Karlsruhe - Mehr als 70.000 Fans versammelt der VfB Stuttgart schon bei seinem Auftritt auf der Internetplattform Facebook. Damit sind die Schwaben einsame Spitze unter den Profifußball-Vereinen in Baden-Württemberg und stehen auch im bundesweiten Vergleich ziemlich gut da.
Selbst Deutschlands Branchen-Primus FC Bayern München bringt es mit seiner Präsenz in dem sozialen Netzwerk bisher "nur" auf rund 130.500 "Freunde" - allerdings ist der Rekordmeister mit seinem Profil auch erst am Mittwoch vergangener Woche online gegangen. Während Zweitliga-Traditionsverein Karlsruher SC mehr als 8500 Facebook-Freunde vermelden kann, betreiben der SC Freiburg und 1899 Hoffenheim noch gar keine Facebook-Seiten. Hoffenheim hat sich für künftige Aktivitäten aber ein Profil reserviert.
Seit Facebook auch Organisationen und Unternehmen die Möglichkeit zur Gestaltung eigener Profile einräumt, werden die Clubs beim Thema "social media" immer aktiver. Frei nach dem Motto eines von tausenden Ansteckern, den man sich an seine Facebook-Seite heften kann. "Ich bin in Facebook, weil da meine Freunde wohnen", heißt es dort - "weil sich da meine Fans tummeln", denken wohl die Vereine.
Unverblühmte Kritik der Fans
Die Anhänger nutzen Facebook aber auch, um ihre Meinung kundzutun. Beim VfB äußerte sich ein Fan unverblümt zur Ausleihe des Schweizers Philipp Degen. Der VfB habe doch Talente im eigenen Drittligateam, meinte der User, "und jetzt kommt da so ein Degen, der kaum Spiele macht für Liverpool" und dem zahle man wieder Millionen. Ob der Hinweis bei VfB-Sportdirektor Fredi Bobic angekommen ist, ist offen. Zwischenzeitlich hatte der 38-Jährige im Rahmen eines PR-Vertrags mit einem Wettanbieter in Twitter das andere große Netzwerk genutzt. Letztmals hat er aber am 19. Juli gezwitschert.
Auch wenn Bobic den Facebook-Eintrag nicht gelesen hat - die neuen Medien fördern eine direkte Kritikkultur. Denn wo sonst können auch die Funktionäre Volkes Stimme ungefilterter wahrnehmen als in den sozialen Netzwerken? Hier sind alle Nutzer gleich, abgeschottete VIP- Bereiche gibt es nicht. "Mann, so ein Fehler den zu kaufen. Der ist so schlecht", kritisierte ein weiterer VfB-Fan bei Facebook den Degen-Deal nur wenige Minuten nach der Verkündung.
Beim KSC wird im Internet besonders deutlich, wie umstritten Präsident Paul Metzger nach wie vor ist. "Ich glaube es wäre für den Mann mal besser ein paar Wochen gar nichts zu machen", merkte eine Facebook-Userin an: "Der KSC hat eine Außendarstellung, die in Deutschland zur Zeit einmalig ist. Welcher Sponsor steigt bei einem Club ein, wo sich die Führung wöchentlich dermaßen als Laiendarsteller präsentiert?"
Fast alle Spieler entstammen der Internetgeneration
Wie in einem traditionellen Fanclub finden auch in der virtuellen Welt Gleichgesinnte zusammen. Man jubelt und leidet gemeinsam und hat außerdem den direkten Draht zu Verein und Idol. Neben der Möglichkeit zur Kritik bindet das die Fans aber auch enger an den Club und bietet die Chance, neue Fans zu gewinnen - was wiederum potenzielle Kunden und damit Einnahmen schafft.
Der besondere Charme: Die Chance, gelesen zu werden, ist wohl besser als bei den Wäschekörben voll Fanpost, die früher ein Mitarbeiter oder auch mal die Mutter eines Profis beantwortete. Denn fast alle Spieler entstammen der Internetgeneration und sind regelmäßig im Netz. So erwies sich bei der WM im Sommer die Plauder- Plattform Twitter als Draht der Stars zu ihren Fans in aller Welt.
Zwei Dinge machen den Reiz des ehemaligen Forums von Studenten der Harvard-Universität aus: Zum einen kann man sich unter mittlerweile etwa 500 Millionen Nutzern als Anhänger seines Vereins zu erkennen geben. Das schlägt die Wirkung jedes Autoaufklebers oder Schlüsselanhängers um Welten. Zum anderen ermöglicht Facebook seinen Nutzern auch eine direkte Reaktion auf Nachrichten des Vereins - unmittelbar, ungefiltert und manchmal einfach gnadenlos ehrlich.
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