Ski-WM Das Phantom von Schladming

Dominik Ignée, Schladming, 14.02.2013 08:18 Uhr

Schladming - Es sind die wenigen Momente, die slowenische Reporter nicht versäumen dürfen. Da Tina Maze im Pressezentrum vom großen Saal im zweiten Stock eine Treppe hinuntergehen muss, ist es gut, sich dort zu positionieren. Da stehen dann nicht viele Journalisten, ein halbes Duzend, Slowenien ist ein kleines Land – aber dankbar wird jeder Satz notiert. Dabei handelt es sich nicht immer um gewinnbringende Aussagen, doch es ist mehr als nichts.

Neulich beantwortete Sloweniens Sportlerin des Jahres 2011 die Frage nach dem Schnee auf der Piste auf besonders knackige Art: „Weiß – wie immer.“ Schnell wie der Wind, huscht sie dann oft wieder weg. Tina Maze könnte der Superstar dieser WM werden – doch sie macht sich rar, ist kaum präsent. Die zurzeit beste Skirennläuferin des Planeten gerät in Schladming zum Phantom.

Beschwerde vor Verbandsvertretern

Das ist das Ergebnis einer Strategie, welche die 29-Jährige streng verfolgt. Für klare Verhältnisse sorgte am Anfang der WM ihr Lebensgefährte, Manager und Betreuer in Personalunion, Andrea Massi. Als ein Fernsehteam im Hotel Tauernblick mit der Sportlerin etwas filmen wollte, um den zwei Millionen Slowenen in der Heimat mit der harmlosen Story a la „Hier wohnt unser Superstar“ zu beglücken, beschwerte sich Massi sofort vor Verbandsvertretern.

Kein Medienzutritt, Filmverbot und Security am Hoteleingang – so hätte er es sich wohl gewünscht. Die Slowenin Maze und der 16 Jahre ältere Italiener Massi bilden inklusive Trainer, Servicemann und Physiotherapeut das kleinste WM-Team, aber das mit den größten Zielen. Alles wird dem Erfolg untergeordnet, der Schladming-Rummel ausgeblendet. Denn Maze und Massi haben einen Auftrag: vier Medaillen! Das ist ein Wort.

Die Rennläuferin hat einen Plan

„Ich habe auch schon davon gehört“, kommentiert die Hochbegabte die allseits erwartete Edelmetallsammlung, als sei sie davon überrascht. Doch es läuft wie geschmiert: Gold im Super G, Silber in der Kombination und am Donnerstag startet sie im Riesenslalom als Favoritin. Im Slalom winkt dann noch eine Zugabe.

Dann wäre der Plan aufgegangen, an dem die Rennläuferin seit neun Monaten schuftet. „Jetzt kommt der Sommer ins Spiel, in dem ich hart trainiert habe“, so erklärt Maze die ersten Erfolge, für die sie sich im Training nichts verzeiht – ausgestattet mit einem unbändigen Willen. Vor fünf Jahren löste sie sich teils vom slowenischen Skiverband. Massi übernahm das Kommando und hat vor allem eine erkennbare Trainingsmethode in ihr Sportlerleben gebracht. „Es kann ja nicht sein, dass Tina das gleich Programm abspult wie die Nummer 35 im Team“, begründete er den Alleingang der Fünfergruppe namens „Team to aMaze“.