Spielhaus in Kornwestheim wird umgebaut Große Pläne für die schwächelnde Kinderwelt

Von Michael Bosch und Werner Waldner 

Das Spielhaus von Ravensburger in der Innenstadt soll endlich mehr Besucher anlocken. Dafür will die Stadt die Einrichtung umfangreich umbauen. Außerdem sollen die Öffnungszeiten stark gekürzt werden.

Großer Andrang beim dritten Geburtstag: Foto: Peter Mann/Archiv, Birgit Kiefer
Großer Andrang beim dritten Geburtstag: Foto: Peter Mann/Archiv, Birgit Kiefer

Kornwestheim - Sie ist ein Zankapfel, und immer wenn in Kornwestheim gespart werden muss, kommt sie als Erstes aufs Tablett, verbunden mit dem Hinweis, dass sie ein riesiges Fass ohne Boden sei: die Ravensburger Kinderwelt. Und auch wenn Dietmar Allgaier, der Erste Bürgermeister der Stadt und in Personalunion der Betriebsleiter der Kinderwelt, überzeugt davon ist, dass das Konzept mit dem pädagogischen Ansatz „auf dem richtigen Weg“ ist, weiß auch er, dass die Einrichtung im innerstädtischen Wette-Center keine Erfolgsgeschichte ist.

Schlechte Zahlen, neue Analyse

Vor wenigen Tagen erst präsentierte die Stadt eine ernüchternde Zwischenbilanz: Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sind die Besucherzahlen in der ersten Hälfte dieses Jahres um gut ein Viertel eingebrochen. Exakt 15 490 Gäste haben die Ravensburger Kinderwelt von Januar bis Juni dieses Jahres besucht. Gerechnet hatten Stadt und das Unternehmen Ravensburger mit mehr als 20 000 Besuchern. Im ersten Halbjahr 2016 hatte die Kinderwelt 20 200 Gäste gezählt. Was nicht automatisch bedeutet, dass die Stadt damit zufrieden war.

Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2013 hat die Kinderwelt den Kommunalpolitikern immer wieder Kopfzerbrechen bereitet. Die jüngsten Zahlen haben dazu geführt, dass die Stadt und der Spielwarenhersteller eine Analyse in Auftrag gegeben haben. „Uns ist es ein Anliegen, das Angebot der Kinderwelt stärker auf die Bedürfnisse unserer Besucher auszurichten“, sagt Dietmar Allgaier. Wie eine solche Ausrichtung aussehen könnte, hat das Marktforschungsunternehmen Compagnon herausgefunden. Die Profis aus Stuttgart haben bei Interviews und Beobachtungen in der Kinderwelt festgestellt, dass die Bekanntheit der Einrichtung eher kein Problem sei. Allerdings herrsche bei vielen Besuchern das Gefühl vor, dass „wenn man die Sachen einmal gemacht habe, man erst mal nicht wiederkommen muss“. Deshalb würden auch – anders als bei anderen Indoor-Angeboten – die Mehrfachbesucher ausbleiben.

Wer einen traditionellen Indoor-Spielplatz erwarte, sei hingegen eher enttäuscht, berichtete Franz Liebel von Compagnon. Und, dies ist das dritte Manko: Nicht alle Attraktionen stünden allen Altersgruppen zur Verfügung. Kinder unter sechs Jahren schauten in die Röhre.

Mehr Platz zum Toben

Nun will die Stadt gegensteuern. Um die Attraktivität zu steigern, soll ein weiteres Mal in die Einrichtung investiert werden. Im Zuge der Haushaltsplanung soll über den Umbau des ersten Obergeschosses beraten werden. Dadurch soll mehr Raum entstehen, wo Kinder sich austoben können. Auf bis zu zweieinhalb Etagen soll eine Spring- und Kletterlandschaft für bis zu 90 Kinder geschaffen werden. Zudem soll eine zusätzliche Fahr-Attraktion für Kleinkinder ab zwei Jahren installiert werden. Die Ruhebereiche und Rückzugsmöglichkeiten werden dabei verlagert.

Ein Fokus soll auch auf den Workshops liegen, bei denen die kleinen Besucher etwa ihre eigenen Spiele kreieren können. Während es sie bislang „nur auf Bestellung“ für Gruppen gab, stehen sie fortan auch einzelnen Besuchern an den Wochenenden offen. „Dieses Angebot hebt uns ab, die Stärke wollen wir uns zunutze machen“, sagt Volker Herzog von der Firma Ravensburger.

Nur noch zwei Öffnungstage

Etwa 180 000 Euro würden die Neuerungen kosten, „einmalig“, wie Dietmar Allgaier betont, der bereits Sparmöglichkeiten gefunden hat. Die größte Summe könnten dabei geänderte Öffnungszeiten bringen. Die Kinderwelt, so der Plan, soll von 2018 an nur noch freitags bis sonntags (10 bis 18 Uhr) geöffnet sein. Außer montags und dienstags wäre dann auch mittwochs und donnerstags Ruhetag. An Werktagen seien die Besucherzahlen einfach nicht so gut, sagt Dietmar Allgaier, der mit dieser Maßnahme 90 000 Euro einsparen würde. Weitere 20 000 Euro sollen über ein bereits modifiziertes gastronomisches Angebot kompensiert werden. Die Kinderwelt setzt vermehrt auf regionale Gerichte und Produkte.

Ob die Stadt im laufenden Jahr mit ihrem eingeplanten Betriebskostenzuschuss von knapp 700 000 Euro auskommt, wird sich zum Jahresende zeigen. Nach den Zahlen der Halbjahresbilanz kann davon nicht sicher ausgegangen werden. Für die kommenden Jahre will die Stadt laut dem Haushaltsplan 2018/19 ihren Zuschuss für die Ravensburger Kinderwelt auf dann noch 500 000 Euro jährlich reduzieren. Würde sich an auf der Einnahmenseite nichts ändern, würde die Kinderwelt – Stand heute – einen Verlust in Höhe von 135 000 Euro einfahren.