Stadtbahn-Zwischenfall OB Fritz Kuhn entschuldigt sich bei jüdischem Paar

Von ury 

OB Fritz Kuhn hat nach dem Vorfall um die Stadtbahn-Kontrolleure nun an das betroffene Ehepaar aus Israel geschrieben. Was in der Linie U 7 geschehen ist, wird zwischenzeitlich unterschiedlich dargestellt.

Weil sich ein jüdisches Foto: factum/Granville
Weil sich ein jüdischesFoto: factum/Granville

Stuttgart - Nach dem Vorfall in einer Stadtbahn der Linie U 7, bei dem ein älteres Ehepaar aus Israel sich einer antisemitischen Schmähung durch Fahrkartenkontrolleure ausgesetzt sah, hat sich Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) bei den Nachfahren von NS-Opfern entschuldigt. In einem Brief an das Ehepaar, das wegen einer Stolperstein-Aktion zum Gedenken an ermordete jüdische Bürger in Stuttgart weilte, schreibt Kuhn, es tue ihm „sehr leid“, was sich in der Stadtbahn am vergangenen Dienstag zugetragen habe.

In dem Schreiben erklärt der Oberbürgermeister den Gästen aus Israel, „in unserer Stadt herrscht kein antisemitisches Klima“. Er stehe dafür, dass hier „Respekt, Toleranz und die Bereitschaft gelebt werden, aus der Geschichte des Naziterrors zu lernen“. Als Aufsichtsratschef der SSB habe er mit der Unternehmensleitung gesprochen, die den Vorfall „ausdrücklich bedauert“. Es werde alles unternommen, dass sich so etwas künftig nicht wiederhole. Zu dem Ablauf selbst äußerte Kuhn sich nicht.

Die Kontrolleure stellen den Vorgang anders dar

Die Darstellung, das vierköpfige Kontrollteam habe sich einer antisemitischen Verhöhnung schuldig gemacht, wurde von der Betreurin des Ehepaars öffentlich gemacht, die selbst nicht in der Stadtbahn anwesend war, die Sache aber geschildert bekommen hatte. Als im Lauf der Kontrolle – das Ehepaar hatte einen Fahrschein, der nicht für zwei Zonen reichte – der Mann erklärt habe, er sei in Stuttgart, weil seine Vorfahren von den Nazis ermordet wurden, habe ein Mitglied des Teams die Daumen nach oben gestreckt, wie zur Billigung solcher Greueltaten. Nach StZ-Informationen stellen die Kontrolleure das anders dar. Sie schildern ihr Auftreten als korrekt und weder gestisch noch mimisch verletzend. Danach fußt der Antisemitismus-Vorwurf auf einem Missverständnis, entstanden in der konfliktträchtigen Kontrollsituation.

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