""Eine Steuer auf Sportgeräte wie Waffen?
Das ist absurd."
"
Dietrich Knobloch vom Forum Waffenrecht
Stuttgart - Hardy Schober kommt gerade von der Polizei. Dort hat er Anzeige gegen den Absender einer E-Mail erstattet, wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, der 16 Opfer des Amoklaufs an der Albertville-Schule. Noch heute gehen auf seinem Server täglich Dutzende Schreiben ein, von sachlich und seriös bis hin zu beleidigend, selbst Morddrohungen waren schon dabei. Im Kampf gegen Schusswaffen ist er selbst für manchen zu einer Zielscheibe geworden. Schützenfeind Nummer eins. Er hat sich an vieles gewöhnt. "Aber das war eine Nummer zu heftig", sagt Hardy Schober, Vorstand des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden.
An der Wand im Besprechungszimmer der Stiftung hängt eine Deutschlandkarte. Rote Fahnen markieren die Orte der Gewalt. Emsdetten zum Beispiel, oder Freising, Erfurt oder Winnenden. Schober und seine Mitstreiter wollen weitere Punkte auf der Karte verhindern. Das Bündnis kämpft gegen Mediengewalt und für ein schärferes Waffengesetz, bis heute ohne großen Erfolg. Schober sagt: "Wir fordern, dass großkalibrige Waffen verboten werden und Waffen nur in den Vereinen lagern dürfen. Mit Kleinkalibern hätten wir hier einige Tote weniger gehabt." Hätte es ohne den Zugang zu Waffen kein Massaker gegeben? Die Schützen laufen Sturm gegen solche Überlegungen.
Seit zwei Wochen nimmt der E-Mail-Verkehr wieder zu. Angehörige von Opfern des Amoklaufs haben eine Verfassungsbeschwerde gegen das aus ihrer Sicht noch immer zu liberale Waffengesetz eingereicht. Die Mitglieder der Berliner Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" fordern ein Verbot aller Schusswaffen, mit denen man töten kann. "Der Gesetzgeber begünstigt Schulmassaker", kritisieren sie. Zwei Tage später haben Sportschützen ihrerseits Klage erhoben. Sie wehren sich gegen die "verdachtsunabhängige Kontrolle der Waffenaufbewahrung", die es nun gibt. Die Sache ist komplex. Es geht um viele Details wie Kaliber und Lagerung, und eigentlich um Grundsätzliches: Wo endet die Freiheit des Einzelnen und wo beginnt der Schutz des Gemeinwohls?
Die Sportschützen sehnen sich nach Normalität
An einem Holztisch vor dem Vereinsheim des Schützenvereins Sondelfingen hat Armin Eichele Platz genommen. Ein paar Kinder spielen auf dem Gelände zwischen Feldern und Wiesen ganz in der Nähe von Reutlingen. Eichele ist Vorsitzender des Clubs und deutscher Meister im Großkaliber mit der Kurzwaffe, 100-Meter-Distanz. Großkaliber sei eben eine andere Disziplin, in der Leichtathletik gebe es ja auch 100 Meter und den Marathon, sagt er. Im Hintergrund plätschert ein Brunnen. Die Debatte wird zurzeit vor allem intern geführt statt öffentlich. Es gab zuletzt keinen schweren Vorfall mit Waffen.