| Zeitungsgruppe Stuttgart |Freitag, 10. Februar 2012
Stuttgart 21
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SMA-Studie Langer Halt - viele Engpässe

Jörg Nauke, vom 29.07.2010 07:31 Uhr
Bahn-Chef Rüdiger Grube, Projektsprecher Wolfgang Drexler (SPD) und der CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus (von links) wollen weitere Kostensteigerungen bei der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm nicht ausschließen. Foto: dpa
Bahn-Chef Rüdiger Grube, Projektsprecher Wolfgang Drexler (SPD) und der CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus (von links) wollen weitere Kostensteigerungen bei der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm nicht ausschließen. Foto: dpa
""Ich fordere eine Bestandsaufnahme und eine Bürgerbefragung.""
Stephan Braun, SPD-Landtagsabgeordneter

Stuttgart - Der vergangene Dienstag ist kein guter Tag für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm gewesen: Die Mitteilung über die Kostenexplosion von 2,025 auf 2,89 Milliarden Euro fiel zusammen mit der Veröffentlichung der Studie des Gutachterbüros SMA + Partner. Die Schweizer erklären darin den Projektpartnern, ihr Wunschfahrplan sei mit der vorhandenen Schieneninfrastruktur nicht umsetzbar.

Das hat weder Bahn-Chef Rüdiger Grube noch Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) beeindruckt, jedoch den SPD-Landtagsabgeordneten Stephan Braun. Er sieht sein Recht auf freie Meinungsbildung behindert, weil er keinen Einblick in das Gutachten erhalten habe und plädiert wie sein Kollege Siegfried Lehmann von den Grünen dafür, Stuttgart 21 vorerst zu stoppen. Braun fordert eine "neuerliche Bestandsaufnahme und eine Bürgerbefragung".

Die landeseigene Nahverkehrsgesellschaft hatte 2008 die schweizerische Firma SMA beauftragt, ein Konzept für den Regionalverkehr von 2020 an zu entwickeln. Mit dem Ergebnis war das Land zufrieden, weil auch die Uni Stuttgart als Kontrollinstanz einverstanden war - trotz "anspruchsvoller" Trassenabschnitte wie dem Bereich auf den Fildern. Man lobte die "zuverlässige Fahrbarkeit des unterstellten Betriebsprogramms" und sah auch beim Nadelöhr S-Bahnhof Flughafen eine "gute Betriebsqualität".

Wie man mittlerweile weiß, haben die Erkenntnisse der SMA aber auch eine Kehrseite. "Absolutes Stillschweigen" war angesagt, weil das Büro auf ein "schwer beherrschbares Gesamtsystem" und auf "geringe Gestaltungsmöglichkeiten des Fahrplans" verwies. Für ein Milliardenprojekt, dem die doppelte Leistungsfähigkeit der heutigen Infrastruktur zugesprochen wird, sei das zu wenig, kritisieren Stuttgart-21-Gegner. Die Umwelt- und Fahrgastverbände VCD, Pro Bahn, BUND und Kopfbahnhof 21 haben mehrere Schwachstellen des Konzepts erkannt, das ja vor allem die Fahrzeitverkürzungen auf der Strecke nach Ulm als großen Vorteile nennt.

"Fahrplansalat" wird befürchtet


Bei der S-Bahn sei aber das Gegenteil der Fall, sagen die Gutachter von der SMA. Verantwortlich dafür: der zusätzliche Haltepunkt Mittnachtstraße unmittelbar vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Experten befürchten in der Folge einen "Fahrplansalat" für alle S-Bahnen in Richtung Feuerbach und Bad Cannstatt, weil sich durch den zusätzlichen Halt die Abfahrzeiten um zwei Minuten nach vorne und hinten verschieben würden. Mindestens genauso problematisch seien die dann zu knappen Wendezeiten von nur vier Minuten in Schorndorf und fünf Minuten in Weil der Stadt. Wenn der Fahrplan durcheinandergerate, kämen sich aber auf der Remsbahn der ICE, der Regionalexpress und die S-Bahn in die Quere.

Ein großes Problem sind die Engpässe auf dem Weg zum Flughafen und von dort zur Neubaustrecke in Wendlingen. Schnelle Züge brauchen freie Fahrt, eingleisige Abschnitte bedeuten dagegen Behinderungen. Solch einen Abschnitt nützt der Fernverkehr, wenn er im Fildertunnel zum Flughafen-Tiefbahnhof ausschleift. Dort sind elf Züge pro Stunde geplant - für die SMA sind das zu viele. Eingleisig und unterdimensioniert für die vielen Züge aus und nach Plochingen sowie Tübingen und Ulm ist auch die Verbindungsstrecke Kleine Wendlinger Kurve.

Von Flexibilität kann man auf den Fildern nicht reden: So sind die Fahrzeiten für Züge zwischen Stuttgart und Tübingen durch die zwei eingleisigen Abschnitte auf den Fildern und die Anschlüsse am Tübinger Bahnhof unverrückbar festgelegt. Für den Interregio Express Stuttgart-Tübingen muss man allerdings zwei Minuten mehr einplanen als heute, weil auf den Fildern die Neigetechnik ausgeschaltet bleiben muss.

Fast keine Lücken für den Fernverkehr vorhanden


Dies alles hat laut SMA-Studie zur Folge, dass fast keine Lücken für den Fernverkehr vorhanden sind. Deshalb sind auch nur zwei Fernzüge pro Stunde auf der Neubaustrecke möglich (80 pro Tag). Das wäre bekanntlich selbst für Bahn-Chef Grube zu wenig. Die Prognose, die der Wirtschaftlichkeitsberechnung des Gesamtprojekts zugrunde liegt, lässt aber drei Zugpaare pro Stunde erwarten - laut SMA ist das technisch gar nicht machbar.

Großen Unmut lösen die erwarteten Fahrzeitverlängerungen bei der Gäubahn aus, denn sie stellen den Weiterbestand des Fernverkehrs auf dieser Strecke komplett infrage, und auch die Engpässe im Hauptbahnhof. Von zwölfminütigen Standzeiten ist die Rede - und von Fahrstraßenausschlüssen, die bisher nur dem Kopfbahnhof angekreidet werden. So könnten laut SMA die Linien Neckarsulm-Tübingen und Schwäbisch Hall-Rottweil/Singen nicht gleichzeitig ein- und ausfahren.
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Kommentare (47)
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AUG
02
13:36 Uhr, geschrieben von Hanns-H. Kübler
SMA -Studie: Langer Halt
@ Albliebhaber vom 29.7.2010 Hä ? Nix verstehn ? 200 zusätzliche Höhemeter über die Alb bei Hohenstadt/Widderstall habe ich geschrieben ! Amstetten liegt rund 580 m üNN und das von der Bahn angesteuerte Hohenstadt/Widderstall eben rund 780 m üNN Haben Sie das jetzt verstanden oder soll ich mit nem Schaubild kommen? Ach so - Sie wissen nicht wo Amstetten liegt. Na das in Österreich ist es nicht; halt mal googlen. Ohh noi.
AUG
01
22:56 Uhr, geschrieben von Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischer
Bewertung der SMA-Stellungnahme vom 28.7.10
Zur der neuen Stellungnahme von SMA mit Datum 28.Juli 2010 liegt eine Bewertung unter dem folgenden Link vor: http://www.siegfried-busch.de/ Sie finden diese dort im Blog unter: Was bleibt von der SMA-Studie? Freitag 30. Juli 23:02 S. Busch und M. Fischer haben eine sich ergänzende Bewertung dieser SMA-Stellungnahme vorgenommen. Außerdem finden Sie dort noch die Stellungnahme von „Eidgenosse“. Die Quintessenz dieser Wertungen lautet: Es bleiben mehr als genug Schwachpunkte von Stuttgart 21, die einen sofortigen Stopp des Projekts S 21 nahe legen. Außerdem sei darauf hingewiesen, was hier in dem Kommentar von: Stuttgarter, 29.07.2010 @ fakte, wo bleibt der Link zur Wirtschaftlichkeitsberechnung zur NBS? Und wo derjenige zu "Stuttgart 21"?………………………………… schon gefordert wurde: So lange keine prüfbaren Nutzen-Kosten-Untersuchung von den beiden Projekten Stuttgart 21 und NBS Wendlingen – Ulm öffentlich gemacht werden, die den Nachweis erbringen, dass diese Projekte dringender sind als andere Projekte des vordringlichen Bedarfes, verstößt der Bau und erst recht ein Baubeginn von diesen Projekten gegen das Grundgesetz, das diesen Wirtschaftlichkeitsvergleich zuvor fordert. Manfred Fischer
JUL
30
16:23 Uhr, geschrieben von Stellungnehmer
werter m_i_k_e (Antwort bzgl SMA/ Gönner)
herzlichen Dank für ihre Steilvorlage zum Wochenschluss: selbstverständlich muss man dem Rat von SMA folgen, bzw. zu den schon in 2008 genannten Schwachstellen präzise Nacharbeiten. noch besser wäre es allerdings, man könnte das auch tun, ohne dass Leute wie die Herren Grube (bzw. Vorgänger Mehdorn), Mappus (bzw. Vorgänger Öttinger), Gönner (bzw. Vorgänger Rech, Mappus, ..), Drexler (kein Vorgänger, er ist einzig) das ganze Vorhaben stören, verschleiern und der Öffentlichkeit immer nur mit Halbwahrheiten daherkommen. und selbst das nur wenn man ihnen Druck macht. in diesem Sinn: nochmals danke für ihren Beitrag und ein schönes Wochenende.
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