Spieleentwickler und Netzwerke Morgens säen, abends ernten
Judith Weber, 27.06.2010 15:50 Uhr
Täglich betätigen sich bei Farmville 65 Millionen Menschen als virtuelle Bauern. Foto: dpa
Täglich betätigen sich bei Farmville 65 Millionen Menschen als virtuelle Bauern. Foto: dpa


Die Internetplattform Facebook, über die sich Menschen aus aller Welt Nachrichten schicken, Fotos austauschen oder Tipps für interessante Internetseiten verweisen, ist bei den Spielebetreibern besonders beliebt. Schließlich können dort auf einen Schlag Millionen von Umsonstspielern und damit auch ein gewisser Anteil von Bezahlspielern zum Mitmachen animiert werden. Laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen statteten allein im vergangenen Monat 14,2 Millionen Menschen der Internetseite von Facebook einen Besuch ab und blieben dabei durchschnittlich drei Stunden dort. Damit steht das Internetnetzwerk auf der Liste der beliebtesten Internetseiten zwar nur auf Platz zehn hinter Google, Ebay, Youtube oder Amazon. Doch die Besucherzahlen von Facebook schellen nach oben. Wettbewerber wie die deutschen VZ-Netzwerke (StudiVZ, MeinVZ) oder der Pionier der Internetnetzwerke, das amerikanische Unternehmen MySpace, hinken hinterher.

Auch in das Geschäft mit den Onlinespielen steigt die Konkurrenz nur langsam ein. In den VZ-Netzwerken gibt es gerade mal eine Handvoll Spiele-Applikationen (auch Apps genannt) während es bei Facebook mehrere Hunderttausend davon gibt. Professor Skibicki erklärt, woran das liegt: "2007 hat Facebook jedem Entwickler auf dieser Welt erlaubt, den Mitgliedern des Netzwerkes eine Applikation anzubieten. Mehr als eine Million Entwickler machten davon Gebrauch und buhlten mit 500.000 verschiedenen Apps um die Facebook-Nutzer - Farmville war eine davon."

Seit kurzem lässt sich Farmville auch auf der Yahoo-Seite spielen


Mittlerweile greift Facebook 30 Prozent des Umsatzes der Spielefirmen ab, sagt Analyst Ray Valdes vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Neben dem zielgruppengenauen Verkauf von Anzeigen können die Netzwerke so eine weitere Einnahmequelle auftun. Vielen Diensten fehlt es an einem echten Geschäftsmodell, das die Kosten für die Betreuung der Mitglieder deckt. Zahlen veröffentlichen die Unternehmen nicht. Experten schätzen, dass Facebook im vergangenen Jahr mehrere zehn Millionen Dollar verdient hat bei einem Umsatz zwischen 700 und 800 Millionen Dollar.

Je mehr Besucher auf den Seiten der Netzwerke unterwegs sind, desto höher sind die Investitionen in Sicherheitsanforderungen, Speicherkapazität oder Server. Wer zu wenig Anzeigen einholt, muss eben nach neuen Einnahmequellen suchen - etwa seine Mitglieder dazu bringen, virtuelle Güter zu kaufen.

Dass auch Platzhirsch Facebook bei seinen Forderungen nach Umsatzbeteiligung nicht zu weit gehen darf, zeigt der aktuelle Zwist mit Zynga. Der Spieleentwickler will seine Einnahmen nur ungern teilen und schaut sich nach anderen Plattformen um. Seit kurzem lässt sich Farmville auch auf der Yahoo-Seite spielen. Dort wird Zynga wohl weniger Geld abdrücken müssen, vermutet Professor Skibicki, denn "Yahoo versucht damit verzweifelt, Nutzer zu halten." Auch die Besitzer des I-Phones erhalten die Farmville-App nun direkt auf ihr Telefon. Wegen der geringen Stückzahlen ist das aber wohl kein angemessener Ausgleich für Facebook, sagt Skibicki, "der eine kann eben nicht ohne den anderen." Leider, finden viele Facebook-Mitglieder. Der "Schick mir noch einmal eine Farmville-Anfrage und ich fackel' deine Farm ab"- Gruppe haben sich immerhin schon mehr als 140000 Mitglieder angeschlossen.
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