Am letzten Tag des Stadtfest in Schorndorf Schowo: Zweifel am Ausmaß der Krawalle

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Drei Tage nach den Vorfällen beim Schorndorfer Stadtfest am Wochenende stellt sich die Frage nach den wirklichen Abläufen. Das Rathaus stellt sich nun teilweise gegen die Polizei.

Am Montagabend ist der Park früh beleuchtet und dann geräumt worden. Foto: SDMG 11 Bilder
Am Montagabend ist der Park früh beleuchtet und dann geräumt worden. Foto: SDMG

Schorndorf - Was ist wirklich passiert in der Nacht auf Sonntag am Schorndorfer Burgschloss? Die Polizei hatte anfangs von einer 1000-köpfigen Gruppe geschrieben, von „einem Großteil von Personen mit Migrationshintergrund“, von Gruppen, die bewaffnet durch die Stadt gezogen seien. Nach und nach äußern Offizelle in Schorndorf Widerspruch gegen diese Darstellung, die in den vergangenen Tagen so viele Medien auf die Stadt aufmerksam gemacht hat – auch Fernsehsender und über Deutschland hinaus. „Es gab keine verletzten Polizisten, wenig Verletzte unter den Beteiligten, keine schweren sexuellen Straftaten und keine hunderte randalierende Jugendliche“, stellt der Oberbürgermeister Matthias Klopfer klar. „Der klare Auslöser“ sei für ihn die Meldung des Polizeipräsidiums Aalen, abgeschickt am späten Sonntagnachmittag.

Diese Darstellung deckt sich mit der anderer Beteiligter. „Hier wurde wieder einmal aufgebauscht, was in den letzten 20 Jahren keine Sau interessiert hat“, schreibt eine Frau in der Internetplattform Facebook. „Besoffen pöbelnde Jugendliche hat es auf der Schowo schon immer gegeben.“ Auch an die sexuellen Übergriffe erinnere sie sich aus ihrer Jugend – nur, dass solche Dinge jetzt anders gewichtet würden. In ersten Meldungen der Polizei war von irakischen und afghanischen Tatverdächtigen die Rede, die Festbesucherinnen begrapscht hätten.

Bewaffnete „nicht bewiesen“

Auch der Organisator des Stadtfestes, Jürgen Dobler, betont, keinem der Ehrenamtlichen an den Stadtfestständen seien die Gruppen aufgefallen, die nach den Vorfällen im Park angeblich durch die Innenstadt gezogen sein sollen. „Das ist nicht bewiesen“, sagt Dobler. Auch Jugendliche, die sich in der Nacht zum Samstag im Park am Schloss befanden, geben zu Protokoll, von schweren Ausschreitungen gar nichts mitbekommen zu haben. Gegen 1 Uhr in der Nacht habe man den Schlosspark „unbehelligt und völlig entspannt“ durchqueren können, schildert eine andere Frau. Zwar seien dort viele Polizisten zu sehen gewesen. „Wir wären aber nicht auf die Idee gekommen, dass dort etwas Ungewöhnliches passiert ist.“

Was ist dann aber wirklich passiert in der Nacht auf vergangenen Samstag? Die Sicht des Rathauses ist folgende: Zwar hätten sich rund 1000 Schüler im Park versammelt, darunter auch Flüchtlinge und Migranten. Gewalt sei aber nur „von einzelnen Gruppierungen“ ausgegangen. Eine davon sei eine Gruppe arabischstämmiger Personen gewesen, „die nicht aus Schorndorf kommen“, sich dort allerdings immer wieder versammelten, so das Rathaus. Die Polizei habe diese Gruppe nun auch „ganz konkret im Fokus“.

Spätere Räumung als üblich

Unklar bleibt trotz dieser Darstellung, warum die Wiese am Samstag von den teils betrunkenen jungen Leuten erst nachts gegen 1 Uhr geräumt wurde – für Besucher mit Alkoholika ist der Park regulär bereits von 22 Uhr an gesperrt. Man habe vor dem Stadtfest beschlossen, die Räumung während der Schowo erst zur offiziellen Sperrstunde durchzuführen, sagt der Chef des örtlichen Polizeireviers. Die Alkoholisierung der Gäste zu später Stunde soll es gewesen sein, was die Räumung des Parks dann erschwerte.

Einen Tag später, am Montagabend, indes schien es, als seien die Ereignisse bereits vergessen. Auf dem Archivplatz spielte eine Gospelband „Oh Happy Day“ – angesichts der Pressekonferenzen, der politischen Stellungnahmen und Diskussionen über die Vorfälle auf der Schowo klang das fast ironisch. Schorndorf ließ sich seine Fröhlichkeit nicht nehmen und feierte sein Stadtfest, als sei nichts gewesen.

Von verstärkter Polizeipräsenz war zumindest am frühen Abend auch nichts zu bemerken: Keine Beamten am Bahnhof, auf dem Festgelände patroullierten zunächst nur Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes, erst gegen 21 Uhr fielen dann mehr Streifen in der Festmenge auf. Der Schwerpunkt des Polizeieinsatzes schien allerdings am Schloss zu sein. Von Verunsicherung dort trotzdem keine Spur. Es überwog die Verwunderung über den Medienauftrieb im Laufe des Tags zuvor – kaum einer, der nicht an einer Fernsehkamera vorbeigekommen war.

Schüler: „Zur Schowo richtig was los“

Mit Einbruch der Dunkelheit leuchtete die Feuerwehr den Park am Schloss mit Scheinwerfern aus. Dann erschien auch die Polizei in größerer Zahl. Von 22 Uhr an wurden Jugendliche, die Alkohol getrunken hatten, zum Verlassen der Wiese aufgefordert. „Die Tage der Schowo sind die einzigen, an denen in Schorndorf richtig etwas los ist“, beschwerte sich ein Abiturient, der mit seinen Freunden den Park verlassen musste. Auch er wollte von den Vorfällen am Samstagabend nichts mitbekommen haben. „Wir gehen jetzt woanders weiterfeiern“, kündigte er an.

Auch wenn sich vor Ort die Lage beruhigt hat – die Vorgänge um das Stadtfest könnten noch politische Kreise ziehen. Die AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag hat beantragt, dies zum Gegenstand einer aktuellen Debatte im Landtag zu machen. Die Sitzung ist am Donnerstag.