Speisung und Begegnung Vesperkirchen brauchen Spenden und Hilfe

Von Marta Popowska 

In Esslingen, Nürtingen und Kirchheim bereiten sich die Vesperkirchen-Teams auf eine neue Runde vor. Speisung und Begegnung stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander. Helfende Hände werden überall noch gesucht.

Volle Töpfe, voller Einsatz: Die Vesperkirchen im Landkreis, wie hier in Nürtingen,  leben von dem Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer. Foto: Horst Rudel
Volle Töpfe, voller Einsatz: Die Vesperkirchen im Landkreis, wie hier in Nürtingen, leben von dem Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer.Foto: Horst Rudel

Esslingen/Nürtingen/Kirchheim - Die Armut abschaffen, das können Vesperkirchen natürlich nicht. Doch sie machen seit Jahren auf sie aufmerksam. Die vollen Kirchen zeugen Winter um Winter davon. In wenigen Wochen schon verwandeln Ehrenamtliche drei Gotteshäuser in Esslingen, Kirchheim und Nürtingen erneut zu Ess- und Wohnzimmern. Die Vorbereitungen laufen bereits, an Bedürftigen wird es nicht mangeln, wohl aber am Geld – und auch Helfer werden noch gesucht.

Nicht nur organisatorisch, auch finanziell sei es ein Kraftakt, sagt Bärbel Greiler-Unrath. Die Diakonin verantwortet die Vesperkirche in der Nürtinger Lutherkirche zum zweiten Mal. Die Lutherkirche wird bereits am Sonntag, 17. Januar, zur guten Stube umfunktioniert und bleibt dies drei Wochen lang bis zum 7. Februar. Im Gegensatz zu Esslingen und Kirchheim, wo das Essen 1,50 Euro kostet, hält man in Nürtingen an dem symbolischen Euro fest. Eigentlich würden sich die Kosten laut der Diakonin auf bis zu 6,50 Euro pro Mahl belaufen. „Die Erfahrung zeigt, dass es nichts rausreißt, wenn man um 50 Cent erhöhen würde“, sagt sie. Man lebe ohnehin aus Rücklagen. Nur seien die irgendwann aufgebraucht. Auch wenn viele Leute mehr zahlen würden und auch mal ein Fünfziger in der Kasse landet: Geldspenden werden sehr gebraucht.

Vesperkirchen sind Begegnungsprojekte

Auch in Esslingen, wo die Frauenkirche vom 21. Februar bis zum 13. März, Tür und Tor öffnet, kommt man ohne Spenden nicht aus. „Wir nehmen im Schnitt drei Euro ein, wobei ein Essen um die fünf Euro kostet“, erklärt der Projektleiter Bernd Schwemm. Doch auch, wenn man die Spenden miteinrechnet, kämen die benötigten 90 000 Euro nie zusammen. Interessant findet er, dass auch Leute, die wenig Geld hätten, oft mehr zahlen würden. „Die sparen dann woanders“, sagt Schwemm. Ohnehin seien die Vesperkirchen im Landkreis Begegnungsprojekte. „Nach Stuttgart kommen mehr Leute die Platte machen, als beispielsweise nach Esslingen“, erklärt Schwemm. Viele hier freuen sich auf das jährliche Ereignis, es sei ein Highlight.

Wer gerne mitanpacken möchte, darf sich in allen drei Gemeinden noch bewerben. In Esslingen werden laut Bernd Schwemm meist um die 500 Helfer gebraucht, damit niemand die drei Wochen durcharbeiten muss.

In Kirchheim, wo die Thomaskirche ihre Tore am 24. Januar für zwei Wochen öffnet, sollten es mehr als 200 werden. In Nürtingen ist der Rücklauf laut Diakonin Greiler-Unrath sehr erfreulich: „Wir sind bereits gut bestückt. Lediglich an den Sonntagen fehlen noch Helfer.“

Schwäbische Küche schmeckt Flüchtlingen nicht

Immer wieder thematisiert werden Flüchtlinge und die Frage, ob und wie viele wohl an den Speisungen teilnehmen. Doch die Erfahrungen der vergangen Jahre haben gezeigt, dass nicht viele zu den Vesperkirchen kommen. Die Diakonin Greiler-Unrath hatte bereits im vergangenen Jahr bemerkt, dass die überwiegend deftige schwäbische Küche nicht jedermanns Geschmack trifft. „Wir hatten überlegt, ob wir etwas ändern sollen, aber die Flüchtlinge in Nürtingen werden ja von der Klinikkantine gut versorgt“, sagt sie. Speiseplanänderungen würden zum einen den Kostenrahmen sprengen. Zum anderen habe man „feste Kunden“, denen man auch signalisieren möchte, dass es für die Bedürftigen genauso weitergehe wie bisher. Die Kapazitätsgrenze werde mit durchschnittlich 280 Essen am Tag – an Spitzentagen seien es schon mal 350 – ohnehin erreicht.

Bernd Schwemm hat in Esslingen noch eine weitere Erfahrung gemacht: „Viele Flüchtlinge empfinden sich nicht als Bedürftige. Sie kochen lieber selbst oder helfen. Sie verstehen sich eher als Gebende.“

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