Stadtfinanzen: Zehn-Punkte-Paket
Waffensteuer ja, Bettensteuer nein
Thomas Borgmann,
06.07.2010 07:00 Uhr
Sonderfall: drei Waffen sollen für Jäger steuerfrei sein, weitere würden kosten. Foto: Stoppel
""Wenn der Rat
die Bettensteuer
beschließt, werde ich Einspruch
dagegen einlegen.""
Oberbürgermeister Wolfgang Schuster
Wer in Stuttgart eine Waffe besitzt, die bei der Stadt ordnungsgemäß registriert ist, der muss damit rechnen, dass er vom nächsten Jahr an einen Steuerbescheid über 100 Euro bekommt. Mit dieser "Waffensteuer" wollen Wolfgang Schuster und Michael Föll gleich dreierlei erreichen: Erstens Stuttgart soll damit bundesweit der Vorreiter sein. Zweitens, der Anreiz, seine Waffen abzugeben, soll verstärkt werden, denn wer sie 2011 abgibt, bleibt steuerfrei. Und drittens, so hofft die Rathausspitze, kommen von 2011 an jedes Jahr zusätzlich 1,5 Millionen Euro an Steuern in die Kassen.
Der Oberbürgermeister sagte dazu am Montag: "Unser erstes Anliegen nach dem Amoklauf von Winnenden ist es, die Zahl der Waffen zu reduzieren, denn jede Waffe weniger ist ein Mehr an Sicherheit." Von den rund 29.000 Waffenbesitzern, die bei der Stadt registriert sind, so Schuster, werde schätzungsweise die Hälfte steuerpflichtig. Wer von Berufs wegen eine Waffe trage, aber ebenso Sportschützen und ihre Vereine müssten die neue Steuer nicht entrichten. Bei den Jägern, so der Stadtkämmerer, "wollen wir drei Waffen steuerfrei zugrunde legen - alles darüber hinaus wird steuerpflichtig". Ein Gutachten des Städtetags von Baden-Württemberg habe die Zulässigkeit dieser neuen Steuer bestätigt.
OB ist sich sicher, dass seine Argumente den Rat überzeugen
Anders hingegen sehen Wolfgang Schuster und Michael Föll die von den Grünen im Gemeinderat beantragte "Bettensteuer", die auf Übernachtungen in Stuttgarter Hotels erhoben werden soll, um die Kürzungen im Kulturetat zu mildern. Diese Steuer hielten die Gutachter des Städtetags für rechtswidrig - aus folgendem Grund, wie Föll erklärte: "Die Bettensteuer gleicht der Umsatzsteuer - und Kommunen dürfen keine Umsatzsteuer erheben." Die Rathäuser in Mannheim und Freiburg seien zu der gleichen Einschätzung gelangt. Sollte der Gemeinderat trotzdem die Bettensteuer beschließen, so kündigte OB Schuster an, "würde ich, wie es laut Gemeindeordnung meine Pflicht ist, diesem Beschluss widersprechen". Er, Schuster, rechne aber fest damit, "dass unsere Argumente den Rat überzeugen".
Das bis 2015 ausgelegte Zehn-Punkte-Programm enthält weitere Themen, die der Rat zum Teil schon seit Jahren diskutiert: Die Verpachtung des städtischen Weingutes soll der Stadtkasse 250.000 Euro im Jahr ersparen; nach Fölls Angaben gibt es bereits mehrere Interessenten, die den Traditionsbetrieb übernehmen wollen, allerdings ohne seine zehn Mitarbeiter, die man anderswo bei der Stadt unterbringen möchte. Rund 600.000 Euro beträgt das Defizit des Gutes jedes Jahr, unter anderem, weil die Bewirtschaftung der typischen Stuttgarter Steillagen von der Stadt nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.
Sport- und das Bäderamt sollen vereinigt werden
Weitere Programmpunkte: die Gebühren für die Bewertung von Grundstücken werden künftig teurer; beim Friedhofsamt und bei der städtischen Datenverarbeitung soll eingespart werden; die alte Kleinbahn auf dem Killesberg wird künftig von der Straßenbahn (SSB) betrieben; der Eigenbetrieb Hafen StuttgartAG übernimmt den Betrieb der städtischen Industriegleise; auch bei der Stadtentwässerung wird gespart; schließlich sollen das Sport- und das Bäderamt vereinigt werden. Allerdings, so der Stadtkämmerer am Montag: "Wir haben nicht die Absicht, dem Rat die Schließung von städtischen Bädern vorzuschlagen." OB Schusters Fazit: "Unser Sparkurs ist alternativlos. Stuttgart steht trotz alledem finanziell noch besser da als die meisten anderen Großstädte."
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Waffensteuer
Man mag zu Waffen stehen, wie man will. Ich habe da gar keinen Blutdruck. Die Waffenbesitzer, die ich kenne sind alles vernünftige Leute. Ich weiß nur, daß linear mit Erhöhen der Müllgebühren der ganze Dreck zunehmend in der Landschaft abgeladen wird. Das mag einem nun gefallen oder nicht. Das ist einfach so. Wenn an den Statistiken des Bundeskriminalamtes etwas dran sein sollte, dann müßte man über jede Waffe in legalem Besitz froh sein anstelle sie zuverteufeln, denn das sind offenbar nachweislich die, mit denen der wenigste Unfug gemacht wird. Diese sicheren Waffen zu besteuern wird unweigerlich "den Dreck in der Landschaft" erhöhen, siehe oben. Das mag einem nun gefallen oder nicht, aber das wird so sein. Da werden sich Waffen und Müll völlig gleich verhalten. Ob damit der vielbeschworenen Sicherheit ein Dienst erwiesen wird? Ich weiß es nicht.
(W)affensteuer
Aus der Geschichte nichts gelernt Herr Bürgermeister zu was Enteignungen wenn auch als Steuer versteckt führen können. Solch eine Steuer ist ein wunderbares Düngemittel für andere Regierungsformen in Deutschland. Wer es nicht glaubt kann ja mal nachschauen wer durch den Versailler Vertrag groß geworden ist. Armes Stuttgart (und hoffentlich nicht Deutschland)