Sindelfingen Das vielfältige Gesicht der Biennale

Ingo Sika ist einer der Hauptakteure des Kulturfestivals: als Schauspieler, Musiker, Mitglied des PR-Teams und Video-Blogger.

Bei der Biennale 2015 spielte Ingo Sika die Hauptrolle des Chorherren Sindhold im Open-Air-Theater „Sindelfinger Jedermann“.   Foto: factum/Archiv
Bei der Biennale 2015 spielte Ingo Sika die Hauptrolle des Chorherren Sindhold im Open-Air-Theater „Sindelfinger Jedermann“.   Foto: factum/Archiv

Sindelfingen - Als Alemanne Sindolf hat Ingo Sika vor vier Jahren beim Stadtjubiläum das Herz vieler Bürger gewonnen. Zwei Jahre später spielte er bei der ersten Sindelfinger Biennale wieder die Hauptrolle – dieses Mal im Open-Air-Theater „Sindolfs Traum“. Und auch bei der diesjährigen Biennale ist Sika wieder eines der Gesichter. Bei praktisch jeder Veranstaltung wirkt er mit. „Nein, beim interkulturellen Konzert und bei den Dialogveranstaltungen bin ich nicht dabei“, wehrt er ab. Aber er macht mit als Coach beim Musical und spielt eine Rolle im Altstadt-Theater zur Hexenverfolgung. Zudem zieht er in der Kommunikationsgruppe Biennale Co. die Fäden, ist das Bindeglied zwischen Stadtverwaltung und dem PR-Team. Auch an der Konzeption des diesjährigen Festivals im Juli war er von Anfang na beteiligt – als Mitglied des Kuratoriums.

Seit die Biennale sich etabliert hat, ist für den 44-Jährigen ein Traum in Erfüllung gegangen. „Schon als 18-Jähriger habe ich von einem Kulturfestival in Sindelfingen geträumt. Mehr als 20 Jahre später hat es dann geklappt.“ Denn auch wenn Sika erst seit seinen Paraderollen als Sindolf und Sindhold einem breiten Publikum bekannt geworden ist, ist er doch in der Sindelfinger Kulturszene schon seit mehr als 30 Jahren fest verankert.

Mit neun Jahren die erste Hauptrolle

Zum ersten Mal habe er mit neun Jahren auf der Bühne gestanden, erinnert sich Sika. „Damals habe ich im Chor Goldberg-Spatzen bei einem Singstück die erste Hauptrolle ergattert“. Später durchlief er am Goldberg-Gymnasium sämtliche Theatergruppen von Ulrich von der Mülbe, der die Sindelfinger Theaterszene entscheidend geprägt hat.

Nach dem Abitur liebäugelte Ingo Sika eine ganze Weile damit, seine Leidenschaft fürs Theater zum Beruf zu machen. „Ich habe eine Tour durch die Schauspielschulen gemacht: Stuttgart, Berlin, Wien, Essen und München. In Essen hätten die Aspiranten auch mit einigen Absolventen reden können. „Da wurde mir bewusst, was es bedeutet, Schauspieler im Hauptberuf zu sein“, sagt Sika. „Dass ich mich darauf einstellen muss, ständig von der Hand in den Mund zu leben.“ Doch er sei am kreativsten, „wenn ich nicht ständig um die Existenz kämpfen muss.“ So entschied er sich für ein Studium der Zahnmedizin.

Zahnarzt und Schauspieler

In Weil der Stadt betreibt er seit Jahren eine eigene Praxis mit dem Schwerpunkt Angstpatienten. Seine Arbeitszeit gestaltet er sich so, dass ihm genügend Zeit für seine Leidenschaft für die Kultur bleibt. Neben den 30 bis 35 Stunden pro Woche als Zahnarzt investiert Sika noch mindestens die die gleiche Zeit in seine vielfältigen kulturellen Aktivitäten. Als Schauspieler ist er in Sindelfingen sehr gefragt. In sämtlichen Theatergruppen hat er schon mitgespielt, war eine der tragenden Figuren des Galerietheaters. Zudem ist er Musiker, auch bei der Biennale gibt er gemeinsam mit Klaus Küting ein Konzert. Daneben macht er Theaterprojekte mit Jugendlichen, zuletzt inszenierte er am Goldberg-Gymnasium ein Musical.

Sikas große Stärke ist seine Vielfältigkeit. Er ist nicht nur Schauspieler und Regisseur, sondern bringt auch viel Erfahrung als Ton- und Lichttechniker mit. Sein Studium finanzierte er sich als Mitarbeiter eines Eventmanagers. „Es gibt kein Gewerk auf oder hinter der Bühne, in dem ich nicht schon selbst gearbeitet habe. Sogar Bühnenbilder habe ich gebaut und die Maske gemacht.“ Hinter einer gelungenen Aufführung stehe immer ein ganzes Team, sagt Sika. „Auch wenn nur die Schauspieler den Applaus erhalten.“

Als Video-Blogger in der Stadt unterwegs

Der Beifall ist auch ihm wichtig. „Jeder, der auf der Bühne steht, muss bis zu einem gewissen Grad ein Narzisst sein.“ Angetrieben aber werde er von ganz anderen Motiven. „Kultur ist einer der wichtigsten Aspekte unseres Menschseins. Man trifft Gleichgesinnte und stellt gemeinsam etwas auf die Beine.“ Daraus entwickelten sich dann immer wieder neue Projekte. „Das ist eine never ending story.“ Sika selbst hat stets gleich mehrere Projekte am Laufen.

So dreht er im Moment als sogenannter Vlogger kurze Video-Clips zu ganz unterschiedlichen Aspekten der Stadt und der Biennale.

Daneben arbeitet Sika gemeinsam mit Annette von der Mülbe an der Entwicklung eines Theaterstücks zu einem sehr skurrilen Thema: Menschenschmalz. Im Mittelalter habe das Fett von hingerichteten Menschen als geläutert und rein gegolten. Und man habe es für Arzneiprodukte verwendet, erzählt Sika. „Wir wollen daraus ein Stück für die Bühne machen.“