Spielereien mit dem Licht Lightpainting: Lichtquellen vor der Kamera bewegen

Von SIR 

Lightpainting ist eine uralte Kunstform, vermutlich so alt wie die Fotografie selbst. In den letzten Jahren findet sie jedoch verstärkt wieder Anwendung.

Rote Blitze im Innenraum und eine LED-Lampe für die Lichtspuren. Foto: Franzis Verlag
Rote Blitze im Innenraum und eine LED-Lampe für die Lichtspuren.Foto: Franzis Verlag

Lightpainting ist eine uralte Kunstform, vermutlich so alt wie die Fotografie selbst. In den letzten Jahren erlebt sie jedoch eine erstaunliche Renaissance.

Das Lightpainting-Prinzip

Das Prinzip von Lightpainting ist, während einer längeren Belichtungszeit vor der Kamera eine Lichtquelle zu bewegen und dabei entweder ein Motiv zu beleuchten oder den bewegten Lichtpunkt selbst als Motiv zu definieren. Im Beispiel wurde das Model mit der Taschenlampe mitten in der Bewegung von rechts per Hand geblitzt. Dadurch wurden Gesicht und Hand scharf, während der restlichen Belichtung verschwand das Model im Dunkeln und trug nichts zur Belichtung bei.

Den Effekt kann man auch völlig ohne Elektronik erzeugen: Beim Bild des Feuerjongleurs wurde das Gesicht zu Beginn durch die Fackeln erhellt, und dann erst wurden die Feuerspuren gezeichnet. Wesentlich dabei ist, dass das Gesicht durch die späteren Spuren nicht überschrieben wird. Neben der Methode, die Lichtquelle bei stehender Kamera zu bewegen, gibt es die Möglichkeit, das Aufnahmemedium zu bewegen. Oft werden auch dadurch Kreise und Figuren gezeichnet, im urbanen Umfeld entstehen dabei höchst grafisch anmutende Strukturen.

Die dabei entstehenden Lichtspuren haben oft eine seltsame Perlenschnurstruktur – Neonreklamen flackern nämlich mit der Netzfrequenz von 50 Hz, und bei einer entsprechenden Geschwindigkeit der Bewegung und entsprechend kurzer Belichtungszeit wird das Flackern auf dem Foto sichtbar. Von der in einem anderen Fotokurs besprochenen Wanderblitztechnik unterscheidet sich das Lightpainting dadurch, dass Dinge erzeugt werden, die gar nicht da sind oder eventuell nicht während der gesamten Belichtungszeit. Ein ganz simples Lightpainting ist ein vorbeifahrendes Auto, dessen Lichtspur zwar sichtbar ist, das Auto selbst aber nicht. Es ist also beim Lichtmalen durchaus auch erlaubt, reale Objekte zu beleuchten, so weit das in irgendeiner Weise dem Motiv eine neue Bedeutung gibt. Einfach ein Motiv während einer Langzeitbelichtung mit einer Taschenlampe anzuleuchten erzeugt kein Lichtgemälde, sondern eine fleckige Beleuchtung.

Lightpainting ist eine hektische Angelegenheit. Solange Sie ein stockdunkles Studio zur Verfügung haben, können Sie auch Belichtungszeiten von mehreren Minuten realisieren, im Freien ist oft schon eine Belichtungszeit von zwei Minuten nur abgeblendet machbar. Aufwendige Lightpaintings werden deshalb häufig im Team mit mehreren Lichtmalern realisiert.

Bei größeren Objekten können Sie dann auch wieder einen Blitz einsetzen. Im Fall des 2CV wurden im Innenraum des Fahrzeugs vier rote Blitze mit je 1/16 Sekunde Leistung per Hand gezündet. Die beiden Scheinwerfer wurden mit einer kleinen Taschenlampe angestrahlt und die Spuren mit einer LED-Lampe mit blauer Filterfolie per Hand gezogen. Auch hier sind 60 Sekunden äußerst knapp. Die Gesamtbeleuchtung wurde durch 4/5 Vollmond hergestellt. Einfach das Standlicht des Fahrzeugs einzuschalten ist übrigens keine Lösung.

Bei 60 Sekunden Beleuchtung würden die Scheinwerfer gnadenlos überstrahlt, ebenso wie eine Dauerbelichtung des Innenraums keine Lösung ist. Sehr beliebt bei Lightpaintern sind übrigens die modernen, farbwechselnden LEDs. Mit diesen Lampen gelingen attraktive Bilder mit regelmäßigen Farbmustern. Auch die eigentlich für Star-Wars-Fans produzierten Lichtschwerter sind hervorragend zum „Painten“ geeignet.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von dem Franzis Verlag zur Verfügung gestellt.