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Spieleentwickler und Netzwerke Morgens säen, abends ernten

Judith Weber, vom 27.06.2010 15:50 Uhr
Täglich betätigen sich bei Farmville 65 Millionen Menschen als virtuelle Bauern. Foto: dpa
Täglich betätigen sich bei Farmville 65 Millionen Menschen als virtuelle Bauern. Foto: dpa
Stuttgart - Millionen von Facebook-Mitgliedern pflanzen täglich Mais an - oder Kartoffeln. Manchmal auch Erdbeeren oder Radieschen. Morgens wird gesät, abends geerntet. Die Kühe müssen gemolken, die Schafe geschoren werden. Und jeder, der bei Facebook angemeldet ist, erfährt, welcher Farmer wieder virtuell ein neues Feld bestellt oder eine gute Ernte eingefahren hat. Farmville ist eine der bekanntesten Spieleanwendung auf Facebook - doch mitnichten die einzige. Die Bandbreite der so genannten Social Games ist riesengroß. Seit der Einführung von Farmville im Juli 2009 boomt der Markt für diese Spiele, deren Ziel es ist, mit möglichst vielen Nutzern vernetzt zu sein und gemeinsam oder gegeneinander zu spielen.

Gut 65 Millionen Mitglieder weltweit sind täglich bei Farmville aktiv, heißt es bei der Entwicklerfirma Zynga. Sie bestellen ihr eigenes Feld oder befreien die Äcker befreundeter Facebook-Farmer von Ungeziefer. Farmville ist der absolute Platzhirsch unter den Social Games, der Betreiber Zynga unangefochtener Marktführer. Konkurrenzsspiele wie Happy Acquarium oder Pet Society, die von den Unternehmen Crowd Star und Electronic Arts entwickelt worden sind, kommen längst nicht auf vergleichbare Nutzerzahlen.

Der Clou für die Betreiber ist bei allen Spielen gleich: Einfache Versionen sind kostenlos; wer auf höherem Level einsteigen will, muss dafür zahlen. Wer also einen virtuellen Mähdrescher kaufen will, muss dafür ganz real seine Kreditkarte zücken. Und wer seiner Freundin ein virtuelles Geschenk machen möchte, drückt dafür ebenfalls ein paar Euro ab. Wenn erst einmal eine gewisse Anzahl von Spielern auf den kostenlosen Zug aufgesprungen ist, wird sich auch ein kleiner Teil finden, der bereit ist, für eine Premium-Version Geld zu zahlen, erklärt Achim Himmelreich, Manager bei der Münchner Unternehmensberatung Mücke, Sturm und Company das Prinzip, das hinter der kostenlosen Version steht. Himmelreich sagt Social Games eine erfolgreiche Zukunft voraus: Allein von 2010 bis 2015 werden die Erlöse nach den Berechnungen der Münchener Unternehmensberater allein über das Internetnetzwerk Facebook von 680 Millionen Euro auf 3,9 Milliarden Euro steigen.

Facebook ist bei den Spielebetreibern besonders beliebt


Während viele herkömmliche Computerspiele auf komplexe Grafiken und aufwendige Geschichten rund um das Spiel setzen, sei bei den meisten Social Games alles schlicht und einfach, sagt Professor Klemens Skibicki von der Cologne Business School, "das kostet wenig, bringt aber eine Menge ein." Erst im April schätzten Analysten von Goldman Sachs und Merrill Lynch den Firmenwert von Zynga auf fünf Milliarden Dollar (rund vier Milliarden Euro) bei einem erwarteten Umsatz von 528 Millionen Dollar und einem operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 169 Millionen Dollar in diesem Jahr.

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