Ski-WM in Schladming Die Ankunft des Muntermachers

Dominik Ignée, Schladming, 12.02.2013 08:55 Uhr

Schladming - So ein Hunderl weckt Emotionen. Also hat die „Kronenzeitung“ einen niedlichen Vierbeiner dem österreichischen Skistar Nicole Hosp auf den Arm gesetzt und Fotos gemacht. Bei der „Niki“ durfte der graue Freund sogar ein bisserl an der Bronzemedaille knabbern. Und der Name des Wauwaus war ausgerechnet Felix.

Da es auch Felix Neureuther gibt, dürfen dessen Fans diesen Akt der Verniedlichung durchaus als winzige Stichelei empfinden. Doch eine gewisse Angst der Österreicher begründet sich darin, dass diese besondere Mischung aus Rosi Mittermaier und Christian Neureuther den Gastgebern eine Gold-Hoffnung im Slalom rauben könnte. Deren Sohn fährt die Saison seines Lebens. Nie war er so gut im Riesentorlauf, nie so sicher im Slalom – und so wird es in dieser Disziplin am Sonntag auch hinauslaufen auf das Duell der Wedel-Giganten Neureuther und Marcel Hirscher. Das ist der Österreicher, der die durch Medaillenarmut befürchtete nationale Katastrophe abwenden soll.

Felix Neureuther reiste derweil am Sonntag in Schladming an. Pressekonferenz des Deutschen Skiverbandes (DSV), er setzt sich hin und zeigt ein Lächeln, das verrät: er ist zu allen Schandtaten bereit. Prächtig sieht er aus, erholt, scheint bester Dinge. Felix Neureuther musste 28 Jahre alt werden, um endgültig aufzusteigen in die Riege der Topstars. Er gilt nicht mehr nur als Hochbegabter, den es im Übereifer aus der Spur hebt, der einfädelt und auf dem Hosenboden landet. Er ist schnell geblieben, aber sicher geworden. Dieser mit zwei Weltcupsiegen und vier weiteren Podestplätzen so glänzend verlaufende Ski-Winter überträgt sich auf das Selbstbewusstsein des Bayern.

„Das gibt eine coole Stimmung für die Fans“

Am Dienstag will Felix Neureuther im Teamwettbewerb die erste Medaille holen. Natürlich, um noch motivierter den Riesenslalom am Freitag und den Slalom am Sonntag unter die Bretter zu nehmen. „So ein Einstieg ist wichtig für eine WM“, sagt der Rennläufer, der den oft noch als Jux-Veranstaltung herabgewürdigten Wettbewerb im Aufwind sieht. „Wenn man bedenkt, dass da Leute wie Marcel Hirscher mitfahren und die Veranstaltung dann auch noch am Abend stattfindet, kann ich nur sagen: das gibt eine coole Stimmung für die Fans.“ Außer dem sei ein erfolgreiches Abschneiden dort ja auch ganz gut für die Stimmung in der Mannschaft für die weiteren Auf gaben in der zweiten WM-Woche.

Bezeichnet man Maria Höfl-Riesch als die große Dame deutscher Alpinkunst, so muss man Neureuter als kumpelhaften Anführer bei den Männern betrachten. Dass seine Landsfrau, mit der er in Partenkirchen zur Schule ging, schon zwei Medaillen holte, freut ihn, doch beeinflusst es nicht sein Befinden. „Das ist sicher super für den Verband, aber ich habe noch meine Wettbewerbe vor mir und schaue nur auf mich“, erzählt Neureuther, der wie die ehemalige Klassenkameradin eine Sonderrolle einnimmt. Doch die Unterschiede sind gewaltig. Sie lassen sich am besten erkennen am Wettbewerb heute, bei dem Frauen und Männer ein Team bilden.

„Wir müssen uns im Teamwettbewerb puschen“

So bewegt sich Maria Höfl-Riesch in ihren Sphären. Sie stößt mit Franz Beckenbauer auf Abfahrtsbronze an und lässt sich für die DSV-Pressekonferenz entschuldigen, weil sie sich bei Sponsoren blicken lassen will und das ORF zum Fernsehinterview bittet. Große Welt. Neureuther wird dagegen eher wahrgenommen als erdverbundener Pfundskerl und Muntermacher innerhalb der Truppe. „Wir müssen uns im Teamwettbewerb puschen, und der Felix ist einer, der das kann“, sagt Lena Dürr.

Neureuther selbst, der bereits bei der WM 2005 Team-Gold gewann, beschreibt seine Rolle im DSV-Gefüge seinem naturell entsprechend nicht ganz so ernst: „In Bormio war ich das Chicken, heute bin ich der Älteste und deshalb die Martina Ertl von heute“, meint er, „ wobei ich damit nicht sagen will, dass ich im Team die alte Schachtel bin.“ Typisch Neureuther – seit seiner Ankunft ist im deutschen Lager die Heiterkeit eingekehrt. Nach einer Weile fügt er aber noch hinzu, dass Martina Ertl-Renz natürlich alles andere sei als eine alte Schachtel – „um Gottes willen!“

Genauso wenig wie sich Felix und Felix vergleichen lassen. Neureuther ist nämlich kein Schoßhund, der nur spielt, aber nicht beißt – inzwischen ist es auf der Skipiste genau umgekehrt. Österreich spürt es.