Spekulanten setzen auf Euro-Schwäche Anti-Euro-Wette auf Einladung der EZB

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Investoren setzen auf einen Kursverfall des Euro. Sie spekulieren darauf, dass die Europäische Zentralbank erneut die Notenpresse anwirft. Genährt werden diese Erwartungen durch Äußerungen von Notenbankchef Draghi – und die niedrige Inflation.

Devisenspekulanten  setzen auf die Währungspolitik von EU und USA: Wenn die US-Notenbank mit ihrer Chefin Janet  Yellen an der Spitze ihre Käufe von US-Staatsanleihen zur Stützung der Wirtschaft einstellt, EZB-Chef Mario Draghi aber ein groß angelegtes Programm zum Anleihekauf auflegt, würde das den Dollar stärken und den Euro schwächen. Foto: AP
Devisenspekulanten setzen auf die Währungspolitik von EU und USA: Wenn die US-Notenbank mit ihrer Chefin Janet Yellen an der Spitze ihre Käufe von US-Staatsanleihen zur Stützung der Wirtschaft einstellt, EZB-Chef Mario Draghi aber ein groß angelegtes Programm zum Anleihekauf auflegt, würde das den Dollar stärken und den Euro schwächen.Foto: AP

Frankfurt - Hedgefonds und andere Großinvestoren haben sich erneut auf den Euro eingeschossen: Die Wetten auf einen Kursverfall nähern sich den Ausmaßen vom Sommer 2012 an. Das geht aus einer Statistik der US-Aufsichtsbehörde CFTC hervor. Sie gibt Auskunft über an der Terminbörse CME geschlossene Finanzkontrakte, mit denen Investoren auf die Entwicklung von Wechselkursen spekulieren können. Die Zahl der Wetten auf einen Kursverfall überstieg demnach in der vergangenen Woche die Wetten auf einen Euro-Anstieg um 150 000. Das ist die größte Differenz seit Juli 2012. Damals befürchtete die Finanzwelt einen Zerfall der Eurozone. Das ist heute nicht mehr so, wie ein Blick auf die Anleihemärkte zeigt. Staatsanleihen von Schuldensündern wie Portugal sind bei Investoren wieder sehr gefragt. Obwohl das Land gerade erst unter dem Euro-Rettungsschirm hervorgekrochen ist und die heimische Großbank Espirito Santo mit einer Milliardenspritze retten musste, scheint die Angst vor einer Staatspleite verflogen.

Noch steht auch der Euro deutlich besser da als vor zwei Jahren: Im Juli 2012 notierte die Gemeinschaftswährung nur knapp über 1,20 Dollar, heute bei rund 1,31 Dollar. Dass viele Finanzinvestoren nun auf eine Euro-Abwertung setzen, liegt ausgerechnet an der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren Chef Mario Draghi hat wiederholt gesagt, die EZB könnte zur Abwehr einer Deflation die Notenpresse anwerfen. Eine solche Geldvermehrung würde den Wert des Euro mindern.

Verbraucherpreise kaum höher als im Vorjahr

Befeuert wurden die Spekulationen über eine Öffnung der Geldschleusen am Freitag durch den neuerlichen Rückgang der Inflationsrate in der Währungsunion. Laut dem europäischen Statistikamt Eurostat lagen die Verbraucherpreise im August nur 0,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. In einzelnen Euro-Staaten sinken die Lebenshaltungskosten bereits. Die EZB befürchtet, Unternehmen und Verbraucher könnten in Erwartung eines Preisverfalls größere Anschaffungen zurückstellen und damit eine Abwärtsspirale auslösen, also eine Deflation.

Noch rechnen die meisten Marktteilnehmer mit steigenden Preisen. Doch die Inflationserwartungen seien bereits zurückgegangen, warnte Draghi vorletzte Woche bei einem Notenbank-Symposium in den USA. Die EZB werde „diese Entwicklung berücksichtigen und im Rahmen ihres Mandats alle Instrumente nutzen, die erforderlich sind, um die Preisstabilität zu wahren“.

Bis zu eine Billion Euro für Staatsanleihenkäufe?

Die Commerzbank hält es deswegen für wahrscheinlich, dass die EZB zu ihrem schwersten Geschütz greifen und in bislang ungekanntem Ausmaß Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen wird. Die Notenbank könnte dafür bis zu eine Billion Euro ausgeben, schätzt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Dieses Geld stünde den Verkäufern – in erster Linie Banken und anderen Großinvestoren – dann für neue Ausgaben zur Verfügung. Kritiker warnen allerdings vor der Entstehung von Blasen, beispielsweise auf den Aktienmärkten. Zudem würden Anleihekäufe die ohnehin schon niedrigen Zinsen weiter drücken – zu Lasten der Sparer.

Befürworter groß angelegter Anleihekäufe verweisen auf die USA. Anders als die Eurozone ist die weltgrößte Volkswirtschaft seit 2010 wieder auf Wachstumskurs, unterstützt durch die großzügige Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Seit 2008 hat die Fed durch den Kauf von US-Staatsanleihen und anderen Wertpapieren rund dreieinhalb Billionen Dollar in die Märkte gepumpt.

Wird der Dollar stärker werden?

Anfang dieses Jahres begann sie allerdings, ihre monatlichen Ausgaben für das auch in den USA umstrittene Programm zu reduzieren. Wenn die Fed ihre Käufe wie erwartet im Oktober ganz einstellt, die EZB aber ein ähnliches Programm auflegt, würde das den Dollar stärken und den Euro schwächen. Genau auf diese Entwicklung setzen die Devisenspekulanten. Der EZB wäre ein weiterer Rückgang des Euro-Kurses, der seit Mai immerhin schon um acht US-Cent nachgegeben hat, willkommen. Denn ein schwächerer Euro verteuert den Import von Waren aus anderen Währungsräumen, was die Inflation antreiben und damit der Deflationsgefahr entgegen wirken würde. Obendrein würde eine Abwertung zumindest kurzfristig die Absatzchancen für europäische Exporteure verbessern, so die Ansicht der EZB.

Allerdings gibt es auch innerhalb der Notenbank kritische Stimmen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann und seine frühere Stellvertreterin Sabine Lautenschläger, die mittlerweile dem EZB-Direktorium angehört, stehen Anleihekäufen skeptisch gegenüber. Obendrein hat die Notenbank erst im Juni Geldspritzen für Banken beschlossen. Eine Entscheidung über Anleihekäufe werde deshalb wohl erst 2015 fallen, glaubt Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer.

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