Sprachenvielfalt in Taiwan Ein einziger Mensch spricht noch Hla’lua

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Die Ureinwohner von Taiwan wollen ihre Sprache retten. In manchen Fällen sind die Chancen äußerst gering. Doch die Taiwanesen hoffen auf die Parlamentswahl am Samstag .

Seit den achtziger Jahren fordern die sogenannten Paiwan ihre Rechte ein. Auch auf  Lanyu,  der Orchideeninsel (Bild oben),  darf  der Staat nicht mehr einfach Grundstücke beschlagnahmen. Foto: Fotos: Mauritius
Seit den achtziger Jahren fordern die sogenannten Paiwan ihre Rechte ein. Auch auf Lanyu, der Orchideeninsel (Bild oben), darf der Staat nicht mehr einfach Grundstücke beschlagnahmen.Foto: Fotos: Mauritius

Taipeh - Als Kind wohnte Saiviq Kisasa mit ihrer Familie in Taitung im Südosten Taiwans am Pazifik. Lange wusste sie nicht, was es bedeutete, eine Paiwan zu sein. „Meine Mutter hat nie unsere Sprache mit mir gesprochen“, sagt Kisasa, die heute Sprachforscherin ist. „Sie hatte Angst, ich würde diskriminiert oder gar bestraft werden.“ Deshalb trug die 38-Jährige früher einen chinesischen Namen. Heute verwendet sie stolz ihren Paiwan-Namen, der sie als Ureinwohnerin Taiwans ausweist. „Das machen aber nicht viele“, sagt Kisasa, „auch weil unsere Namen so lang sind und schwierig in chinesische Zeichen umzuschreiben.“

Was international kaum bekannt ist: Taiwan, das von der Volksrepublik China beansprucht wird, ist keineswegs ein rein chinesisches Land. Die Chinesen kamen erst vor 400 Jahren vom Festland auf die Insel, die bis dahin über mehrere Tausend Jahre hinweg fest in der Hand indigener Volksgruppen war. Ethnisch und sprachlich haben diese mit den Chinesen nichts zu tun, sondern zählen zu den austronesischen Völkern. Deren Siedlungsgebiet erstreckt sich von Taiwan im Norden zu den Osterinseln im Osten bis nach Neuseeland im Süden und nach Madagaskar im Westen.

Die eingewanderten Chinesen dominieren Taiwan

Heute sind es aber die eingewanderten Chinesen, die die 23-Millionen-Einwohner-Nation wirtschaftlich, politisch und kulturell dominieren. Ureinwohner wie die Paiwan machen je nach Definition nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung aus.

Von den früheren Herrschern über Formosa – „die Schöne“, wie Taiwan lange genannt wurde – stiegen sie nach mehreren Kolonialisierungswellen seit dem 17. Jahrhundert zu Bürgern zweiter Klasse ab. Erst waren es die Niederländer, später die Chinesen und Japaner, die die ­Ureinwohner unterdrückten und in immer unwirtlichere Regionen verdrängten. Taiwans Ureinwohner zählen nun zu den ärmsten und am schlechtesten gebildeten Schichten der Gesellschaft.

Die Paiwan, zu denen die junge Sprachforscherin Kisasa gehört und die im Süden der süßkartoffelförmigen Insel leben, sind mit 86 000 Angehörigen die drittgrößte von 16 anerkannten indigenen Gruppen; 14 weitere kämpfen noch um den offiziellen Status.

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