Soziometer analysiert Gespräche
Dampfplauderer werden entlarvt
Eike Carsten Rahne,
10.03.2010 07:54 Uhr
Die passenden Gesten sind für eine gute Kommunikation sehr wichtig. Foto: dpa
Stuttgart - Wer seine Kommunikationsfähigkeiten verbessern möchte, könnte schon bald unkonventionelle Hilfe erhalten: durch spezielle Software, die Details wie Sprechgeschwindigkeit oder -melodie aufzeichnet. Und die anschließend schonungslos offenlegt, ob man andere unterbricht, zu Monologen neigt oder anderen nicht richtig zuhört.
Erfinder dieser Technologie ist Alex Pentland vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er hat kleine Geräte von der Größe eines MP3-Players entwickelt und in unterschiedlichen Studien eingesetzt. Jedes dieser sogenannten Soziometer enthält einen Beschleunigungssensor, um die Bewegungen seines Trägers zu messen sowie ein Mikrofon, das Sprechmuster wie Satzmelodie und Tonfall aufzeichnet. Ein eingebautes Bluetooth-Funkteil erkennt die Probanden, die sich in der Nähe befinden, ein Infrarotsenor misst den Abstand zwischen zwei Gesprächspartnern.
Mit seinen Untersuchungen konnte Pentland nachweisen, dass menschliche Kommunikation in erheblichem Umfang auf einer archaischen, nonverbalen Ebene stattfindet. Dies habe noch vor der Entwicklung der Sprache Kommunikation innerhalb einer Gruppe ermöglicht, sagt er und fügt hinzu, dass auch heute wichtiger sei, wie etwas gesagt wird, als was gesagt wird.
Bei einer Untersuchung unter den Angestellten eines Callcenters fand Pentland zum Beispiel heraus, dass diejenigen Mitarbeiter die meisten Verkaufsabschlüsse vorweisen konnten, die zwar wenig, dafür aber im wechselnden Tonfall sprachen und viel zuhörten. Er musste nicht lange zuhören, um vorhersagen zu können, wie das Kundengespräch ausgehen wird. Denn schon in den ersten Sekunden des Telefonats zeigt sich, ob ein Mitarbeiter die Regeln des erfolgreichen Verkaufens beherzigt.
Noch besser als Telefonate ist Pentland zufolge der persönliche Kontakt. In einer Studie unter Mitarbeitern einer großen deutschen Bank konnte er nachweisen, dass Teamarbeit, die über "Facetoface"- Kontakt läuft, bis zu 30 Prozent produktiver ist als Einzelkämpferdasein im Home-Office. Mitarbeiter kämen deutlich schneller zu neuen Lösungen, wenn sie einander anschauen, sagt Pentland. Grund dafür sei vor allem, dass E-Mail, Instant Messaging und Videokonferenzen nicht all die verborgenen Inhalte liefern könnten, die im direkten Gespräch eine große Rolle spielen.
Beim Feldversuch unter den Teilnehmern einer Konferenz gelang es Pentland, in Echtzeit das aktuelle Beziehungsnetzwerk unter den Teilnehmern darzustellen. "Die Offenlegung solcher versteckter Informationen kann die Dynamik einer Veranstaltung verändern", ist sich der US-Amerikaner sicher. "Sie identifiziert rasch denjenigen, der den Verlauf einer Diskussion bestimmt und beim dem alle Drähte zusammenlaufen." Das genüge den Konferenzteilnehmern oft, um gegenzusteuern.
Noch hat Pentlands Technik keine breite Anwendung im Geschäftsleben gefunden. Alex Kass, Forscher bei Accenture, hält es aber für sehr wahrscheinlich, "dass eines Tages jeder ein solches Soziometer in Form eines Handys mit sich herumträgt". Das Angebot dieses Unternehmens für Management- und Technologieberatung will er um unkonventionelle technische Lösungen erweitern, darunter auch eine Art Handykontrolle. Diese zählt beispielsweise, wie oft man seinen Gesprächspartner unterbricht, und legt damit Unhöflichkeiten offen.
Wenn man die Sensoren in Mobiltelefone einbauen würde, wären weitere Anwendungen denkbar. So wäre es möglich, nicht nur den ungefähren Ort eines Handybesitzers zu ermitteln, sondern auch seine Nähe zu anderen Menschen. Die Analyse dieser Daten könnte dabei helfen, die Ausbreitung von Epidemien zu untersuchen und vorherzusagen. Die Firma Sense Networks mit Sitz in New York, die Pentland mitgegründet hat, kann bereits in Echtzeit auf ihren Monitoren darstellen, wie sich Zehntausende Menschen als farbige Leuchtpünktchen in der Stadt bewegen.
Pentlands Soziometer zeichnen zwar keine Wörter auf, aber sie registrieren viele Details aus der Privatsphäre der Nutzer. Nach Ansicht des Erfinders müssten die Daten daher als Teil des Privateigentums einer Person angesehen werden. Mit amerikanischem Pragmatismus sieht er darin ein Gut, das man als Privatperson verkaufen kann. Keinesfalls sollten große Internetanbieter wie Google kostenlos auf solche Erkenntnisse zugreifen können.
Erfinder dieser Technologie ist Alex Pentland vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er hat kleine Geräte von der Größe eines MP3-Players entwickelt und in unterschiedlichen Studien eingesetzt. Jedes dieser sogenannten Soziometer enthält einen Beschleunigungssensor, um die Bewegungen seines Trägers zu messen sowie ein Mikrofon, das Sprechmuster wie Satzmelodie und Tonfall aufzeichnet. Ein eingebautes Bluetooth-Funkteil erkennt die Probanden, die sich in der Nähe befinden, ein Infrarotsenor misst den Abstand zwischen zwei Gesprächspartnern.
Mit seinen Untersuchungen konnte Pentland nachweisen, dass menschliche Kommunikation in erheblichem Umfang auf einer archaischen, nonverbalen Ebene stattfindet. Dies habe noch vor der Entwicklung der Sprache Kommunikation innerhalb einer Gruppe ermöglicht, sagt er und fügt hinzu, dass auch heute wichtiger sei, wie etwas gesagt wird, als was gesagt wird.
E-Mails verhindern nonverbale Kommunikation
Bei einer Untersuchung unter den Angestellten eines Callcenters fand Pentland zum Beispiel heraus, dass diejenigen Mitarbeiter die meisten Verkaufsabschlüsse vorweisen konnten, die zwar wenig, dafür aber im wechselnden Tonfall sprachen und viel zuhörten. Er musste nicht lange zuhören, um vorhersagen zu können, wie das Kundengespräch ausgehen wird. Denn schon in den ersten Sekunden des Telefonats zeigt sich, ob ein Mitarbeiter die Regeln des erfolgreichen Verkaufens beherzigt.
Noch besser als Telefonate ist Pentland zufolge der persönliche Kontakt. In einer Studie unter Mitarbeitern einer großen deutschen Bank konnte er nachweisen, dass Teamarbeit, die über "Facetoface"- Kontakt läuft, bis zu 30 Prozent produktiver ist als Einzelkämpferdasein im Home-Office. Mitarbeiter kämen deutlich schneller zu neuen Lösungen, wenn sie einander anschauen, sagt Pentland. Grund dafür sei vor allem, dass E-Mail, Instant Messaging und Videokonferenzen nicht all die verborgenen Inhalte liefern könnten, die im direkten Gespräch eine große Rolle spielen.
Beim Feldversuch unter den Teilnehmern einer Konferenz gelang es Pentland, in Echtzeit das aktuelle Beziehungsnetzwerk unter den Teilnehmern darzustellen. "Die Offenlegung solcher versteckter Informationen kann die Dynamik einer Veranstaltung verändern", ist sich der US-Amerikaner sicher. "Sie identifiziert rasch denjenigen, der den Verlauf einer Diskussion bestimmt und beim dem alle Drähte zusammenlaufen." Das genüge den Konferenzteilnehmern oft, um gegenzusteuern.
Soziometer verraten persönliche Daten
Noch hat Pentlands Technik keine breite Anwendung im Geschäftsleben gefunden. Alex Kass, Forscher bei Accenture, hält es aber für sehr wahrscheinlich, "dass eines Tages jeder ein solches Soziometer in Form eines Handys mit sich herumträgt". Das Angebot dieses Unternehmens für Management- und Technologieberatung will er um unkonventionelle technische Lösungen erweitern, darunter auch eine Art Handykontrolle. Diese zählt beispielsweise, wie oft man seinen Gesprächspartner unterbricht, und legt damit Unhöflichkeiten offen.
Wenn man die Sensoren in Mobiltelefone einbauen würde, wären weitere Anwendungen denkbar. So wäre es möglich, nicht nur den ungefähren Ort eines Handybesitzers zu ermitteln, sondern auch seine Nähe zu anderen Menschen. Die Analyse dieser Daten könnte dabei helfen, die Ausbreitung von Epidemien zu untersuchen und vorherzusagen. Die Firma Sense Networks mit Sitz in New York, die Pentland mitgegründet hat, kann bereits in Echtzeit auf ihren Monitoren darstellen, wie sich Zehntausende Menschen als farbige Leuchtpünktchen in der Stadt bewegen.
Pentlands Soziometer zeichnen zwar keine Wörter auf, aber sie registrieren viele Details aus der Privatsphäre der Nutzer. Nach Ansicht des Erfinders müssten die Daten daher als Teil des Privateigentums einer Person angesehen werden. Mit amerikanischem Pragmatismus sieht er darin ein Gut, das man als Privatperson verkaufen kann. Keinesfalls sollten große Internetanbieter wie Google kostenlos auf solche Erkenntnisse zugreifen können.
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Hat der Mann etwas von Scientology gelernt?
Dort verwendet man auch eine Art "Meter-Gerät" zum Messen, was im Gehirn- oder Gemütsbereich vor sich geht. Dort heißt das "Ergometer" und mißt den elektrischen Widerstand, der durch Druck auf "Dosen", die man in der Hand hält gemessen und an einem Ablesegerät beobachtet wird. Interessant, was so alles "Eingang in wirtschaftliche Nutzung" findet. TsTsTs.