Soldatin posiert auf Facebook "Du schaust hier supersexy aus"
Inge Günther, 17.08.2010 18:12 Uhr
 Foto: AP
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Israel - Diese Fotos haben Israels Armee gerade noch gefehlt. Sie zeigen eine Soldatin, die lächelnd vor gefesselten und Augenbinden tragenden Palästinensern posiert. Sie trägt eine saubere Uniform, die Gefangenen sind äußerlich eher armselige Gestalten. Besagte junge Israelin heißt Eden A., sie war ganz stolz auf die Schnappschüsse, die eine Freundin während des gemeinsamen Militärdienstes am Einsatzort Gaza gemacht hatte.

Jedenfalls hat A. die Fotos auf der Internetseite Facebook veröffentlicht und mit der Bemerkung "die beste Zeit meines Lebens" versehen. Eingebracht hat ihr das eine zweifelhafte Berühmtheit, weit über Israels Grenzen hinaus. Fast ausnahmslos hagelte es empörte Reaktionen, sogar ein paar böse Drohungen. Auch die Armee distanzierte sich von dem "schändlichen Verhalten" der ehemaligen Gefreiten. A. ist voriges Jahr aus dem Militärdienst ausgeschieden, was eine Handhabe gegen sie erschwert. Die Fotos an sich sind nicht einmal sonderlich ungewöhnlich. Von Soldaten verhaftete Palästinenser hat man in vielen, auch israelischen Medien gesehen.

Assoziationen an Abu Ghraib


Nur weckte das Online-Fotoalbum auf fatale Weise Assoziationen an Abu Ghraib, das einst so berüchtigte US-Gefängnis im Irak - auch wenn es keine unerlaubten Misshandlungen zeigt. Das Skandalöse der inzwischen wieder aus Facebook getilgten Fotos besteht darin, wie amüsant die Soldatin es offenbar fand, sich vor den Gefangenen in Szene zu setzen. "Du schaust hier supersexy aus", kommentierte einer ihrer Facebook-Freunde. "Ja, ich weiß", schrieb sie zurück. Und: "Ha, ha, was war das für ein Tag, schau bloß, wie er (ein Häftling) mein Bild komplettiert."

Ischai Menuchim vom israelischen Komitee gegen Folter findet, dass sich gerade darin die Missachtung offenbare, die viele Armeeangehörige für die Persönlichkeitsrechte palästinensischer Häftlinge übrig hätten. "Das Verhalten dieser Soldatin ist Resultat der israelischen Militärkultur", sagt Menuchim. Zumindest steht es in Widerspruch zum Selbstverständnis der Armee, die sich gerne "als moralischste der Welt" preist. Für die palästinensischen Autonomiebehörden illustriert der Fall die Attitüde der Besatzer, noch stolz darauf zu sein, Unterdrückte zu demütigen.

Sie versteht die Aufregund nicht


A. selbst versteht die ganze Aufregung nicht. Trotzdem hat sie sich im Armeesender halbherzig entschuldigt. Aus ihrer Sicht ist alles nur ein unschuldiger Spaß gewesen, die Häftlinge hätten es doch gut gehabt und Essen und Trinken bekommen. Man solle bloß nicht so tun, "als ob ich diejenige bin, die den Frieden ruiniert". Geradezu eine "Modellsoldatin" sei sie gewesen. Dass die Streitkräfte ihr jetzt den Dienstgrad absprechen wollten, zeuge von Undankbarkeit. "Ich wünschte, ich hätte niemals in dieser Armee gedient."
Kommentare (2)
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AUG
17
Thomas Melber, 23:04 Uhr

@Beobachter

Das Verhalten verstößt auch gegen das Völkerrecht / die Genfer Konvention. Da hätten die Vorgesetzten vorher entsprechend unterweisen müssen. Als Erklärung - nicht Entschuldigung - mag man anführen, daß es der Soldatin als Wehrpflichtige an persönlicher Reife gemangelt hat, was leider auch ihre Uneinsichtigkeit beweist. Zivilisatorisch höherstehender ist das Kopfabschneiden von "Ungläubigen" bei laufender Kamera allerdings auch nicht.

AUG
17
Beobachter, 19:37 Uhr

Arroganz der Macht

Das passt zu den Berichten aus dem Gaza-Krieg. Über eintausend getötete palästinensische Zivilisten, darunter viele Kinderund eine Handvoll getötete israelische Soldaten. Das Gefühl der totalen Überlegenheit und des Triumphes lässt solche Bilder entstehen. Die überraschte Reaktion der Soldatin zeigt, dass so etwas in diesem Land als normal gilt. In Zeiten des Internets wird dann deutlich dass Menschen in anderen armen Ländern die Arroganz der Mächtigen und die Ohnmacht der schwächeren nachempfinden.