SpaceUp in Stuttgart Von Sonnenstürmen und Plasmapartikeln

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Raumfahrt-Fans haben sich am Samstag auf der SpaceUp im Raumfahrtzentrum der Universität Stuttgart versammelt. Die Teilnehmer nennen die Veranstaltung eine Unkonferenz.

Rüdiger Jehn macht Werbung für eine Raumsonde – mit einem Gummiball in der Hand als Modell für den Merkur Foto: StZ
Rüdiger Jehn macht Werbung für eine Raumsonde – mit einem Gummiball in der Hand als Modell für den Merkur Foto: StZ

Stuttgart - Dafür, dass es eine Unkonferenz sein soll, geht es gesittet los. Die 60 jungen Teilnehmer sitzen pünktlich auf ihren Plätzen und warten auf die Begrüßung. Nach fünf Minuten wird durchgesagt, dass Pizza bestellt werde. Nach zehn Minuten witzelt eine Studentin, dass sei ja ein Unanfang. Der erste Schnee hat für Verspätungen gesorgt; man will noch auf einige Gäste warten. Doch nach einer kurzen Begrüßung durch Hans-Peter Röser, den Leiter des Instituts für Raumfahrtsysteme, gibt es erst einmal Kaffee.

„Wir stellen nur die Räumlichkeiten“, erklärt der Organisator Andreas Hornig seinen Gästen, „das Programm seid ihr.“ Hornig studiert an der Universität Stuttgart und hofft, dass vielleicht einige der Besucher ebenfalls daran denken. Auf der SpaceUp genannten Tagung im Raumfahrtzentrum der Universität Stuttgart wird Englisch gesprochen, auch Spanisch ist zu hören. In einem Veranstaltungsraum fragt der Referent seine Zuhörer, zu welchem Thema er reden solle. „That’s the spirit“, liest man kurz darauf bei Twitter. Spontan und an den Interessen des Publikums orientiert - so soll die Tagung sein.

An einer Wand im Foyer kleben Karteikarten: Jeder, der einen Vortrag halten will, trägt den Titel ein und klebt die Karte an eine freie Stelle im Tagesprogramm, das in halbstündige Abschnitte eingeteilt ist. Alf Köhn ist zum Beispiel Plasmaphysiker an der Universität Stuttgart und untersucht, wie man mit starken Magneten Plasmapartikel unter Kontrolle bringen kann. Im Weltall gefährden Sonnenstürme mit solchen Partikeln das Leben der Astronauten. Würde es sich lohnen, in der Raumfahrt über magnetische Schutzschilde nachzudenken?, fragt er sein Publikum. Wie viel Energie brauche er für ein Schutzschild?, fragt eine Studentin zurück. Ziemlich viel, lautet seine Antwort.

Größer ist das Interesse an den klassischen Vorträgen. Rüdiger Jehn von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa macht zum Beispiel Werbung für die Raumsonde Bepi-Colombo, die in einigen Jahren zum Merkur fliegen soll, dem sonnennächsten Planeten. In einer Computersimulation zeigt er, wie auf dem Merkur die Sonne aufgeht und die Temperatur binnen weniger Tage von minus 170 auf 400 Grad steigt. Der Merkur dreht sich gerade so schnell, dass die Sonne nur ganz langsam über den Himmel zieht. Manchmal bleibt sie sogar stehen und wandert eine Weile hin und her. Wenn man dann an der richtigen Stelle auf der Merkuroberfläche stehe, könne man binnen kurzer Zeit viele Sonnenauf- und untergänge sehen, scherzt Jehn. „Der Merkur ist ein Planet für Romantiker.“