Sindelfingen: Kinder-Uni mit Vorträgen von Experten Was Kotsteine verraten

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Einen anschaulichen Unterricht über Versteinerungen hat der Geologe Ralf Laternser an der Kinder-Uni geboten und thematisiert, was Kotsteine verraten.

Der Geologe Ralf Laternser zeigt den Kindern einen Dinosaurierknochen. Foto: factum/Bach
Der Geologe Ralf Laternser zeigt den Kindern einen Dinosaurierknochen. Foto: factum/Bach

Sindelfingen - Wir setzen uns jetzt“, ruft Dieter Nitsche, der Leiter der Akademie an der Volkshochschule (VHS), die Rasselbande im Saal zur Räson. Rund 70 Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren sind an diesem Vormittag in das Stiftsgymnasium Sindelfingen gekommen, um den vierten und letzten Vortrag der VHS-Kinder-Uni zu verfolgen. Es geht um Fossilien und was sie über die Welt vor Millionen von Jahren aussagen. Der Diplomgeologe Ralf Laternser hat einige Funde aus der Urzeit mitgebracht – darunter auch einen Dinosaurierknochen, den die Kinder mit der Lupe bestaunen.

Urzeitvögel und versteinerte Blätter

Der Waiblinger Wissenschaftler erklärt erst einmal, was eine Versteinerung überhaupt ist, und blendet auf der Leinwand einen Backstein ein. Nein, das sei natürlich kein Forschungsobjekt, sagt der 48-Jährige. Manche Kinder lachen. „Wir wollen mit der Kinder-Uni so anschaulich wie möglich auf das Lernniveau eingehen“, erläutert Nitsche. Seit sechs Jahren bietet die VHS Böblingen-Sindelfingen dem Nachwuchs in den Faschings- und Herbstferien eine wissenschaftliche Reihe an. Laternser hält vorbildlichen Unterricht. Er zeigt Urzeitvögel, versteinerte Blätter und fragt: „Wer hat von euch schon einmal eine Versteinerung gefunden?“ Die Hälfte der Kinder streckt.

Dann holt der Geologe die achtjährige Elia nach vorne, verbindet ihr die Augen, und das Mädchen darf Fossilien aus einem Säckchen nehmen, sie ertasten und raten, um was es sich dabei handelt. Sie kommt von alleine nicht drauf, was sie in der Hand hält, auch nicht als Laternser ihr das Tuch von den Augen nimmt. „Einen Kotstein eines Dinosauriers“, verrät ihr am Ende der Geologe. Ein „Iiihhh“ geht durch den Saal. Laternser erklärt: „Die Forscher finden durch eine solche Hinterlassenschaft heraus, was das Tier gefressen hat, und ziehen Rückschlüsse auf sein Leben.“ Die Kinder sind so fasziniert, dass sie gar nicht fragen, wovon dieser Dino einst lebte.

Laternser lässt einen Jungen mit Gips, Wasser und bunten Fruchtgummisauriern eine Versteinerung erstellen, berichtet, wie das Leben auf der Erde entstanden ist, zeigt Abbildungen von Tieren aus der Urzeit, deren Abdrücke in Kanada entdeckt worden sind und für die es keine Namen gibt: Lebewesen mit fünf Augen, die aussehen wie Krabben, Kröten „oder komische Pommes frites“, wie der Wissenschaftler sagt.

„Mein Neunjähriger ist sehr wissbegierig“, gibt eine Mutter Auskunft über ihren Filius, der lieber im Vortragssaal sitzt, als mit Gleichaltrigen Schlitten zu fahren. Eine andere Mutter, die ihre Tochter und deren Freundin schon die ganze Woche zur Kinder-Uni chauffiert hat, bekennt: „Wir können nicht in den Skiurlaub gehen. Das hier ist eine echte Alternative.“

In den vergangenen Jahren sind in vielen Städten Kinder-Unis entstanden. Im Jahr 2002 machte die Tübinger Universität den Anfang. Die Grundidee ist seitdem überall dieselbe: Wissenschaftler halten Vorträge über ihr Fachgebiet – möglichst in kindgerechter Sprache.

Seit Dienstag hat die VHS im Rahmen der Sindelfinger Wissenstage täglich einstündige, kostenlose Vorträge angeboten. Jeweils 60 bis 70 Kinder haben sie besucht. Die Kosten von insgesamt 2000 Euro trägt die Stadt Sindelfingen. Experten brachten den Kindern die ägyptische Schrift nahe, das Leben der Libellen und gingen auf die Frage ein, was Wissenschaftler von der Natur lernen. Dem neunjährigen Nico Stanka, der täglich dabei war, hat die Stunde mit Ralf Laternser am meisten beeindruckt. Was er gelernt hat? „Viel“, sagt er, vor allem habe er nicht gewusst, dass die Erde rund 4,6 Milliarden Jahre alt ist.

Als die Uhr fast 11 Uhr zeigt, werden die Kinder trotz ihrer Neugierde etwas unruhig. „Zieht eure Mäntel noch nicht an“, bittet Laternser. Er gibt ihnen noch einen Tipp mit auf den Weg: „Wer nach Versteinerungen suchen will, macht das am besten in Holzmaden auf der Schwäbischen Alb.“