige denn das Motiv der Täter. Jeder Zusammenhang, der zwischen dem Ereignis als solchem und der Nationalität der Beschuldigten hergestellt werden könnte, wäre bloße Spekulation. „Redaktionen tun gut daran, den Deutschen Pressekodex streng auszulegen“, sagt Edda Eick, Referentin beim Deutschen Presserat, „denn sie sind in ihrer Berichterstattung schutzbedürftigen Gruppen verpflichtet.“ Im konkreten Fall sollte vermieden werden, dass syrische Männer unter einen Generalverdacht geraten.

Anders müssen Journalisten möglicherweise die Geschehnisse von Köln behandeln. Sollten dort tatsächlich Nordafrikaner bandenmäßig organisiert gewesen sein, ihr kriminelles Vorgehen quasi aus ihren Heimatländern importiert haben, wäre eine Kausalität zwischen der Nationalität und der Tat gegeben. Edda Eick spricht von einem „Grenzbereich“. Auch bei der Suche nach einem Straftäter hält die Referentin des Presserats ethnische Beschreibungen wie „südländischer Typ“ für „noch akzeptabel“. Pauschale Aussagen seien unmöglich: „Journalisten haben die Pflicht, jeden Fall einzeln zu bewerten.“

Der Deutsche Presserat will den Kodex vielleicht überarbeiten

Doch versteht der Laie, warum die StZ zu einer anderen Bewertung kommt als der SWR oder die FAZ? Wohl kaum. Womit das Dilemma beschrieben ist, in dem sich zurzeit alle Nachrichtenredaktionen befinden: Werden in der Berichterstattung über Straftaten die Nationalität oder gar die Religion der Beschuldigten genannt, setzen sie sich dem Vorwurf aus, dass sie Stereotypen von bestimmten Gruppen zeichnen und damit rechtsradikale Tendenzen fördern. Wird auf solche Angaben verzichtet, entsteht bei manchem der Eindruck, dass die Presse einen Teil der Wahrheit bewusst verschweigt, um kriminelle Asylbewerber zu schützen oder mögliche Schattenseiten der Zuwanderung auszublenden.

Fest steht, dass es durch die digitalen sozialen Netzwerke für die klassischen Medien schwierig geworden ist, jahrzehntealte ethische Grundsätze strikt einzuhalten: Über das Internet wird ohnehin fast jedes Detail öffentlich. Vor diesem Hintergrund wird der Deutsche Presserat im Frühjahr diskutieren, ob der Kodex überarbeitet werden sollte.

  Artikel teilen
31 Kommentare Kommentar schreiben

im : Ausland fragen die Zeitungen schon warum deutsche Qualitätsmedien die Sex-Übergriffe von Köln erst vertuschen wollten, das tagelange Vertuschen der deutschen Medien ist nun das beherrschende Thema in den internationalen Medien, wir beobachten das weiter sehr interessiert

Dilemma: Die Argumente erhärten eher den Verdacht der Manipulation. Der Verweis auf den Pressekodex ist vollkommen in Ordnung, nur stimmt die Gewichtung nicht. Nach Zif.1 ist das oberste Gebot die Achtung vor der Wahrheit und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit. Ferner besteht an der Information über Straftaten ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit. Es ist Aufgabe der Presse im Sinne von Zif. 1 zu berichten. Einschränkend wirkt nur der Identitätsschutz gemäß der Schwere der Tat. Die Schwere der Tat ist bei Vergewaltigung doch wohl außer Diskussion. Bei Jugendlichen ist nicht die Tat zu schützen sondern im besonderen Umfang deren Identität, siehe auch die Abwägungen bei den U-Bahn-Taten. Der Sachbezug ist durch die sexuellen Übergriffe in Flüchtlingsheimen und eben in Köln wohl gegeben. Die Ethnie der Opfer ist aufgrund des Opferschutzes überhaupt kein Argument. Eine Diskriminierung liegt nicht vor, der Täter erfährt keine Benachteiligungen in seinen Rechten. Der Eindruck ist wohl, dass der Journalist von einer Elitentheorie ausgeht, das Volk ist zu dumm, deshalb gibt es Journalisten die dem Leser die richtige Weltsicht zu zeigen hat. Dies ist gut gemeint, daher ist alles erlaubt, auch die Manipulation der Information. Umgangssprachlich wird die Manipulation auch als Lüge oder Fürsorgeprinzip oder Sozialdisziplinierung bezeichnet. Ist das die Aufgabe der Presse in einer offenen kritischen Gesellschaft?

Objektive Berichterstattung: Liebe Presse, was soll eure unausgewogene Berichterstattung über die Flüchtlingskrise. Bei Straftaten von Bewohnern Deutschlands an Flüchtlingen wird in allen Medien mit großer Erschütterung über die steigende Anzahl der rechtsradikalen Delikte berichtet. Natürlich ist jede Tat eine Tat zuviel, wenn jedoch in der Statistik folgende Taten aufgeführt werden (Quelle: Karte der Schande ) dann werden doch offensichtlich verschiedene Maßstäbe angelegt: Brandstiftung: „In der Nacht zündeten zwei Männer alte Leintücher an, die der Arbeitskreis Asyl mit den Kindern aus einer Asylunterkunft bemalt und an einem Zaun nahe der Unterkunft aufgehängt hatte…“ Sachbeschädigung und Randale: „Unbekannte überklebten in der Nacht vor allem im nördlichen Teil des Landkreises Ludwigsburg 29 Ortsschilder mit den Ortsnamen auf Arabisch überklebt…“ „Unbekannte haben an der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Ellwangen auf einem Behördenschhild ein Hakenkreuz hinterlassen“ „Bewohner des Asylbewerberheims im Wiesengrund in Oppenweiler sind von einer dreiköpfigen alkoholisierten Personengruppe angepöbelt und provoziert worden“ Allein in Sachsen wurden in 2015 über 1300 Stafdelikte von Flüchtlingen in Flüchtlingsheimen begannen – wo ist die Karte der Schande was dort passiert. Erst wenn Polizeikolonnen aufmarschieren müssen wird davon berichtet. Wenn man dort mal die Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Randale und Körperverletzungen aufzählen würde….

Dritter Versuch: Mich interessieren keine "ethischen Grundsätze der Berichterstattung", gleich gar nicht, wenn diese Jahrzehnte alt und völlig überholt sind. Schließlich druckt die StZ heute auch nicht mehr mit einer Rotationsdruckmaschine aus dem letzten Jahrhundert. Was mich und die meisten Leser interessiert, ist eine offene und neutrale Information und vor allem die Wahrheit. Dabei ist das bewusste Weglassen von Fakten mit Unwahrheit gleichzusetzen. __ Im übrigen stimmen die Erklärungsversuche der StZ nicht ganz: wenn Straftäter Deutsche sind, hat man das bisher meistens auch so geschrieben.

Opferschutz: http://www.focus.de/regional/duesseldorf/am-hauptbahnhof-in-duesseldorf-15-jaehriges-maedchen-von-einem-syrer-und-iraker-sexuell-belaestigt_id_5199736.html Ich möchte genau über diese Vorfälle informiert werden. Meine Söhne haben Freundinnen Mitte 20 und meine Freundlinnen und Schwestern haben Töchter zwischen 12 und 20 Jahren. Die Polizei hat nicht das Recht, ob aus Gründen den Opfer/Täterschutzes diese Informationen zurück zuhalten. Und Sie, die Presse haben die Pflicht über diese Vorfälle zu berichten, damit unsere Kinder wissen wann und wo und mit wem sie ausgehen oder wo es besser ist, sich fahren zu lassen oder welchen Event man besser auslässt.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.