Sonderzahlungen bei der LBBW Mitarbeiter sind verärgert
Andrea Gregor, 23.02.2011 07:10 Uhr
Bei der LBBW hängt der Haussegen schief. Foto: Zweygarth
Bei der LBBW hängt der Haussegen schief. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Einiges deutet darauf hin, dass die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auch das Jahr 2010 mit einem Verlust abgeschlossen hat, wenn auch bei weitem nicht so hoch wie in den Vorjahren. Die Situation an den Kapitalmärkten ist immer noch angespannt und belastet das Ergebnis des mit öffentlichen Geldern vor dem Ruin bewahrten Instituts weiterhin. Hinzu kommt, dass von dem massiven Stellenabbau (2500 Arbeitsplätze) quer über alle Sparten und Standorte noch nicht einmal die Hälfte (gut 1080 Arbeitsplätze) bewältigt ist - und das Prinzip der absoluten Freiwilligkeit womöglich in den nächsten Monaten an seine Grenzen stößt.

Da verwundert es nicht, dass intern und auch in der Öffentlichkeit jede Besserstellung von Mitarbeitern mit Argusaugen verfolgt wird - und leicht böses Blut schafft. Unter besonderer Beobachtung steht der Bereich Handel (Capital Markets), wo traditionell schon sehr gut verdient wird. Ende Januar hatte die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass mindestens vier Kapitalmarktspezialisten mit Gehaltserhöhungen zum Bleiben bewegt worden seien. Die LBBW bestätigte dies grundsätzlich und sprach von "einigen wenigen Einzelfällen".

Zweistellige Millionenhöhe


Auch weil die Vorgänge publik geworden sind, schlagen intern die Wogen ob der Bevorzugung einzelner Mitarbeiter hoch. Das Ausmaß der Gehaltssteigerungen, so berichten Kenner des Geschäftsbereichs Capital Markets, sei weit größer als bisher bekannt. Zum Jahresende 2010 habe ein Dutzend hochbezahlter Kapitalmarktexperten massive Gehaltssteigerungen und höhere Bonuszahlungen für zwei Jahre zugesagt bekommen - bis hin zur Verdoppelung des Festgehaltes, sagen Insider. In der Bank sei von einer insgesamt zweistelligen Millionensumme die Rede. Spitzenleute erhielten jeweils eine mittlere sechsstellige Summe zusätzlich. Der Geldsegen sei durch einen Beschluss des gesamten Vorstandes genehmigt worden.

Die Bank bleibt indes bei der Darstellung, dass lediglich einige wenige besonders erfolgreiche Leistungsträger vom Wechsel zur Konkurrenz abgehalten worden seien. Ein Sprecher ergänzt: "Tatsächlich zahlt die LBBW in einigen Bereichen inzwischen deutlich geringere Vergütungen als Wettbewerber. Gleichzeitig ist die Bank darauf angewiesen, erfolgreich in den Geschäftsfeldern zu agieren." Die jüngsten Sonderzahlungen sind kein Novum. Bereits Ende 2009 hat der Vorstand entschieden, Kapitalmarktspezialisten außer der Reihe zu belohnen. Dies geht aus einem Brief des Bereichsleiters Capital Markets Trading and Sales, Ralf Winkelmann, an einen Mitarbeiter hervor, der der StZ vorliegt. Darin ist von einer "Retentionszahlung" die Rede, die in zwei gleichen Teilen am 1. April 2010 und am 1. April 2011 erfolgen soll, sofern das Arbeitsverhältnis weiter besteht.

Das Wort "Halteprämien" vermeidet man strikt in den Führungsetagen der Bank. Derartige Zahlungen gebe es im Konzern generell nicht, heißt es. Retentionszahlung bedeutet aber im Grunde dasselbe. In der Belegschaft stößt die üppige Belohnung von Spitzenverdienern auf Unverständnis. "Es kann ja wohl nicht sein, dass normale Mitarbeiter mithilfe von Trennungsgesprächen hinausgedrängt werden sollen und auf der anderen Seite Halteprämien gezahlt werden", sagt ein LBBWler, der ungenannt bleiben möchte. Hinzu kommt: Seit Jahresbeginn ist die höchstmögliche Abfindung, die ein ausscheidener Mitarbeiter theoretisch erhalten kann, bei 275.000 Euro gedeckelt. Zuvor gab es noch eine sogenannte Sprinterprämie von 15.000 Euro. In der Praxis sind die Abfindungen allerdings deutlich niedriger.

"Die Bank nutzt ihre Spielräume aus."


Formal sei an den Prämienzahlungen nichts auszusetzen, heißt es im Umfeld der Arbeitnehmervertreter zähneknirschend: "Die Bank nutzt ihre Spielräume aus." Sie werde wohl so kalkulieren, dass sie das Geld für den höheren Personalaufwand wieder hereinhole, zumal sie bei weitem nicht so hohe Gehälter zahle wie einige Konkurrenten, vor allem private Geldhäuser.

Mit Spannung wartet die Belegschaft nun auf das Jahresergebnis 2010. Denn danach wird sich entscheiden, ob es nach langer Zeit wieder Bonuszahlungen geben könnte. "Aus heutiger Sicht sind Bonuszahlungen nicht vorgesehen", erklärt die LBBW. Nicht nur Handelsspezialisten, deren Gehalt in Führungspositionen an das der Vorstandsmitglieder herankommt, fühlen sich unterbezahlt. Auch Firmenkundenberater, die auf ansehnliche Erfolge in ihrem Bereich verweisen können, dringen auf eine bessere Entlohnung.
Kommentare (24)
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APR
18
Anonym, 22:45 Uhr

Bonuszahlungen

Als Mitarbeiter des S-Verbundes arbeite ich in einem Unternehmen, das definitv keine Erfolgsbeteiligung auszahlt, wenn es keinen Gewinn erwirtschaftet hat. Warum das ausgerechnet bei der LBBW mit ihren wahnsinns Verlusten anders ist leuchtet niemandem ein. Man muss sich die Zahlen mal auf der Zunge zergehen lassen: 2010 summa summarum 1,2 Milliarden Verlust. Das sind für jeden Einwohner BaWü 120 €uro, ob er Kunde dort ist oder nicht, egal wie alt, egal wie jung, egal wie reich. Die Gewinne der Vorjahre wurden unter den Habenden verteilt und die Verluste trägt die Allgemeinheit - und sei es nur über Abschreibungen und Drücken der Steuerschulden. Wann werden eigentlich diese Bankrotteure zur Rechenschaft gezogen. Wenn ich meine Kredite nicht zurückzahle droht mir Zwangspfändung und ggf. Gefängnis. Aber die Vorstände können machen was sie wollen, am Ende parken sie ihre S-KLasse immernoch vor der schmucken Villa. Das ist Einfach nur widerlich aber im Stammland der Christdemokraten systemimmanent. Einfach nur widerlich.

FEB
24
Harald Berner, 09:30 Uhr

@armes Würstchen

Seien Sie versichert ich glaube längst nicht alles nur weil es in der Zeitung steht! Es gibt noch viele andere Meinungsbildungsmedien! Aber stimmen sie nicht auch mit mir überein, dass - sorry nur weils kürzer ist - Banker der Investmentabeilungen deutlich mehr verdienen als diejenigen am Schalter, die den Druck abkriegen dies oder jenes zu verkaufen was oben "verbrochen" wird? Der erste Investmentbanker der Bankrott ging - betrügerischen Bankrott - war IOS Chef Bernie Cornfield, Ihnen bekannt? Auch dieser hat, wie in jüngster Vergangenheit die Institute und sorry – windige Vertreter Zertifikate an Rentner verkauft die künstlich aufgebläht waren! Geschuldet nur der ewigen Gier nach immer mehr! Gehört der Verbraucher natürlich auch dazu! Ich selbst bin immer sehr skeptisch, wenn man Versprechungen bekommt die mehr als 1% über dem Markt liegt! Ist dann eigentlich noch ein Gehalt, das über der 50.000 Brutto Grenze liegt gerechtfertigt, auch bei Feiertagsarbeit oder unbezahlten Überstunden! Feiertagsarbeiter gibt es übrigens viele, angefangen vom Arzt im Krankenhaus, Krankenschwestern, Feuerwehr, Rettungsdienste, bis zu Druckern bei den Zeitungen! Also sind sie nicht alleine! Grüße an alle ausgebeuteten! Reinhard Mey: "Sei wachsam......." http://www.youtube.com/watch?v=BU9w9ZtiO

FEB
23
astor173, 22:13 Uhr

Geld verdient für die Bank...

wenn ich das schon höre: Geld für die Bank verdient! So als ob man im Alleingang mit Bankgeschäften Geld verdienen kann. Und wer trägt das Risiko bei der Finanzmarkttransaktion bei der das Geld für die Bank verdient werden soll? Der Mitarbeiter etwa? Nein, es ist die Bank und im äußersten Falle der Steuerzahler, der übrigens kein Bonus erhalten wird. Das Problem ist, dass es zuviele Berufssöldner gibt, die in guten Jahren mit Geld zugesc...t werden und wenn es mal nicht so läuft, dann gibt es auch keine Bonusrückzahlung. Dann schaut man eben dass man vom Fixgehalt über die Runden kommt. Das gesamte Invstmentbanking ist kaputt und höhlt die Banken und die Gesellschaft aus. Warum sich aber eine Landesbank - eine Anstalt öffentlichen Rechts auf solche Spielereien einlassen muss, das konnte mir bisher keiner antworten. Es scheint so, dass in dieser Bank diejenigen für die Verluste aufkommen müssen, die es eigentlich am wenigsten verbockt haben. Die Führungskräfte sitzen immer noch im Stuhl. es wird vollmundig beteuert, dass man mit einer stabilen Führungsmannschaft aus der Krise herausfinden möchte. Der normale Mitarbeiter passt nicht mehr in dieses Konzept.

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