Stuttgart am Neckar II Schmackhafte Versuche am Neckar

Ingmar Volkmann, 29.04.2013 13:28 Uhr

Stuttgart - Näher als auf der Terrasse der Gaststätte Keefertal kommt man dem Neckar gastronomisch rund um Stuttgart nicht. Hat man sich einen Platz am Tisch ganz hinten rechts gesichert, kann man mit durchgestrecktem Arm und etwas Fantasie die Fingerspitzen in den Fluss tauchen. Oder freundlich eines der Entenbabys der Entenfamilie anstupsen, die seit einigen Jahren als Untermieter zur Gaststätte gehört.

Anfangs war das Lokal eine Holzhütte

Das Gasthaus Keefertal ist Teil eines der schönsten Stuttgarter Neckarabschnitte, dem zwischen Münster und Mühlhausen. Steigt man an der Haltestelle Elbestraße in Münster aus, spaziert man direkt auf das Lokal zu, das aus Gastraum, Raucherlounge, Terrasse mit 150 Plätzen, Biergarten und Spielplatz besteht. Der Grundstein für das Lokal wurde 1945 von Fischermeister Emil Keefer mit einer Holzhütte gelegt. Seit 2008 wird das Lokal von Marion und René Zachmann betrieben.

Der zierlichen Wirtin liegt ihr Fluss, der „Neckr“, wie sie sagt, am Herzen. René Zachmann kommt ursprünglich aus der Austraße in Münster und war als Kind immer wieder im „Schmuckstückle Keefertal“ (Marion Zachmann) zu Gast. „Von daher ist es ein Traum, dass wir das Lokal heute betreiben dürfen“, sagt Marion Zachmann. Ein Traum, der sich in der Realität nicht ganz so einfach verwirklichen lässt. „Leider verirrt sich unter der Woche kaum einer zu uns. Nach 20 Uhr schon gar nicht, da der Weg zu uns nicht beleuchtet ist“, sagt Zachmann.

Wirtin: Gastronomie besser bewerben und vernetzen

Ihrer Meinung nach müsste man das gastronomische Angebot am Neckar besser bewerben und vernetzen. „Wir haben uns schon so viele Gedanken gemacht und uns mit anderen Unternehmern am Fluss wie dem Neckar-Käpt’n unterhalten. Der würde gerne bei uns anlegen“, sagt Zachmann. Die 52-Jährige träumt von kleinen Buchten neben ihrer Gaststätte, von Stegen, an denen Boote halten. „Dann hätten wir hier eine Art Drive-in für Schiffe“, so Zachmann lachend.

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Viele der Ideen ließen sich aber aus Gründen des Wasser- und Umweltschutzes nicht realisieren. Zachmann wäre aber auch schon mit weniger zufrieden: „Wie wäre es mit einem Shuttle von Haltestelle zu Haltestelle, bei dem Ausflügler mit einer Kutsche am Fluss entlang fahren können?“ Auch den Max-Eyth-See könnte man bei einer touristischen Bündelung der Angebote gut mit einbinden, gibt Marion Zachmann zum Abschied mit auf den Weg.

Feiner Neckarblick von Terrasse aus

Die Gaststätte Keefertal im Rücken geht es weiter nach rechts in Richtung Mühlhausen. Vor den Weinbergen des „Cannstatter Zuckerle“ liegt die Zaißerei, die Kelter des Weinbaubetriebes Zaiß. Es folgt die herrlich aus der Zeit gefallene Gaststube von Eintracht Frohsinn, dem Gesangsverein in Münster, von dessen Terrasse man ebenfalls einen feinen Neckarblick hat. Anschließend führt eine Stahlseilbrücke, von Keefertal-Wirtin Zachmann „Golden Gatele“ genannt, über den Neckar in Richtung Max-Eyth-See.

Lässt man den See links liegen und bewegt sich am Ufer entlang in Richtung Bad Cannstatt, vorbei am Cannstatter Ruderclub, dessen Gastronomie mit üppiger Terrasse seit kurzem vom türkischen Lokal Charisma betrieben wird, landet man an einer Ecke des Neckars, die aus zwei Gründen spannend ist. Zum einen befindet sich hier der Neckarbereich, der durch die Parkanlagen von S-Mitte am schnellsten zu erreichen ist. Zum anderen zeigt sich an dieser Stelle, wie Gastronomie als Schlüssel zur Erschließung des Flusses funktionieren kann: Innerhalb weniger Meter Luftlinie hat sich in den vergangenen Jahren dank Stadtstrand, Neckarbiergarten und Theaterschiff ein Freizeitangebot etabliert. „Bevor wir 2004 den Stadtstrand eröffnet haben, war hier gar nichts“, sagt Christian List, der Betreiber der Gastronomie. „Unsere älteren Gäste erzählen gerne, dass sie sich früher an dieser Stelle nicht an das Neckar-Ufer getraut haben“, ergänzt Alexander Wilhelm, der Macher des 2006 eröffneten Neckarbiergartens. Beide Gastronomen sind sich einig, dass der Neckar weiter aufgewertet werden muss.

Gastronomieangebote gehen von Einzelpersonen aus

„Den Damm unterhalb des Biergartens wollten wir eigentlich mit Natursteinen verschönern und indirekt beleuchten, sodass man direkt am Wasser sitzen kann“, sagt Dietrich. Das Vorhaben sei aber an der Finanzierung gescheitert. „Am Ende nützt die beste Unterstützung durch die Politik nichts, wenn das Geld fehlt“, so Dietrich.

Allen gastronomischen Projekten am Neckar ist eines gemeinsam: Sie gehen immer von Einzelpersonen aus. So träumt die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Wangen, Beate Dietrich, schon lange von einem Neckar-Café im Bereich der Inselbrücke zwischen Wangen und Untertürkheim. „In einem Wettbewerb von Architekturstudenten der Uni Stuttgart ist bereits ein toller Entwurf entstanden, bei dem das Thema Kaffee, Kuchen und Schiffe schauen realisiert wurde“,so Dietrich. Jetzt gelte es, das Vorhaben zu finanzieren. Die Bezirksvorsteherin ist optimistisch, dass das Projekt mittelfristig umgesetzt werden kann.Damit man dem Neckar auch an anderer Stelle gastronomisch noch näherkommen kann.

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