Staatsanwaltschaft Ermittler tun sich mit EnBW-Deal schwer
Andreas Müller, 20.12.2011 09:01 Uhr
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 Foto: dapd
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"Nicht zu ermitteln würde an Strafvereitelung im Amt grenzen."
Aus der Anzeige einer Staatsanwältin aus Bayern

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Stuttgart - Die Staatsanwältin aus Bayern war fassungslos über ihre Kollegen aus Baden-Württemberg. Schon lange wunderte sie sich darüber, dass wegen des EnBW-Deals von Exministerpräsident Stefan Mappus (CDU) einfach keine Ermittlungen aufgenommen würden. Es gebe schließlich genügend Anhaltspunkte für Untreue durch die handelnden Politiker und Beihilfe zur Untreue durch ihre Berater. Schließlich verfasste sie selbst eine umfassend begründete Strafanzeige und schickte sie im Oktober nach Stuttgart. Ihr Fazit: "Jede andere Entscheidung als die Aufnahme von Ermittlungen würde auf Unverständnis stoßen und an Strafvereitelung im Amt grenzen."

Mit ihrer Empörung steht die bayerische Juristin nicht alleine da. Andere Anzeigeerstatter - so ein pensionierter Polizeibeamter aus Südbaden - betrachten es inzwischen selbst als einen Fall für die Justiz, dass die Ermittler "bis heute untätig" seien. In Leserbriefen und Internetforen wird reihenweise gefragt, wie es sein könne, dass ein Ministerpräsident im Wahlkampf ungestraft mit Milliarden von Steuergeldern spekulieren dürfe, Normalbürger dagegen wegen Centbeträgen gewaltigen Ärger bekämen. Die Justiz, so ein verbreiteter Eindruck, messe da mit zweierlei Maß.

An Strafanzeigen hat es nicht gefehlt. Schon wenige Tage nach Mappus' "EnBW-Coup" am 6. Dezember 2010 liefen die ersten bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart ein. Nach dem Urteil des Staatsgerichtshofs, das den Aktienkauf am Landtag vorbei im Oktober als glatten Verfassungsbruch einstufte, kamen weitere. Insgesamt dürften es um die zwanzig sein. Darunter waren juristisch wenig gehaltvolle Schreiben, in denen Bürger einfach ihrem Unmut Luft machten, aber auch fachlich fundierte Darlegungen von Rechtsanwälten. Auch die bayerische Staatsanwältin verwies auf einschlägige BGH-Urteile.

Früherer Staatsminister Helmut Rau nicht im Visier

Adressat der Vorwürfe waren Mappus und sein Finanzminister Willi Stächele sowie deren Berater von der Investmentbank Morgan Stanley und der Anwaltskanzlei Gleiss Lutz. Den früheren Staatsminister Helmut Rau nahm hingegen niemand ins Visier - dabei stand er als Geschäftsführer der Kaufgesellschaft Neckarpri am unmittelbarsten in der Verantwortung. Fünf Anzeigen werden nach Auskunft der Staatsanwaltschaft derzeit noch geprüft, alle anderen Erstatter erhielten den Bescheid, dass es keinen Anlass für Ermittlungen gebe.

Zuständig für die Prüfung ist nicht die Abteilung für Wirtschaftskriminalität, die im Ruf steht, unerschrocken auch gegen Mächtige vorzugehen - etwa in den Fällen LBBW oder Porsche. Zum Teil waren die Anzeigen direkt dort eingelaufen, wurden aber weitergeleitet an die "politische" Abteilung von Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler; diese ist für Fälle zuständig, in denen Abgeordnete betroffen sind. Häußler, der nicht nur wegen seiner Rolle bei den (Nicht-)Ermittlungen rund um Stuttgart 21 umstritten ist, lässt den EnBW-Komplex von einer bewährten Ersten Staatsanwältin bearbeiten. Noch vor der Landtagswahl, schneller als zunächst angekündigt, entschied sie sich erstmals gegen Ermittlungen. Den Anzeigen werde "keine Folge gegeben", hieß es in einer Pressemitteilung vom 4. März.

Mappus war damit gleichsam amtlich von dem Verdacht reingewaschen, er könnte mit dem politisch, rechtlich und wirtschaftlich bereits hochumstrittenen Coup auch gegen Strafgesetze verstoßen haben. Ihre Entscheidung stützte Häußlers Ermittlerin offenbar ausschließlich auf das Vorbringen der Anzeigeerstatter und die Berichte in den Medien. Vertiefte eigene Untersuchungen - etwa das Befragen von Zeugen oder die Sicherstellung von Unterlagen - sind in der Prüfphase vor offiziellen Ermittlungen nicht zulässig.

Kommentare (22)
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DEZ
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samtpfote, 12:29 Uhr

Staatsanwaltschaft tut sich mit Manchem schwer

Weit über die Landesgrenzen hinaus wundert man sich inzwischen über die Machenschaften des Herrn Oberstaatsanwalts Häußler: Der bisher nicht als radikal bekannte "Focus" wundert sich über die "ungeheuerliche" Rechtsauffassung, nach der ein Verfahren gegen einen prügelnden Polizisten wegen einer "Notwehrsituation" eingestellt wurde, weil hinter dem Polizisten und ohne jeglichen Köroerkontakt ein Demonstrant stand: http://www.focus.de/politik/deutschland/stuttgart-21/polizeipruegel-bei-stuttgart-21-protest-angriff-durch-herumstehen_aid_694761.html Und selbst die "Zeit" im fernen Hamburg http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-08/ss-verbrechen-santannadistazzema und die "Süddeutsche Zeitung" in München haben gewisse Verständnisprobleme, weshalb sich der ehrenwerte Oberstaatsanwalt Häußler seit nunmehr 9 Jahren (!!!) nicht in der Lage sieht, ein Verfahren gegen NS-Verbrecher einzuleiten, die erwiesenermaßen in Italien 560 Zivilisten abgeschlachtet haben. Von denen einer übrigens sogar ein Geständnis abgelegt haben soll. http://www.sueddeutsche.de/politik/ns-kriegsverbrechen-da-muesste-man-hinterherhechten-1.459922 Im Interesse unseres Rechtsstaats: BLEIBEN SIE DRAN, HERR MÜLLER!!!

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DEZ
21
Hanns-H. Kübler, 10:33 Uhr

oberStaatsanwaltschaft Stuttgart

Herrn Kretschmann kann ich jetzt nur empfehlen, den Koalitionsvertrag mit der spd aufzukündigen, wegen unüberbrückbaren Schwierigkeiten in --------------------------------------------------- Stadt und Land um Neuwahlen zu ermöglichen - die Stimmung ist derzeit ebenda besonders empfänglich, vollends die politischen Verhältnisse neu zu ordnen. --------------------------------------------------- Es sei denn, er ist Mann´s genug und setzt diesen Häußler im Schloßgarten aus.

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DEZ
20
stuttgarter, 17:17 Uhr

Schande

Was derzeit in gewissen Stuttgarter Amtsstuben vor sich geht, ist gelinde gesagt eine Schande. Für die beteiligten Personen selbst, für die Jurisprudenz und für den Ruf des Rechtstaates innerhalb der Bevölkerung. Wer eigentlich Elite sein sollte - einen positiven Elitebegriff unterstellt - geriert sich in einer Art und Weise, dass man hoffen möchte, die Jugend nimmt es nicht zum Vorbild. Allerdings, und das ist noch bedenklicher, scheint auch die Politik nicht Willens oder in der Lage, hier einmal reinigend dazwischenzufahren, um hernach die über Jahre schwelenden Mißstände zu beheben. Ein ganz schwaches Bild, das hier Justiz und Politik abgeben, ein beklagenswert schwaches Bild. Und bitte, spreche niemand in diesem Zusammenhang von "Wehret den Anfängen, keine italienischen Verhältnisse im Ländle!" - Wir sind über die Anfänge längst schon weit hinaus!

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