| Zeitungsgruppe Stuttgart |Sonntag, 12. Februar 2012
Politik
Artikel weiterempfehlen

Sportschützen "Nicht wie im Wilden Westen"

Tobias Schall, vom 09.08.2010 17:56 Uhr
vorherige Bild 1 von 2 nächste
Zielsicher an der Pistole: bei München wird bis Dienstag die Weltmeisterschaft der Schützen ausgetragen und auf der begleitenden Messe so manche Waffe verkauft. Foto: dpa
Zielsicher an der Pistole: bei München wird bis Dienstag die Weltmeisterschaft der Schützen ausgetragen und auf der begleitenden Messe so manche Waffe verkauft. Foto: dpa
""Eine Steuer auf Sportgeräte wie Waffen? Das ist absurd." "
Dietrich Knobloch vom Forum Waffenrecht

Stuttgart - Hardy Schober kommt gerade von der Polizei. Dort hat er Anzeige gegen den Absender einer E-Mail erstattet, wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, der 16 Opfer des Amoklaufs an der Albertville-Schule. Noch heute gehen auf seinem Server täglich Dutzende Schreiben ein, von sachlich und seriös bis hin zu beleidigend, selbst Morddrohungen waren schon dabei. Im Kampf gegen Schusswaffen ist er selbst für manchen zu einer Zielscheibe geworden. Schützenfeind Nummer eins. Er hat sich an vieles gewöhnt. "Aber das war eine Nummer zu heftig", sagt Hardy Schober, Vorstand des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden.

An der Wand im Besprechungszimmer der Stiftung hängt eine Deutschlandkarte. Rote Fahnen markieren die Orte der Gewalt. Emsdetten zum Beispiel, oder Freising, Erfurt oder Winnenden. Schober und seine Mitstreiter wollen weitere Punkte auf der Karte verhindern. Das Bündnis kämpft gegen Mediengewalt und für ein schärferes Waffengesetz, bis heute ohne großen Erfolg. Schober sagt: "Wir fordern, dass großkalibrige Waffen verboten werden und Waffen nur in den Vereinen lagern dürfen. Mit Kleinkalibern hätten wir hier einige Tote weniger gehabt." Hätte es ohne den Zugang zu Waffen kein Massaker gegeben? Die Schützen laufen Sturm gegen solche Überlegungen.

Seit zwei Wochen nimmt der E-Mail-Verkehr wieder zu. Angehörige von Opfern des Amoklaufs haben eine Verfassungsbeschwerde gegen das aus ihrer Sicht noch immer zu liberale Waffengesetz eingereicht. Die Mitglieder der Berliner Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" fordern ein Verbot aller Schusswaffen, mit denen man töten kann. "Der Gesetzgeber begünstigt Schulmassaker", kritisieren sie. Zwei Tage später haben Sportschützen ihrerseits Klage erhoben. Sie wehren sich gegen die "verdachtsunabhängige Kontrolle der Waffenaufbewahrung", die es nun gibt. Die Sache ist komplex. Es geht um viele Details wie Kaliber und Lagerung, und eigentlich um Grundsätzliches: Wo endet die Freiheit des Einzelnen und wo beginnt der Schutz des Gemeinwohls?

Die Sportschützen sehnen sich nach Normalität


An einem Holztisch vor dem Vereinsheim des Schützenvereins Sondelfingen hat Armin Eichele Platz genommen. Ein paar Kinder spielen auf dem Gelände zwischen Feldern und Wiesen ganz in der Nähe von Reutlingen. Eichele ist Vorsitzender des Clubs und deutscher Meister im Großkaliber mit der Kurzwaffe, 100-Meter-Distanz. Großkaliber sei eben eine andere Disziplin, in der Leichtathletik gebe es ja auch 100 Meter und den Marathon, sagt er. Im Hintergrund plätschert ein Brunnen. Die Debatte wird zurzeit vor allem intern geführt statt öffentlich. Es gab zuletzt keinen schweren Vorfall mit Waffen.

Kommentare (14)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
AUG
10
18:52 Uhr, geschrieben von Fairplay
Nicht wie im Wilden Westen
Da als "Orte der Gewalt" auch die Ereignisse in Emsdetten und Freising aufgeführt werden, bin ich doch sehr erstaunt, warum zur Amokprävention eine Waffenrechtsverschärfung gefordert wird: In beiden Fällen wurden ILLEGALE Schusswaffen verwendet! Selbst ein vollständiges Schusswaffenverbot hätte hier keinerlei Wirkung gezeigt. Wer garantiert eigentlich, dass die Täter in Erfurt oder Winnenden sich bedarfsweise nicht auch illegale Schusswaffen besorgt hätten? Schließlich wurden beide Taten lange geplant und vorbereitet. Und noch eins: Auch "Kleinkaliber" durchschlägt problemlos mehrere cm dicke Holztüren - bei geeigneter Muntion deutlich über 10 cm. Warum Herr Schober hier zwangsläufig von einer geringeren Letalitätsrate ausgeht, bleibt unklar.
AUG
10
18:45 Uhr, geschrieben von Tudela Grzimek
|pok und Drohgebärden
Eine Googlerin weiß, wo sie alles finden kann.... Nicht nur die radschlagenden Pfauen oder die sich aufplusternden Tauben haben Drohgebärden intus, sondern auch Hirsche als sog. 8-12-14-Ender. Je mehrgliedriger, desto eindrucksvoller und für den männlichen Artgenossen eine immer größere Bedrohung. Was sagen die Schützen dazu? Und deren Schützinnen, wenn das die richtige Bezeichnung ist? Genießen diese Artenschutz. Gedroht wird von der Atomlobby, den Strombossen, vom Iran, von Nordkorea, den Taliban, den USA - und jetzt wieder mal von der Waffenlobby. Die will die CDU, die FDP, die Grünen, die SPD jetzt nicht mehr als wählbar bezeichen, falls sie einer Verschärfung des Waffenrechts das Wort reden. Äußerst höfliche, doch leider drohende Zeitgenossen! Bum bum!
AUG
10
15:09 Uhr, geschrieben von Freihaupt
deutschen Schießwütigen
Wem meinen Sie damit? Gehören Sie auch zu diesen Leuten, die sich davor fürchten einen Täter mit Schußwaffe zum Opfer zu fallen obwohl in Deutschland die Gefahr dafür im Promille-Bereich liegt, aber akzeptieren eines von über 4000 Verkehrsopfern jährlich zu werden? In Winnenden und Wendlingen starben durch die Hand eines Mörders etwa soviel Menschen, wie JEDEN Tag auf deutschen Straßen durch Unachtsamkeit oder überschätzung der eigenen Fähigkeite im Straßenverkehr steben.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  5
nächste
Anzeige
Aktuelle Videos
 
Nachrichten-Ticker
10:47 Musikwelt und Fans trauern um Whitney Houston »
10:08 Autoritär regiertes Turkmenistan wählt Präsidenten »
10:02 Anna Maria Mühe als Shooting Star 2012 »
09:57 Köpke: Neuer bei EM im Tor - Chance für Wiese gegen Frankreich »
09:54 Streik in Israel endet am fünften Tag »
1   2   3   4   5   6   7   weiter
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement