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Oberstdorf - Die Athleten sind begeistert, der Boss ist voll des Lobes: Werner Schuster hat den flügellahmen deutschen Adlern neues Leben eingehaucht und sich für den Deutschen Ski-Verband (DSV) als echter Glücksfall erwiesen. Innerhalb von drei Jahren hat der Bundestrainer gegen manche Widerstände im Umfeld neue Strukturen aufgebaut und die lange Zeit enttäuschenden DSV-Springer wieder in die Weltspitze zurückgeführt.
"Mit der Verpflichtung von Werner Schuster haben wir einen absoluten Glücksgriff getan. Nach dem Weggang von Sven Hannawald hatten wir eine ganz schöne Krise. Ich denke, jetzt ist die Talsohle endgültig durchschritten", sagte der DSV-Generalsekretär und Sportdirektor Thomas Pfüller schon vor dem Auftakt der 60. Vierschanzentournee, die am Freitag mit dem Springen in Oberstdorf begonnen hat (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet).
Werner Schuster hat es verstanden, das vorhandene Trainerpotenzial im DSV zu bündeln und auf einen gemeinsamen Weg einzuschwören. Der Österreicher gilt als hochkompetent und ist in der internationalen Skisprungszene bestens vernetzt. Zudem zeichnet sich der 42-Jährige durch eine klare Ansprache und Überzeugungskraft aus. "Er ist nicht nur in der Lage, ein Team zu führen, sondern auch zu steuern", beschreibt Pfüller die Vorzüge des Familienvaters aus Mieming.
Fehler in der Nachwuchsarbeit
Einen Typ wie Schuster hatte der DSV nach der Trennung von der Trainerlegende Reinhard Heß vor fast neun Jahren lange gesucht. Dessen Nachfolger Wolfgang Steiert, unter Hess Assistenzcoach, entpuppte sich als Fehlgriff und wurde 2004 durch Peter Rohwein ersetzt. Allerdings agierte auch der Allgäuer glücklos und schaffte es nicht, die deutschen Springer wieder in die Weltspitze zu bringen.
Erst unter dem im Jahr 2008 verpflichteten Werner Schuster, zuvor Cheftrainer der Schweizer Nationalmannschaft, gelang die ersehnte Kehrtwende. "Wir haben in den erfolgreichen Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald einige Fehler in der Nachwuchsarbeit gemacht und wussten, dass diese nicht schnell zu beheben sein würden. Deshalb haben wir damals einen Trainer gesucht, der aus dem Nachwuchs kommt und gut strukturiert ist. Zum Glück sind wir auf Schuster gekommen. Er weiß, wie es geht", sagt Thomas Pfüller.
Der Höhenflug von Richard Freitag und Severin Freund in diesem Winter ist Bestätigung für Schuster und lässt ihm die Arbeit leichter von der Hand gehen. "Wir haben jetzt zwei Spitzenleute. Das ist natürlich eine sehr angenehme Situation", erklärt der Chefcoach, der noch während seiner aktiven Skisprungkarriere begonnen hatte, an der Universität Innsbruck Sport und Psychologie zu studieren.
Werner Schuster genießt hohes Ansehen
Schuster gilt als Vater des Erfolges und wird auch von den Athleten sehr geschätzt. "Werner ist ein unglaublich engagierter Trainer. Er hat einen Masterplan im Kopf, wo die Reise mit dem deutschen Skisprung hingehen soll", sagt Freitag über den Vorarlberger. Auch der viermalige Tourneegewinner Jens Weißflog schätzt die Arbeit von Schuster und dessen Kollegen: "Es ist den Trainern gelungen, dass Richard Freitag behutsam aufgebaut und nicht verbrannt wurde."
Für den Bundestrainer, der zu Beginn seiner Amtszeit alles auf den Kopf gestellt hat und dabei von manch einem im Verband kritisch beäugt wurde, sind die Erfolge in diesem Winter jedoch kein Ruhekissen. "Es ist knüppelharte Maloche, das System in Gang zu kriegen. Jetzt kommen wir auf allen Ebenen schrittweise voran. Aber das Eis ist noch dünn."


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