Sportschützen
"Nicht wie im Wilden Westen"
Tobias Schall,
09.08.2010 17:56 Uhr
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Zielsicher an der Pistole: bei München wird bis Dienstag die Weltmeisterschaft der Schützen ausgetragen und auf der begleitenden Messe so manche Waffe verkauft. Foto: dpa
""Eine Steuer auf Sportgeräte wie Waffen?
Das ist absurd."
"
Dietrich Knobloch vom Forum Waffenrecht
In Garching hat auch die Industrie Stellung bezogen. Die WM ist gleichzeitig Messe. Im Sportschießen werden Milliarden umgesetzt. In weißen Zelten werden die neuesten Erzeugnisse angeboten: Pistolen, Gewehre, Accessoires. "Die Munition zählt" steht auf einem Plakat. "World Class Guns" auf einem anderen. Bei manchem Poster blickt man direkt in den Lauf einer Waffe. Eine Welt aus Waffen, manche fühlen sich darin sicher, andere beängstigt es.
Siegen am Ende die besseren Argumente?
Es geht auch um wirtschaftliche Interessen. Wer die Sportschützen vertritt, vertritt auch Kapital und Arbeitsplätze. Die, die Waffen noch stärker reglementieren wollen, tragen nichts zum Bruttosozialprodukt bei - im Gegenteil. Siegt das Kapital? Siegen die Emotionen? Oder siegen am Ende einfach die besseren Argumente?
Sieben Waffenlobbyisten sind im Bundestag registriert - von der National Rifle Association über Pro Legal bis zum Forum Waffenrecht, der größten Gruppierung. Die Winnender Einrichtung hat einen Antrag gestellt, ebenfalls als Lobbyist zugelassen zu werden. Hardy Schober sagt: "Die Sportschützen sind bis in höchste Ebenen bestens vernetzt. Die Lobby ist sehr mächtig." Man habe dem Bündnis immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Als die Kirchen ihre Unterstützung zusagten, wurde massenhaft mit Austritten gedroht.
Die Waffenlobby hat viele Gesichter. Zum Beispiel das von Dietrich Knobloch, moderne Brille, hohe Stirn, freundlicher Blick. Der Vorsitzende der Schützengilde Betzingen ist Mitglied beim Forum Waffenrecht. Er sagt: "Wir müssen uns der Debatte stellen." Er ist vorbereitet. Der Beamte zieht die Kriminalstatistik zu Hilfe und verweist auf diverse Gutachten. Diese belegten, dass ein Verbot nichts bringe, da die meisten Vorfälle mit illegalen Waffen passieren. Wenn es sein muss, ruft Knobloch auch Politiker an, wie in Stuttgart, als es um eine Waffensteuer ging. Er schüttelt den Kopf. "Eine Steuer auf Sportgeräte? Absurd." Das Forum Waffenrecht gab ein Gutachten in Auftrag. Die Steuer wurde abgelehnt.
In Winnenden sagt Hardy Schober, dass man die Schützenvereine und deren große Tradition respektiere. "Aber ich wünsche mir, dass mehr Konstruktives kommt." Nach anfänglichen Kontakten ist der Austausch wieder eingeschlafen, bedauert er. In Sondelfingen versichern sie, dass alles längst geregelt ist. Armin Eichele führt über das Vereinsgelände, überall Sicherheitsvorschriften, Warnhinweise. Jugendliche dürfen nur ans Luftgewehr. 16 Mitglieder unter 18 Jahren verzeichne man momentan. Eichele sagt: "Wir haben keine Nachwuchsprobleme."
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Nicht wie im Wilden Westen
Da als "Orte der Gewalt" auch die Ereignisse in Emsdetten und Freising aufgeführt werden, bin ich doch sehr erstaunt, warum zur Amokprävention eine Waffenrechtsverschärfung gefordert wird: In beiden Fällen wurden ILLEGALE Schusswaffen verwendet! Selbst ein vollständiges Schusswaffenverbot hätte hier keinerlei Wirkung gezeigt. Wer garantiert eigentlich, dass die Täter in Erfurt oder Winnenden sich bedarfsweise nicht auch illegale Schusswaffen besorgt hätten? Schließlich wurden beide Taten lange geplant und vorbereitet. Und noch eins: Auch "Kleinkaliber" durchschlägt problemlos mehrere cm dicke Holztüren - bei geeigneter Muntion deutlich über 10 cm. Warum Herr Schober hier zwangsläufig von einer geringeren Letalitätsrate ausgeht, bleibt unklar.
|pok und Drohgebärden
Eine Googlerin weiß, wo sie alles finden kann.... Nicht nur die radschlagenden Pfauen oder die sich aufplusternden Tauben haben Drohgebärden intus, sondern auch Hirsche als sog. 8-12-14-Ender. Je mehrgliedriger, desto eindrucksvoller und für den männlichen Artgenossen eine immer größere Bedrohung. Was sagen die Schützen dazu? Und deren Schützinnen, wenn das die richtige Bezeichnung ist? Genießen diese Artenschutz. Gedroht wird von der Atomlobby, den Strombossen, vom Iran, von Nordkorea, den Taliban, den USA - und jetzt wieder mal von der Waffenlobby. Die will die CDU, die FDP, die Grünen, die SPD jetzt nicht mehr als wählbar bezeichen, falls sie einer Verschärfung des Waffenrechts das Wort reden. Äußerst höfliche, doch leider drohende Zeitgenossen! Bum bum!
deutschen Schießwütigen
Wem meinen Sie damit? Gehören Sie auch zu diesen Leuten, die sich davor fürchten einen Täter mit Schußwaffe zum Opfer zu fallen obwohl in Deutschland die Gefahr dafür im Promille-Bereich liegt, aber akzeptieren eines von über 4000 Verkehrsopfern jährlich zu werden? In Winnenden und Wendlingen starben durch die Hand eines Mörders etwa soviel Menschen, wie JEDEN Tag auf deutschen Straßen durch Unachtsamkeit oder überschätzung der eigenen Fähigkeite im Straßenverkehr steben.