Solarbranche „Strafzölle retten die Solarbranche nicht“

Inge Nowak, 09.02.2013 12:01 Uhr

Stuttgart - Carsten Körnig findet selbst in dieser Situation noch etwas Positives: „Mittel- bis langfristig sind die Aussichten sehr gut. Immer mehr Länder springen auf den Zug auf.“ Die Worte sind Programm, Körnig ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Es stimmt ja auch. Die Öl-, Gas- und Kohlevorkommen sind endlich, die Sonne dagegen lässt sich quasi unbegrenzt anzapfen. Immer mehr Länder entdecken diese Quelle, um den wachsenden Energiehunger ihrer Bevölkerung zu decken.

Die Solarmärkte der Zukunft heißen Indien und China, Südafrika und Südamerika. Aber auch Südostasien und Teile der USA gehören dazu; die arabischen Länder dagegen eher nicht. Nur wo die Sonneneinstrahlung und gleichzeitig die Energiekosten hoch sind, werden sich neue Märkte entwickeln, sagt Thorsten Preugschas, Geschäftsführer des Duisburger Projektanbieters Soventix, voraus. In den arabischen Ländern sei Energie zu preiswert. Die nebenstehende Weltkarte zeigt die derzeitige Dominanz der eher sonnenarmen Region Europa.

Neue Märkte für die gebeutelte Branche?

Retten die „neuen“ Solarmärkte die geschundene deutsche Branche? Umsatzeinbrüche, hohe Verluste, steigende Schulden und immer mehr Pleiten – das waren die Schlagzeilen der vergangenen Monate. Beim Modulhersteller Solarworld sind die Erlöse in den ersten neun Monaten 2012 um 38 Prozent gesunken. Die Hamburger Conergy-Gruppe, die Solarprojekte konzipiert und errichtet, musste ein Umsatzminus von 39 Prozent vermelden, genauso viel die Bosch-Tochter Aleo Solar (allerdings für das gesamte Jahr). Und Sunways, Anbieter von Zellen und Modulen, sowie das angeschlagene Systemhaus Phoenix Solar erlitten bis Ende September gar Rückgänge von teilweise deutlich über 50 Prozent.

Es gibt viele Gründe für die Misere. Die Überkapazitäten auf dem Weltmarkt gehören dazu, die – je nachdem, wen man fragt – zwischen 70 und 100 Prozent etwa bei Modulen liegen sollen. Die Folge ist ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb. Ende vergangenen Jahres musste ein Kunde für eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach noch knapp 2000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) zahlen, das waren rund 20 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und sogar 64 Prozent ­weniger als 2006, hat der Bundesverband Solarwirtschaft errechnet. Es gibt Werkschließungen – so hat der US-Solarriese First Solar sein Werk in Frankfurt/Oder mit 1200 Mitarbeitern dicht gemacht –, doch sie haben bisher kaum den Druck auf die Preise verringert. Aber zumindest haben sie die Kunden bei der Stange gehalten. Das Geschäft boomt. Im vergangenen Jahr wurden weltweit Solaranlagen mit einer Kapazität von 30 Gigawatt installiert; davon entfallen 7,6 Gigawatt auf Deutschland.