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Spiel verloren, aber Herzen und Fans gewonnen
"Nord-Rundschau", 20.02.2012 02:38 Uhr
Roller Derby 98:115-Niederlage der Stuttgart Valley Rollergirlz gegen die Stockholm Roller Derby Girls in der Scharrena. Von Tom Bloch

Swede Hurts heißt die Spielführerin der Stockholm Roller Derby Girls, und ihr Name ist Programm. An der groß gewachsenen Schwedin vorbei zu kommen, bedeutet Schmerzen pur. Auf ihr Kommando wird gehört. Ihre jahrelange Erfahrung bei den Gotham Girls in New York City macht sich nun bezahlt. "Das ist schließlich die beste Mannschaft der Welt", sagte Stuttgarts Polly Purgatory anerkennend. Noch bis kurz vor Schluss lagen beide Teams in der "Bitter Swede Symphony" benannten Veranstaltung gleich auf. Doch in den letzten beiden Jams, den maximal zwei Minuten langen Spielabschnitten, gelang es weder Blitzkrieg Baby noch Vegas, an den schwedischen Blockerinnen vorbei zu kommen, während Mad Maloony und Hell N Des Troy fast ungehindert den Endstand von 98:115 besorgten.

Bitter für die Stuttgart Valley Rollergirlz. "What time is it? It"s Beer-o-clock!" schrie Swede Hurts und machte damit klar, wie es nach dem harten Kampf auf der Bahn weiter geht: mit Biertrinken auf der After-Bout-Party. Auf Seiten der Stuttgarterinnen war die Gemütslage dagegen zwiespältiger. "Bis drei Minuten vor Schluss war noch alles offen", sagte Blitzkrieg Baby angesichts des spannenden und anstrengenden Schlagabtauschs niedergeschlagen und enttäuscht. "Wir haben es am Schluss verkackt", meinte Polly Purgatory und Teaze the Tiger brachte es auf den Punkt: "Ein unfassbarer Abend. Trotz der Niederlage gegen die schwedischen Walküren war es doch ein unglaublicher Erfolg für uns. In einer fast ausverkauften Scharrena, mit dem besten Publikum der Welt."

Kurzfristig und unbürokratisch hatte das Amt für öffentliche Ordnung angesichts des Besucherstroms noch vor Ort die Kapazität der Scharrena auf 1300 Zuschauer freigegeben. Und tatsächlich waren kaum rote Klappsitze zu sehen, denn fast alle Plätze waren besetzt. La-Ola-Wellen wogten durch das Arena-Rund und zünftige Rockmusik tönte aus der für ein Veranstaltungshallen-Schmuckstück wie die Scharrena leider völlig fehldimensionierten Lautsprecheranlage. Dennoch, die Stimmung war bestens und die Premiere der rasenden Rempelröcke auf acht Rollen in der großen Sporthalle ein voller Erfolg.

Einige Vertreter des Betreibers, des städtischen Amts für Sport und Bewegung, waren vor Ort und konnten sich davon überzeugen, dass ihr Mut belohnt wurde, diese wilde und schrille Sportart in ihre heilige Halle zu lassen, schließlich wurde die Scharrena erst im vergangenen April eingeweiht und ist damit das neueste Pferd im Stall. Im vergangenen November wurde nach einem Test-Bout unter Wettkampfbedingungen der Hallenboden auf etwaige Schäden kontrolliert. Das Ergebnis: Negativ.

"Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass wir dann das Okay für die Scharrena bekommen haben", sagte Karsten Ewald, der Geschäftsführer des MTV Stuttgart, zu dem die Stuttgart Valley Rollergirlz gehören. "Uns fehlt jetzt noch eine Halle für regelmäßige Trainingseinheiten. Das dürfte doch kein Problem sein, denn es ist bewiesen, dass die Rollschuhe dem Boden nicht schaden." Ewald hat mit den Rollergirls Großes vor. Für die aufstrebende Sportart soll in Stuttgart ein Leistungszentrum entstehen. "Wir haben doch alles im Verein. Leichtathletik-Trainer, Fitness-Center, uns fehlt nur die Trainingshalle um gezielt junge Mädchen für Roller Derby auszubilden." Der Grundstein hierfür ist schon längst gelegt.

Stuttgart Valley Rollergirlz: Noxious Angel, Teaze the Tiger, Blitzkrieg Baby, Chibi Abuser, Ellie Minate, Headhunter, Kitty Carrera, Polly Purgatory, Public Enemy, Silicon Sally, Snowblood, Titty-Twista, Vegas, Line-Up Manager: Julie Jekyll, Hell G. Slider.

Kommentare (1)
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FEB
20
Ben J., 10:56 Uhr

toller Artikel, toller Abend

Ich war am Samstag zum ersten Mal bei den Rollergirlz und muss sagen, dass ich sowohl von der Stimmung als auch von der Professionalität der Veranstaltung überrascht war. Im Grunde hat es wenig gestört, dass sie verloren haben, wir waren einfach nur begeistert und werden auch zukünftig bei den "Bouts" dabei sein.

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