InterviewSoko Stuttgart „Stuttgart kann man nicht auserzählen“

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Seit Februar hat die Bavaria Fernsehproduktion 25 neue Folgen der „Soko Stuttgart“ gedreht. Nun geht die neunte Staffel des Vorabendkrimis an den Start. Wir haben mit der Dramaturgin Nicole C. Buck gesprochen.

Auch beim Outfit bleibt sich die „Soko“ treu – hier Foto: StZ, ZDF
Auch beim Outfit bleibt sich die „Soko“ treu – hier Foto: StZ, ZDF

Stuttgart - Seit Februar hat die Bavaria Fernsehproduktion 25 neue Folgen der „Soko Stuttgart“ gedreht. An diesem Donnerstag geht die neunte Staffel des Vorabendkrimis an den Start – mit einem modernisierten Revier, wie die Dramaturgin Nicole C. Buck verrät.

Frau Buck, fällt dem „Soko Stuttgart“-Team nach neun Jahren noch etwas Neues ein?
Ja, klar. Das Schöne ist, dass wir zwei Ebenen haben: Krimifälle, die in einer Folge gelöst werden. Aber es gibt auch eine horizontale Erzählstrecke: Was passiert mit den Kommissaren? Die Verknüpfung von Fällen und Kommissaren, die ein Privatleben haben, tut der Serie gut und den Akteuren.
Stuttgart ist ja nicht gerade Hochburg für Mord und Totschlag. Wo holen Sie sich die Ideen für die Fälle?
Man liest viele Polizeiberichte, telefoniert mit Polizisten, Spurensicherern, Rechtsmedizinern. Man nimmt aber auch mal Anleihen an Klassikern wie „Mord im Orient-Express“ oder Alfred Hitchcocks „Psycho“.
Haben Sie nicht schon überall gedreht?
Nein. Was ich witzig finde: Wir hatten noch keinen Fall, der etwas mit einer Brezel zu tun hat. Viele schwäbische Klassiker sind noch offen, zum Beispiel waren wir zwar einmal am Fernsehturm, haben aber noch nie auf ihm gedreht. Ich bin von hier und liebe diese Stadt und finde: Man kann sie nicht auserzählen.
Sollte man Setting, Team oder auch die Revierräume nicht gelegentlich erneuern?
Wir machen das schrittweise und sanft. Wir haben jetzt einen neuen IT-Raum. Der war früher etwas öde mit Monitoren, jetzt sieht er ein bisschen aus wie ein Raumschiff, modern weiß mit indirekten Lichtschienen. Wir machen das Schritt für Schritt, damit der Zuschauer sich nicht fremd fühlt. Aber wir sind immer dran und versuchen zu modernisieren.
Einige Schauspieler spulen ein recht routiniertes Gestenrepertoire ab. Würde da nicht auch etwas frischer Wind guttun?
Im Unterschied zum Theater ist der Realismus im Fernsehen beschränkter. Es sind natürlich begrenzte Figuren, die so agieren, wie sie festgelegt sind und wie Menschen eben sind. Wir sind in unserer Gestik und Mimik ja auch so, wie wir sind. Den frischen Wind bringen die privaten Geschichten, bei denen man die Schauspieler in Situationen stürzt, in denen sie anderes mitzuspielen haben. Dadurch sind sie nicht nur Funktionskriminalisten, die Fälle lösen, sondern erleben auch privat etwas und können mit anderen Stimmungen in die Fälle gehen.
Bleibt der Regie denn Zeit, aus den Schauspielern Neues herauszukitzeln?
Es ist immer Raum für Spiel da. Es sind oft die Kleinigkeiten, die eine Standardszene aufwerten. Aber natürlich gibt es Szenen, in denen Information übermittelt wird, das ist eben auch Krimi. Im Konferenzraum werden alle Verdächtigen vorgestellt und es wird erzählt, wer sie sind und wie sie zum Opfer stehen. Das sind Funktionsszenen, die man braucht, um sich zu orientieren.
Wo steht die „Soko Stuttgart“ im Vergleich zu den anderen Städten?
Wir sind immer zweiter, dritter Platz von den Quoten her.
Werden Krimis mit Regionalbezug stärker in der jeweiligen Region geschaut?
Ja – aber auch von Exilschwaben.
Zum Schluss: Der Ermittler Jo wohnt auf einem Hausboot – gibt es das eigentlich wirklich in Stuttgart?
Wir haben ein Boot, das wir ab und zu ausborgen. Hausboot innen ist Studio, Hausboot außen ist ein Feuerwehrboot.