""Stuttgart ist die schönste Stadt Deutschlands.""
Johannes Milla
Stuttgart - Johannes Milla sitzt auf dem Dachgarten einer ehemaligen Kartonagenfabrik im Heusteigviertel und serviert Quarkhörnchen. Das Gebäck kommt von einem benachbarten Bäcker, im Laufe des Gesprächs leert sich der Teller und man fragt sich, wie viele Geschäftsabschlüsse das Kommunikationsbüro Milla & Partner wohl mit Hilfe dieser süßen Droge vorangetrieben hat.
In diesem Jahr hat sein Büro mit der Gestaltung des deutschen Expo-Pavillons auf der Weltausstellung in Shanghai Schlagzeilen gemacht. Milla erzählt von experimentierfreudigen Chinesen, dem Wissenshunger von Kindern und den hässlichen Seiten seiner Wahlheimat Stuttgart. Im Innenhof unter dem Dachgarten schwillt der Lärm aus einem Kindergarten ohrenbetäubend an. Es klingt, als ob der Regenwald mitten in der Stadt zum Leben erwacht.
Herr Milla, stört Sie der Lärm eigentlich beim Nachdenken?
Das ist doch kein Lärm! Ganz im Gegenteil. Unser Büro ist an Projekten in aller Welt beteiligt. Diese Geräuschkulisse hier erdet uns, so wie das Heusteigviertel, in dem wir arbeiten. Hier leben die unterschiedlichsten Menschen, hier mischt sich großes und kleines Gewerbe. Die Nähe von Arbeit und Wohnort - die gab es hier schon immer.
In den vergangenen Jahrzehnten ist das Gewerbe an den Stadtrand oder auf die grüne Wiese gezogen.
Für uns als Agentur wäre das undenkbar. Hier stehen wir mit beiden Füßen im Leben. Nur fünf unserer 45 Mitarbeiter fahren mit dem Auto zur Arbeit, die anderen kommen mit dem Rad oder mit der Stadtbahn. Zwanzig Gaststätten in unserer Nachbarschaft akzeptieren unsere Mittagessensgutscheine. Es gibt eine kleine Milla-&-Partner-Währung - solche Dinge verwurzeln uns im Viertel.
Junge Leute, Ateliers, Architekturbüros - sie alle haben den Charme des Heusteigviertels entdeckt. Und mit ihnen die Immobilienstrategen. Die Innenstadt ist inzwischen als Wohnort wieder "in".
Du erreichst zu Fuß die Theater, den Skatershop, du wirst täglich mit den Gegensätzen der Stadtgesellschaft konfrontiert. Im Lidl treffen die sparsamen Millionäre, die hier Penthousewohnungen besitzen, auf die Obdachlosen, die Pfandflaschen sammeln.